Sarastro-Rundbrief April 2020

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Wahrlich hätte ich dir jetzt liebend gerne einen netteren Rundbrief geschrieben, aber die Vorzeichen stehen dieses Frühjahr unter einem anderen Stern, innerhalb weniger Wochen hat sich die halbe Welt verändert! Und dies auch in deinem Umfeld, ebenso wie bei mir! Ich versuche trotzdem, täglich das Schöne mit dem Notwendigen und reale Begebenheiten mit zwangsläufig entstehenden Zukunftsgedanken irgendwie in Einklang zu bringen.

Vor nunmehr zwei Wochen bekam ich ein Bild von meiner Schwester aus der Schweiz zugesandt, vor kurzem aufgenommen. Es zeigte die Rheinbrücke in meiner ehemaligen Heimatstadt Laufenburg, die ja von Napoleon zur Hälfte zu Deutschland und die andere Hälfte zur Schweiz zugeschlagen wurde, der Rhein bildet seit damals eine natürliche Grenze. Man sah inmitten der Brücke meterhohe Gitter, so dass keine Fußgänger von Deutschland in die Schweiz oder umgekehrt durchkamen, was vorher auch ohne Passkontrolle jederzeit möglich war. Und darunter war eine alte Aufnahme zu sehen, geknipst während des Ersten Weltkrieges, wo damals statt mit Gittern mit Leiterwagen die Grenze dicht gemacht wurde.

1914-2020

Ein Virus macht es tatsächlich möglich, dass wir fast schon in kriegsähnliche Zustände mit nahezu vollkommener, nationaler Isolation zurückfallen, die wir längst hinter uns wähnten. Andere durchaus wichtige Themen sind plötzlich ganz und gar nebensächlich geworden. Ich will hier keinesfalls politisch werden, Politik hat ja meines Erachtens im Garten nicht das Geringste verloren. Allerdings hat das Virus zumindest eines erreicht, nämlich dass wir alle uns wieder auf wesentliche Dinge besinnen dürfen, die unserem Leben einen Sinn geben.

Aber nun zu den Fakten. Hier in Österreich ist die Ausgangssperre bis nach Ostern verlängert worden. Das heißt, dass nicht nur sämtliche Veranstaltungen in der kommenden Zeit abgeblasen wurden, so auch Gartentage und Pflanzenbörsen, private Gartentreffen, Vorträge und vieles mehr. Wir dürfen das Haus nur verlassen, um notwendige Einkäufe zu erledigen. Wir müssen da durch und wir werden dies auch schaffen, jeder auf seine Weise, ein jeder wird Opfer bringen müssen, auf welche Art auch immer. Freue dich auf die Zeit danach, denn sie wird sicher bald zurückkommen! Wie dann die Normalität aussehen wird, stellt sich erst heraus, da ist es momentan vollkommen sinnlos, darüber zu spekulieren. Auf jeden Fall wirst du von mir immer den neuesten Stand erfahren!

„Was hat ein Gärtner zu reisen? Ehre bringt's ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt!“

Dieser Spruch stammt von niemand anderem als vom Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe, der am Frauenplan in Weimar einen idyllisch gelegenen Garten am Flüsschen Ilm besaß. Meinen eigenen Garten habe ich derzeit sträflich vernachlässigt, dieser wird noch in diesem Herbst auf Vordermann gebracht. Aber jeden Tag denke ich daran, schmiede Ideen und freue mich darauf.

Was tun in solchen Zeiten? Bücher wälzen im aufblühenden Vorfrühling, wo dein Garten dich so sehnsüchtig erwartet? Keinesfalls, raus in die Natur, in deinen Garten, das darf dir niemand verbieten, denn auf deiner kleinen Erde kann dir nichts passieren. Erfreue dich an deinem Garten! Und bei diesem trockenen Frühlingswetter kannst du einiges anstellen.

„Reise doch, bleibe doch!“

Eigentlich plante ich seit längerem genau für dieses Jahr eine Reise in die Mongolei, um ein Stück des Landes und seine Leute, sowie die Vegetation kennenzulernen. Ob die Reise tatsächlich zustande kommt, steht derzeit vollkommen offen. Also vielleicht doch zuhause bleiben? Reisen und Bleiben gehört für einen Staudenliebhaber untrennbar zusammen und ich werde reisen, sobald dies irgend möglich sein wird, wie es schon damals Karl Foerster in seinem gleichnamigem Buch so treffend vermittelt. Und ehrlich gesagt hege ich momentan viel eher den Gedanken, nach Italien zu reisen, so wie es auch Goethe tat. Wenn das Virus ein Land am unheilvollsten getroffen hat, dann ist dies unser Nachbarland. Sie haben es verdient, dass ihre daniederliegende Tourismuswirtschaft möglichst schnell wieder in die Gänge kommt. Zumal ich Italien nicht einmal ansatzweise kenne. Da reist man durch die halbe Welt und kennt vielleicht Venedig, Padua, Verona und Rom und das war es auch schon.

Ohne dich auf ein paar Stauden aufmerksam zu machen, kann ich diesen Brief an dich ja nicht zu Ende bringen, denn man lernt ja bekanntlich nie aus und ich möchte diese Erfahrungen an dich weitergeben. Hohe Erwartungen setzte ich in Anemone ‘White Swan’, welche mir von einigen Leuten wärmstens empfohlen wurde. Es hat sich aber herausgestellt, dass gerade diese reichblühende Sorte sehr schlecht wächst und ihre Anzucht stets mit vielen Ausfällen verbunden ist. Dagegen entpuppte sich die ähnliche ‘Dreaming Swan’ als wesentlich besser, ihre halbgefüllten Blüten besitzen ebenfalls jene metallisch glänzende Rückseite der Blütenblätter. Pflanze sie in guten Boden, der Pflanzplatz darf auch ruhig sonnig sein. Leider habe ich nur ein Bild von ‘Wild Swan’, aber dies wäre ja kontraproduktiv, wenn ich dir dies zeigen würde!

Mit den Jahren sehr positiv aufgefallen ist mir auch ein Scharbockskraut mit enorm großen Blüten, welche bis zu 7 cm im Durchmesser messen. Ich besitze es schon sehr lange, mir fiel es beim Alpenpflanzengärtner Eschmann in Emmen/Schweiz das erste Mal auf. In voll aufgeblühtem Zustand erinnert es fast an eine großblumige Sumpfdotterblume! Du kannst Ficaria verna ‘Grandiflora’ (bei uns noch als Ranunculus ficaria geführt) mit anderen Sorten des nicht wuchernden Scharbockskraut kombinieren oder aber in Einzelstellung bringen. Der Standort ist hierbei weniger wichtig, Hauptsache, dein Boden weist genügend Frühjahrsfeuchtigkeit auf. Auch in sonnigen Lagen zieht es sehr bald ein, am besten kommt es in Verbindung mit Schneeglöckchen und Frühlingsalpenveilchen zur Geltung.

Ficaria verna GrandifloraMan erkennt auf dem Bild gar nicht die Größe der einzelnen Blüten von Ficaria verna ‘Grandiflora‘!

Allerliebst sind übrigens die kleinen Dicentra-Arten aus den Nordamerikanischen Wäldern, die wir schon deslängeren kultivieren. Am richtigen Standort im Waldhumusboden, zusammen mit Forellenlilien (Erythronium) und Waldlilien (Trillium) erfreuen sie dich über viele Jahre. Schade, dass sie so früh einziehen, aber das ist ja das Wunderbare an ihnen, man glaubt es kaum, dass da aus einer winzigen Knolle eine so wunderhübsche Pflanze in die Höhe kommt.

Dicentra canadensisDas ist Dicentra canadensis, eine Wald-Herzblume aus Nordamerika!

Dicentra cucullariaUnd hier siehst du eine Sorte von Dicentra cucullaria, zusammen mit der Trauerglocke (Uvularia grandiflora)Aus Ostasien, besser gesagt aus Japan, stammt eine blitzblau blühende Taubnessel. Das Fantastische an ihr ist nicht nur ihre auffällige Farbe, sondern auch die Fähigkeit, im Herbst Laub zu schlucken, ohne hierbei geringste Beeinträchtigungen zu zeigen. Meehania fargesii ‘Japanblau’ darf ich dir für deinen Schattenteil im Garten empfehlen, mit der Zeit rankt sie sich wie durch Zauberhand gelenkt selbst durch Unterholz, ohne hierbei andere Schattenstauden zu verdrängen. Hier siehst du ihr wunderschönes Blau!

Meehania fargesii Japanblau

Wenn dir das Umhergeranke zu viel wird, dann probiere es mit dem Nesselkönig (Lamium orvala). Er wächst schön brav horstig und verträgt sogar eine große Portion Trockenheit. Er ist viel zu wenig im Einsatz, dabei ist er so anspruchslos und kann dabei noch sehr alt werden. In seiner slowenischen Heimat sah ich ihn an Standorten in voller Sonne, wo er nur 20 cm hoch wurde, nicht weit weg davon im Schatten wuchs er sogar hüfthoch! Wir kultivieren sogar eine weiße Form aus Bosnien, sowie ‘Silva’, welche silbrig gefleckte Blätter aufweist.

Lamium orvala

Einen letzten, mir sehr wichtigen Lippenblütler möchte ich dir nicht vorenthalten. Ihn lernte ich schon in meiner Kindheit kennen, denn er wuchs im Schweizer Jura und auf der Schwäbischen Alb an warmen Standorten in Schlehengestrüpp und zwischen Weißdorn, zusammen mit der Nieswurz (Helleborus foetidus). In deinem Garten bevorzugt das Immenblatt (Melittis melissophyllum) sie ähnliche Standorte im Gehölzrandbereich. Die Blüten erscheinen sehr früh, meist schon Ende April, sie variieren zwischen Weiß und Samtrot, sowie in Zwischentönen. Du hast es hier mit einer langlebigen, sehr trockenheitsresistenten Staude zu tun, welche unter ihrem Wert gehandelt wird! Leider ist ihre Aufzucht langwieriger als bei anderen Lippenblütlern, denn bis zur halbwegs ansehnlichen Verkaufspflanze vergehen zwei Jahre!

Melittis melissophyllum

Und zum Schluss möchte ich dir noch die Wüstenmalve (Sphaeralcea) vorstellen. Ich kannte sie schon lange, vor allem von meinen diversen Englandreisen. Auch mein Pflanzenfreund Hans Kramer hat sie schon lange in seinem Sortiment, aber ich wagte sie nie zu probieren. Die letzten Winter waren problemlos und so nahmen wir die Wüstenmalve endlich fix in unser Sortiment auf, zumal du ja auch in wintermilden Gebieten zuhause bist. Wenn du einen trockenen Platz an der Hauswand hast oder du besitzest einen sehr sonnigen Kiesgarten, dann probiere diesen Halbstrauch ruhig einmal aus. Wir vermehren ihn in zwei Varianten (Sphaeralcea incana, Sphaeracea ‘Chidderley’), wobei beide durch ihren überreichen, orangen Blütenflor auffallen, der über Monate anhält. In Kombination mit mediterranen Pflanzen aller Art, aber auch Yucca und Gräser ist wieder eine Gartenecke perfekt gelungen!

Sphaeralcea incana

Bevor ich schließe, möchte ich dir bei dieser Gelegenheit von ganzem Herzen danken, dass du gerade in dieser noch nie dagewesenen Situation so fleißig Bestellungen über unseren Webshop tätigst, was für uns in dieser schwierigen Lage eine echte Wohltat ist! Unser Onlineshop ist bekanntlich für dich 24 Stunden geöffnet und funktioniert tadellos. Wir sind ja nicht untätig, sondern stellen mit sehr viel Sorgfalt deine Bestellungen zusammen, bis jetzt erfolgte die Auslieferung mit DPD reibungslos!

Die Grenze von Deutschland nach Österreich und zurück ist nur mit triftigen, beruflichen Gründen zu passieren. Wer weiß, wann wieder Normalität angesagt ist und so helfen uns deine Bestellungen wirklich enorm, auf diese Weise halbwegs über die Runden zu kommen. Die Gartentage und Pflanzenbörsen haben wir ja in den letzten Jahren auf ein Minimum heruntergefahren, um dich und deine Staudenfreunde in der Gärtnerei bestmöglich zu bedienen.

Der neueste Stand ist derzeit, dass wir unsere Staudengärtnerei ab kommender Woche wieder zu den gewohnten Zeiten öffnen dürfen! Allerdings beschränkt sich der Verkauf lediglich auf Selbstbedienung, intensive Beratungen entfallen aufgrund der derzeitigen Situation! Bezahlung per EC-Karte oder über Kreditkarte. Außerdem: wenn du deine vorbestellten Pflanzen selbst abholen möchtest, dann ist dies nach Rücksprache jederzeit möglich! Es liegt dies in deiner und in unserer Verantwortung, richtig miteinander umzugehen.

Du erfährst alles Weitere rechtzeitig von mir, besonders was unser Verkaufsoffenes Wochenende anbelangt. Auch diese unsere wichtigste Veranstaltung liegt derzeit in der Schwebe und wir planen mit den umliegenden Kollegen, den Termin in den Mai zu verlegen, damit du doch noch in den Genuss kommst, unseren umgestalteten Eingangsbereich zu bewundern. Außerdem hatten sich wie in jedem Jahr einige Mitaussteller angesagt. Wie schade, wenn dies nicht zustande käme!

Lasst uns alle zusammenhalten in diesen Zeiten und sieh zu, dass du dabei deinen persönlichen Frühling nicht verpasst. Sei für andere da und verbringe trotzdem jede Gelegenheit in deinem Garten bei deinen Pflanzen, die auf dich eine unbändige Kraft ausstrahlen! Erfreue dich auf diese Weise an der Natur, bleibe stets optimistisch und sage dir immer „Corona, wir haben keine Zeit, mein Garten ruft!“

Unser Garten ist unser letzter persönlicher Sehnsuchtsort, ein Pflanzenrefugium und der Start in ein grenzenloses Naturerlebnis, stets auf neue, wundersame Weise!

In diesem Sinne bleib gesund, das ist momentan das Allerwichtigste! Wir sehen uns hoffentlich schon bald wieder in unserer Gärtnerei, schütteln einander die Hände oder liegen uns von Herzen in den Armen!

 

Dein Staudengärtner Sarastro

Christian Kress

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christian H. Kreß und Mitarbeiter


Die Corona-Depression

Nur schlechte Nachrichten: Virus, Kriege, Klimakrise

SchattenseitenDank farbiger Blätter und Blüten müssen Schattenseiten nicht düster wirken.So deprimiert war die Stimmung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr. Der Sündenbock dafür heißt Corona und ist nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar. Seit der spanischen Grippe 1918 habe es nichts Vergleichbares gegeben, sagen Experten, aber ob die Influenza am Ende des 1. Weltkriegs schon so weit reichende Auswirkungen hatte? Heute gibt es rund um den Globus Schreckensnachrichten auf allen Kanälen. Selbst die Musik passt ins Bild. „This is the end, the end, the end, the end“ tönt es im Radio.

Das Wetter steuert seinen eigenen Beitrag hinzu, wobei die Meinungen geteilt sind. Die Meteorologinnen der privaten TV-Sender prophezeien mal wieder sonnig lächelnd, das Wochenende verspreche, schön zu werden, warm und trocken. Der öffentlich-rechtliche Wetterfrosch weist als einziger auf die Nebenwirkung ewigen Sonnenscheins hin: „Sie müssen gießen.“

Eigentlich wollte ich das Thema Garten und Gießen ja ausschließlich von der positiven Seite sehen. Aber nach Stunden des Wässerns und dem Anblick trotzdem vergilbender Gräser im vom Löwenzahn eroberten Rasen gebe ich zu, dass es nur wenig Spaß macht. Auf die Gefahr hin, zur Außenseiterin und Spaßverderberin erklärt zu werden: Verflixt, permanente Trockenheit ist kein schönes Wetter. In den letzten Jahren haben Monate andauernder Hitze bereits viel Schaden angerichtet, in den Wäldern, der Landwirtschaft. Aus den alten Bergahornen am Haus sind schon im Juni 2018 größere Äste abgebrochen, voll belaubt, ohne Krankheitszeichen. Aber der Mittelmeersommer ohne einen Tropfen Regen plus bis zu 40 Grad Celsius ging vermutlich über ihre Kräfte.

2019 begannen die Zweigspitzen an der Südseite des größten Ahorns zu vertrocknen; jede stürmische Böe kämmt seitdem abgestorbene, dürre Reiser und Aststücke aus der gigantischen Baumkrone. Das ähnelt dem Spitzenschneiden beim Friseur, letzteres inzwischen eine in die Ferne gerückte Erinnerung. In Corona-Krisenzeiten fallen bisher die Besuche im Frisiersalon aus. Mein normalerweise kinnlanger Pagenkopf reicht bereits bis auf die Schultern.

Einzeln betrachtetEinzelne Zweigspitzen werden laufend vom Wind ausgekämmt.
Dieses abgebrochene Stück hat gerade noch eine Knospe.

Die Schnittarbeit an Büschen und Heckensträuchern darf weitergehen. An Wegen muss der Jahreszuwachs sogar zurückgeschnitten werden, damit sie weiterhin genutzt werden können. Wenn ich die Heckenschere dazu einsetze, den Austrieb am äußeren Grundstücksrand zu kürzen, stelle ich mir angesichts des schmalen Gehwegs und des nicht einzuhaltenden Abstands zu Spaziergängern die Frage, ob ich mir nicht besser einen Mund-/Nasenschutz umbinde, weil der Mindestabstand nicht einzuhalten ist.

Elfenblume

Bevor die Frage Vermummung ja oder nein entschieden ist, greife ich erst mal wieder zum Schlauch, weil einige Pflanzen sich sichtlich unwohl fühlen und die Blätter hängen lassen. Übrigens: Die erste Hortensie, die ich wie geplant vor einem Monat an die Ostseite des Hauses umgepflanzt habe, hat die Aktion bisher überstanden. Nur einige Blätter sind vertrocknet; aber sie treibt kräftig neu aus. Ein Funken Hoffnung, immerhin. Das installierte Bewässerungssystem scheint zu funktionieren; leider ist nicht ausreichend Material für weitere Umzugskandidaten oder noch mehr Kübel vorhanden. Gut, dass die Gartenmärkte geöffnet sind.

HimmelblauVergissmeinnicht spiegeln des Blau des Himmels.
Meint die Sonne es zu gut,
leiden selbst die robusten Pflänzchen.
In den inzwischen optimistisch loswachsenden Rosen hängen auf links gezogene Einmalhandschuhe, offenbar vom Wind verweht. Super, dass ich die kleine Grillzange nicht weggeworfen habe, mit der sich diese Zeugnisse der Coronakrise greifen und in die graue Tonne stopfen lassen. Eventuell auf der Zange überlebende Viren sollten bei 60 Grad in der Spülmaschine auf jeden Fall umkommen, hoffentlich. Früher hing die Grillzange bei den Küchenutensilien. Heute im Gewächshaus bei den Gartengeräten. Die Zeiten ändern sich.

Übrigens – ist aufgefallen, dass die Wälder rund um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl in den letzten Wochen gebrannt haben? Irgendwie ist das in den Nachrichten dieses Jahres zur Randnotiz geworden. 1986 war der Super-Gau das bestimmende Thema. Wie war das damals noch? Erinnern Sie sich (falls Sie damals schon lebten)? Im Vordergrund stand die Sorge, unbelastete Lebensmittel zu bekommen. Gekauft wurde vor allem, was möglichst wenig radioaktive Strahlung abgab. Viele Leute kauften Geigerzähler. Damals starben die Wälder rund um die Nuklear-Anlage.

Was jetzt abgebrannt ist, war der junge Wald, der auf dem verseuchten Boden aufwuchs. Kann sein, dass sich doch gar nicht so viel ändert. Katastrophen jedenfalls scheinen uns treu zu bleiben. So wie die Klimakrise. Soeben war zu hören, dass es gerade ein Feuer in einem Naturschutzgebiet im Emsland gegeben hat. Ich hoffe, dass wenigstens das Wasser nicht knapp wird. Und vielleicht noch genug für den Garten bleibt.

 

Fotos© M. Zybon-Biermann


Sarastro-Rundbrief Mai 2020

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Heute schreiben wir, Kata und Mike, aus North Carolina (USA), wo wir zurzeit leben und arbeiten. Jene unter euch, die den Newsletter meines Vaters schon einige Zeit lesen, wissen, dass Kata als Produktionsleiterin in der Gräsergärtnerei Hoffman Nursery arbeitet, während Mike als IPM (Integrated Pest Management = Pflanzenschutzexperte) für Tony Event bei Plant Delights Nursery arbeitet, eine Versandgärtnerei, die auf Raritäten und besondere Pflanzen spezialisiert ist. In unserer Freizeit lieben wir es, draußen zu sein und die Gegend zu erkunden, nicht nur in unserer Nähe, der Triangle Area (das ist die Gegend zwischen der Hauptstadt Raleigh und Durham, wo wir leben), sondern wir machen auch Ausflüge in die Appalachen, dem Gebirgszug im Westen von North Carolina. Wie du dir vorstellen kannst, haben wir dieses Jahr wesentlich mehr Zeit, die Wälder in der Umgebung zu erkunden, da wir aufgrund von Covid-19 zu Hause bleiben müssen und North Carolina nicht verlassen dürfen.


Garten als Ausweg vom Hausarrest

Im Zeichen des Coronavirus macht selbst Unkrautjäten Spaß

Blaue GlöckchenPusteblume: Könnte Modell für ein Coronavirus gestanden haben.Heute ist Sonntag, 29. März, und die Umstellung auf die Sommerzeit bringt das Zeitgefühl erst mal durcheinander. Auch das Wetter scheint aus dem Takt geraten zu sein. Kräftiger Nordostwind treibt dicke Schneeflocken durch den Dortmunder Himmel. Die hinterlassen aber keine weiße Schneedecke. Der Flocken sind schon geschmolzen, bevor sie auf den frostfreien Boden fallen. Nass und kalt – Frühling stellt man sich anders vor. Also sitze ich vor dem PC.