Meerrettich

Botanischer Name:
Armoracia rusticana

(Brassicaceae) Kreuzblütler

Heilpflanze des Jahres 2021

Armoracia rusticanaBild: Wikimedia CC BY-SA 4.0

Weil Meerrettich wohl eher als Gemüse und Gewürz aus der Küche bekannt ist, überrascht die Entscheidung der Naturheilgesellschaft Theophrastus, ihn als Heilpflanze des Jahres auszuwählen.

Dabei galt die Pflanze bereits im alten Ägypten und im Römischen Reich als Wund- und Stärkungsmittel. In den Heil- und Pflanzenbüchern des Mittelalters wird Meerrettich bei Entzündungen des Nasen- und Rachenraumes empfohlen.

Seit dieser Zeit zunächst in Klostergärten angebaut, fand die Pflanze ihren Weg in bäuerliche Gärten und in die freie Natur, wo wir sie vielerorts als Wildpflanze antreffen.

 

Blütezeit:
Mai – Juli

Vorkommen:
Wiesen, feuchte Stellen, Bachränder

Name:
Mehr (großer) Rettich, süddeutsch / österr.: Kren

Wuchsform:
Rosette im Winter, daraus wächst die 1,5 m hohe blühende Staude, tiefe Pfahlwurzel mit Seitentrieben

Verwendung in der Küche:
Meerrettich in der KücheMeerrettich in der KücheParallel zur Nutzung als Heilpflanze war Meerrettich eigentlich immer schon Bestandteil unserer Nahrung. Die lange und kräftige Wurzel wird in den Wintermonaten ausgegraben und steht dann für eine Fülle von Gerichten als Wurzelgemüse oder Würze zur Verfügung. Bekannt und beliebt ist die Schärfe der geschälten oder geraspelten Wurzel. Hierbei gilt: je frischer, desto schärfer. In der ‚Vorpfeffer-Zeit‘ war Meerrettich wichtigste Zutat für scharfe und aromatische Speisen.

Verantwortlich für die Schärfe sind Senföle, die ähnlich wie bei der verwandten Senfpflanze entstehen, wenn das Gewebe von Wurzel oder Samen (Senf) gerieben, also verletzt werden. Erfunden haben die Pflanzen diesen Mechanismus zur Abwehr von Fressfeinden. Leider sind diese scharfen Aromastoffe flüchtig, deshalb immer nur eine kleine Menge für den baldigen Verbrauch bereiten.

Das heißt auch für die Verwendung in der Küche: Am besten roh und frisch zubereitet etwa als Dip, als Zugabe zu Lachs, zu kurzgebratenem Fleisch, Räucherfisch. Frischkäse, Quark oder Sahne bekommen so ein pikantes Aroma. Durch Kochen oder im Backofen geht ein Großteil des Aromas verloren, deshalb hier immer erst zum Schluss zugeben. Rezepte gibt es zahlreich...

 

Tartlet   Rote-Bete-Suppe
Tartlet   Rote-Bete-Suppe
mit Räucherlachs   mit Fleischbällchen
und Meerrettich-Dip   und Meerrettich

 

Weitere Informationen, Tipps für Dips und viele originelle Rezepte bei https://www.essen-und-trinken.de/meerrettich.

Heilende Wirkung
Außer seinen kulinarischen Qualitäten hält Meerrettich noch Inhaltsstoffe in der Wurzel vor, die für unsere Gesundheit eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Seit Jahrhunderten ist seine Wirkung als Medizin bei Rachen- und Harnwegsinfektionen bekannt. Durch den Gehalt an Vitamin C galten die Wurzeln als Heilmittel gegen Skorbut auf den Segelschiffen früherer Zeit.

Vitamine Wert pro 100 g
B1 0,14 mg
B2 0,11 mg
B3  0,6 mg
B5 0,3 mg
B6 0,18 mg
C 111 mg

  

 

 

 

 

 

Tabelle aus: Phytodoc

Außer den Vitaminen enthält Meerrettich weitere Substanzen, die zur Abwehr von Krankheitserregern und zur Stärkung des Immunsystems beitragen (Senföle, Flavonoide). Sie wirken nachweislich antibiotisch ohne die Gefahr, Resistenzen zu bilden, wie das häufig bei Medikamenten der Fall ist. Penicillin aus dem Garten ist dann auch eine treffende Bezeichnung für unsere Heilpflanze! Diese und ähnliche Inhaltsstoffe finden sich in weiteren Kreuzblütlern, also Verwandten des Meerrettichs: Kohl, Senf, Wasabi (japanischer Rettich).

Im Pharmahandel wird eine Fülle von Fertigpräparaten angeboten, als getrocknete Wurzeln, Tropfen, Tabletten, Salben. Oft sind es Kombinationspräparate: Zusammen mit Meerrettich als Basis wird z.B. Kapuzinerkresse (Bild) oder Knoblauch zugefügt, je nach Geschmack und Verwendung.

Zur Selbstherstellung empfohlen wird ein Sirup aus geraspeltem Meerrettich, der einige Stunden in Honig eingelegt wird und zur Behandlung von Erkältungskrankheiten dient.

Ein Breiumschlag mit geraspeltem Meerrettich und z.B. Quark gemischt wird im Tuch auf entzündete oder schmerzende Stellen aufgelegt. Hier ist Vorsicht geboten wegen der sprichwörtlichen Schärfe der Wurzel!

Nachgewiesen ist die antivirale Wirkung von Meerrettich auf das Virus H1N1, das die als solche bezeichnete Schweinegrippe verursacht. Zurzeit laufen Forschungen in Richtung hemmende Wirkungen auf verwandte Viren, die uns gerade große Sorgen bereiten.