Wegwarte (Cichorium intybus)

Heilpflanze des Jahres 2020

Nachdem sie bereits 2009 von der Loki Schmidt Stiftung zur Blume des Jahres ausgewählt wurde und ihre Verwandtschaft 2005 zum Gemüse des Jahres, hat nun die Naturheilgesellschaft Theophrastus die Wegwarte als Heilpflanze des Jahres benannt.

Wenn auch vielen wahrscheinlich eher unbekannt, spielte die Wegwarte im Laufe unserer Menschheitsgeschichte bereits früh eine Rolle: Auf einem Papyrustext im 4. Jahrtausend v.Chr. zum ersten Mal genannt, in der griechisch-römischen Antike, im Mittelalter in Heil- und Pflanzenbüchern beschrieben, wird sie auch in der Naturheilkunde in unserer Zeit vielfach und zu verschiedenen Zwecken verwendet.

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Bild: Darka ischenko / CC BY-SA

Wegwarte botanisch 

 

Familie:

Korbblütler (Asteraceae) 

Gattung:
 
Wegwarte, bot. Cichorium intybus 

Blütezeit:
 
Juli - September, vormittags 

Vorkommen:
 
Überall in Europa, Straßenränder, Brachen, trockene Stellen
Name:
Cichorium: alte lat. Bezeichnung
Weg - warte: Wegepflanze, Weg - begleitend


Arten / Sorten:

Wegwarte, mit Blattrosette im ersten Jahr, die den Winter überdauert. Im nächsten Jahr wächst daraus der 1,2 m lange Spross. Die Pfahlwurzel garantiert die Wasserversorgung bei Trockenheit  

Verwendung in der Küche 

 
Durch Auslese / Züchtung entstanden Blattgemüse (C. int. foliosum)

        
Endivien durch dichte Füllung der Blattrosette im Herbst. (C. int. endivia)

 
Aus eingeschlagenen Wurzeln wurden im letzten Jahrhundert in Belgien fahle Triebe entdeckt, die heute als Chicorée verzehrt werden.

 
In Italien wurden rote (Anthozyan haltige) Blattköpfe gezüchtet: Radicchio.


Diese Salate enthalten alle Bitterstoffe. Sie sind auch nicht mit den gängigen Kopfsalaten verwandt, sondern gehören in die Gattung der Wegwarten.


Die fleischige Wurzel (bot. Rübe) wird seit langem zur Herstellung von Kaffee genutzt: Nach dem Zerkleinern und Rösten wird die Wurzel mit kochendem Wasser übergossen. So soll Friedrich der Große in seinem Reich den Zichorien Kaffee propagiert haben als Ersatz für den teureren Bohnenkaffee: Das Geld konnte schließlich sinnvoller verwendet werden! Heute im Supermarkt als Caro Kaffee im Angebot.

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Bild: H. Zell / CC BY-SA

Heilende Wirkung

Seit dem Altertum galt die Wegwarte als Heilmittel für die verschiedensten Krankheiten und Hilfsmittel für besondere Lebensumstände.

In Sagen und Mythen zeigte sie zauberhafte Wirkungen, in Büchern über Naturheilkunde in den Klöstern und Schriften bekannter Persönlichkeiten (Hildegard von Bingen, Paracelsus …) werden heilende Wirkungen beschrieben. Hierbei werden die Bitterstoffe der Pflanze als helfende Substanzen genannt.

Als wichtigsten Inhaltstoff speichert die Wurzel Inulin, ein Reserve - Kohlehydrat für die Pflanze. Aus den geernteten Wurzeln wird Inulin gewonnen und als Ballaststoff sowohl in der Nahrungsmittelindustrie als auch in der Heilkunde genutzt. Inulin wirkt sich positiv auf eine gesunde Darmflora aus, die wiederum als wichtiger Faktor für ein leistungsfähiges Immunsystem gilt.

In Apotheken und Drogeriemärkten werden die getrockneten Wurzelstückchen für die Zubereitung von Tee angeboten, der dann außer dem Inulin weitere Inhaltsstoffe enthält, u.a. den Bitterstoff Intybin. Neben der Stärkung des Immunsystems gelten die Wirkstoffe der Pflanze als verdauungsfördernd, d. h. die Verdauungsorgane in ihrer Gesamtheit werden angeregt.

Bittere Medizin?

Wer mag schon bitter? Nicht nur Kinder bevorzugen süße Speisen und Naschereien vor sauren und vor allem bitteren. Diese Tatsache beruht vielleicht auf einem Instinkt, der (in der Steinzeit erworben) energiereiche süße Nahrung als gesund, bittere Pflanzen als zumeist gefährlich einstufte.

In der heutigen Zeit ist der reichhaltige Konsum kohlehydratreicher süßer Nahrung nicht mehr lebenserhaltend, eher im Gegenteil. Weil wir die Inhaltsstoffe unserer Nahrung kennen und bewerten können, haben nun Bitterstoffe ihre Chance? Mit zunehmendem Alter ist die Aversion gegen bittere Früchte oder Salatblätter weniger stark ausgeprägt, und das ist die Chance für abwechslungsreiche und gesunde Ernährung!

Geschmack ist gelernt!

Quellen:

https://www.botanik-bochum.de/jahrbuch/Pflanzenportraet_Cichorium_intybus_2020.pdf
https://www.phytodoc.de/gesund-leben/ernaehrung-gesund-abnehmen/bitterstoffe
https://www.biozac.de/naturbeobachter/14_08_21.htm
http://www.ifze.ch/wirkung-von-bitterstoffen/
https://cara.care/de/ernaehrung/lebensmittel/inulin/