Gartenreisen

Gartenkunst lockt jedes Jahr zu neuen Zielen

Geheime Gärten und andere Sehnsuchtsorte

geborgte Aussicht Hinter der eigenen Gartenhecke liegt das Paradies. Trotzdem tun wahre Liebhaber nichts lieber, als einen Blick in andere Gärten zu werfen. Darum gehen sie, wenn möglich, in der Sommersaison alljährlich auf Reisen. Dazu braucht es kein weit entferntes Ziel, kein luxuriöses Ambiente, keine weltberühmten Adressen. Ein Tagesausflug kann bereits unvergessliche Erlebnisse schenken.

Die gesuchten Beispiele  finden sich auch in der Nähe. Manchmal sind es wahre Sehnsuchtsorte, überwältigende Privatgärten, sonst ganz geheim, die ihre Pforten öffnen. Öffentliche Parks und Anlagen, deren Gestaltung sie berühmt macht, sind oft nicht weit entfernt.

Gärtnereiadressen, wo die Verführung in Form der schönsten Pflanzen lockt und  Märkte an Orten in der Nähe können zur Offenbarung werden und bringen Inspiration: War es nicht genau das, was ich immer schon wollte? Dabei ist nicht zu vergessen: Kreative Ideen finden sich auch im Kleingarten. Spaziergänge durch die Anlagen in der eigenen Gemeinde sind immer möglich.

Farben und Düfte des Septembers: Dieser Monat ist damit nicht knauserig.

Farben und Düfte des Septembers: Dieser Monat ist damit nicht knauserig.

Erfahrenen und anspruchsvollen Hobbygärtnern, die schon viele berühmte Gärten besucht haben, immer noch neue, überraschende Anblicke zu bieten, ist nicht einfach. Es sind daher in der Regel Spezialisten, die Gartenreisen veranstalten oder mit entsprechend interessierten Gruppen  auf botanische Expeditionen gehen.

Weniger finanzieller und organisatorischer Aufwand ist nötig, um zu Zielen in der Nähe zu gelangen. Auch in Deutschland gibt es wunderbar gestaltete und phantasievolle öffentliche Anlagen. Mehr und mehr folgen inzwischen private Gartenbesitzer dem Beispiel der auf diesem Feld schon lange aktiven Briten und laden zur offenen Gartenpforte, Adressen und Termine entdeckt man in den klassischen Medien und im Internet.

Ein filigranes Gitter zum geheimen Garten: Unsere Reisen öffnen uns alles. Fotos: Reinhild Barton


 

Auch private Ausflüge zu Nachbarn im Westen lohnen sich

SichtachseIn Europa gibt es Gegenden, wo sich besonders viele wunderbare Gärten entdecken lassen. Das ist fast so wie bei einer Grippeepidemie: Der hochansteckende Gartenvirus ergreift einige, um sich dann in der näheren und weiteren Umgebung zu verbreiten. Das flandrische Limburg gehört zu diesen Regionen. Kein Wunder, dass der Landstrich beliebtes Gartenreiseziel ist. Einige Besucher sind so begeistert von dem eigenen Stil und den Talenten der grünen Gestalter im Westen Belgiens, dass sie sich immer wieder auf den Weg dorthin machen. Einer dieser Fans ist der Dortmunder Staudenfreund Gerhard Golak, der jetzt mit Bekannten einen Tagesausflug dorthin unternahm.

 

 

 

 

Bitte einzutreten – dazu scheint das Bild links aufzufordern. In der Tat fand die hier beschriebene Reise während der Tage der offenen Gartenpforte in der Region statt.


Dortmunder sahen großes Event und Gärten der Weltklasse

Eine Hundertjährige bleibt jung: Die Reise
zur Chelsea Flower Show lohnt immer noch

Hundert Jahre alt zu werden ist eine Feier wert: 1913 öffnete die Chelsea Flower-Show erstmals ihre Pforten und lockt seitdem jährlich viele Flugzeug-, Zug- und Schiffsladungen voller Touristen an, die sich dieses Highlight britischer Gartenshow nicht entgehen lassen wollen. Die Dortmunder Staudenfreunde haben – animiert durch ihre neue Leiterin Sabine Zentek, schon im Herbst den Termin im Kalender rot angekreuzt. Damit sich die Anfahrt lohnt, gab es das Wochen-Besichtigungsprogramm dazu: elf Gärten mit großen Häusern, meist historische Anlagen des National Trust und beeindruckend genug, um Filmkulisse zu sein, zwei Stadtbummel in nostalgischem Ambiente, ein Kirchenbesuch mit Blick auf klassisch-moderne Kunst, zwei verführerische Stippvisiten in einer Gärtnerei und bei einem Töpferwarenhandel mit mediterraner Terrakotta forderten gute Kondition und solides Schuhwerk.

Klassische Skulpturenschau am Godinton HouseKlassische Skulpturenschau am Godinton House


Wenn Städter im ländlichen Gelderland perfekte Paradiese planen

Das Sherrybänkchen bekommt
Sonne zur Stunde des Aperitifs

Klein Knoevenoord07

Der zweite Tagesausflug im Sommer 2013 führte die GdS-Regionalgruppe in die nahen Niederlande, in die Provinz Gelderland. Drei große, ländliche Privatgärten wurden besucht - das eineinhalb Hektar umfassende "Klein Knovenoord", die 7000 Quadratmeter von "Het Rhienderenseveld" und der "Huzarenhof".


Besuch bei Janke wie erwartet großartig, auch private Gärten ließen keine Wünsche offen

Garten EngelhardtGarten EngelhardtZwei private Gartenparadiese im Ruhrgebiet und dazu der Garten eines anerkannten und derzeit sehr angesagten Gartengestalters waren Ziele des ersten Tagesausflugs im Juni 2013. Ursula Engelhardt und Linda Zimmermann luden zu sich nach Hause ein – Peter Janke, der Gartenbuchautor und Star unter den Schöpfern fotogener Szenen im Grünen zeigte den Dortmundern seine kleine Gärtnerei plus Schaugarten.


Das Staudenbeet erhielt Besuch

BeetfuehrungenEine Gruppe von StaudenfreundInnen aus Braunschweig unternahm in der letzten Juliwoche eine mehrtägige Gartenreise, die sie über Gärten in Niedersachsen und Staudengärtnereien auch jenseits der niederländischen Grenze schließlich in den Botanischen Garten nach Dortmund führte.


Anja Birne nahm Dortmunder mit in die Cotswolds

CotswoldsRomantische Dörfer, sattgrüne Hügel, mildes Klima, Bilderbuch-Landschaften: das Vereinigte Königreich bleibt – jenseits vom Brexit-Drama – schon wegen seiner natürlichen Voraussetzungen Mekka der Gartenliebhaber, auch der Dortmunder. Kein Wunder, dass Rosen- und Staudenfreunde der Westfalenmetropole als Abschluss des Vortragsjahres 2018 einen Lichtbildervortrag über eine der schönsten Regionen Englands genossen. Die Staudengärtnerin und Gartenjournalistin Anja Birne aus Ostwestfalen nahm ihre Zuhörer mit auf eine Reise ins Herz von England, die Cotswolds.

 


Deutsch-Niederländisch: Grüne Paradiese am Niederrhein

 Erster Eindruck


Der „Tuin Verheggen“ präsentiert sich auf klassische Weise:
Gartenzimmer, Rasenwege, Insel- und Randbeete
– und immer noch: Buchs!


Vom Ruhrgebiet zum Niederrhein und von dort aus über die Grenze in die Niederlande – das bedeutet eine überschaubare Fahrstrecke. Ideales Ziel also für einen Tagesausflug mit der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS). So machten sich  am Samstag, 15. September, morgens im Rombergpark die in und rund um Dortmund wohnenden Gartenliebhaber auf den Weg, sammelten in Essen die übrigen Teilnehmer ein, um dann die Fahrt nach Westen fortzusetzen. Vier Gärten standen auf dem Programm. Gartenreiseprofis wissen: wer so viel vorhat, braucht Kondition, selbst wenn an den Zielorten keine Gebirge zu erklimmen sind.


Ein ganzer Tag zum Pflanzen-Einkauf im Nachbarland

Vom letzten Ausflug kehrten
alle mit vollen Tüten zurück

Einkaufen – das kann weit mehr sein als Ersatzbefriedigung, vor allem, wenn Dortmunds Staudenfreunde die Gelegenheit bekommen, in ausgesuchten Spezialgärtnereien auf Raritätenjagd zu gehen. Zwei niederländische Top-Betriebe und ein Privatgarten zum Anschauen (mit kleiner Verkaufsecke) standen auf dem Programm des Tagesausflugs im September.


Staudenfreunde auf großer Fahrt mitten in Englands Herz

Ein Königreich für schöne Gärten

Bourton-HouseSo wie im Bild links stellt man sich England vor: Ein Landsitz aus dem 18. Jahrhundert inmitten eines tollen Gartens. Der frühere Leiter der Schulbiologie im Botanischen Garten Rombergpark, Michael Stork fotografierte die Musterkulisse von Bourton-House.

Das Ziel der großen Fahrt 2012 lag auf der Trauminsel aller wahren Garten-Enthusiasten: Bewaffnet mit wasserdichten Mänteln und Regenschirmen ging es mitten ins Herz Englands. So nennt man die Cotswolds auch, jene sanft gewellten Hügel zwischen Themse und Avon, Oxford und Cheltenham. Der Name bedeutet so viel wie "eingefriedete Hügel" und verweist auf die Tradition der Viehhaltung. Sie erstrecken sich über sechs Grafschaften, wo außer berühmten Adressen wie Wisley Garden, dem Sichtungsgarten der Royal Horticultural Society und Hidcote Manor auch manches neue und unbekannte, private Beispiel englischer Gartenkunst zu sehen ist. In punkto Wetter zeigte sich das Königreich wohlgesinnt. Es gab zwar zeitweise Regen, aber meist nur dann, wenn alle im Bus saßen. Beim Gang durch die Gärten blieben die Schirme geschlossen. Gibt es da nicht diesen Spruch von reisenden Engeln oder so ähnlich?


Die Projekte des berühmten Designers in Hamm und Bad Driburg

Baumschatten kühlte heiße Stunden
der Wanderung durch Oudolfs Beete

Maximilianpark in HammDer Maximilianpark in Hamm bietet Kultur und Gartenkunst gleichermaßen.

Es war ein wahrer Hundstag, der 18. August; das Thermometer kletterte fast bis auf 40 Grad; die Hochsommersonne brannte gnadenlos. Das richtige Wetter für eine Gartenreise? Doch, genau richtig. Die Regionalgruppe hatte sich zwei Ziele in der Nähe Dortmunds ausgesucht, deren alter Baumbestand schattige Rastplätze genug bot, um von dort aus sonnige Staudenbeete der besonderen Art zu betrachten. Der Maximilianpark Hamm und der Gräfliche Park Bad Driburg haben nicht nur ehrwürdige Baum-Methusalems gemeinsam. Ein Weltklasse-Gärtner, der Niederländer Piet Oudolf, hat in beiden Anlagen für das zeitgenössische Blühwunder gesorgt, im typischen Oudolf-Stil, stilistisch ausgefeilt, in naturhafter Optik.


Hier war das Meer - nun grünt es paradiesisch im Nordost-Polder

Junges Flevoland voller Kontraste:
Uralter Hafen und neue Gartenkunst

Hafenansicht UrkDort, wo einst Hering, Krabben und Seehunde zu Hause waren, ist heute ein Touristenparadies entstanden: Das Flevoland ist die jüngste der niederländischen Provinzen am Ijsselmeer und Markermeer. Mit Hilfe von Einpolderung wurde der Nordsee das Land abgerungen, das inzwischen nicht nur für Freunde des Wassersports, sondern auch der Gartenkunst ein sehenswertes Ziel geworden ist. Am Samstag, 10. und Sonntag, 11. Juli 2010 besuchten die Dortmunder Staudenfreunde die Region. Fünf Gärten, eine Gärtnerei und die Besichtigung der Hafenstadt Urk standen auf dem Programm.


Drei Tage im westlichen Nachbarland Flandern boten starke Eindrücke

Architektur mit Heckenschere gegen
Landschafts-Kunst wie im Gemälde

Orange-blau - ein starker Kontrast.Orange-blau - ein starker Kontrast.Eine Drei-Tage-Tour durch Flandern am ersten Juli-Wochenende stand für die Teilnehmer unter einem wirklich guten Stern - der Sonne nämlich, unerlässliche Zutat zu einer gelungenen Gartenreise. In insgesamt sieben große, ländliche Privatgärten durften die Gäste aus Westfalen eintreten. So unterschiedlich sie alle waren, so beeindruckend zeigten sich alle gleichermaßen, sowohl in der Größe wie auch in der Konsequenz der Gestaltung. Eins wurde deutlich: Formale Strenge, Architektur, die mit der Heckenschere geformt wird, hat offenbar in unserem Nachbarland einen weit höheren Stellenwert als hierzulande. Doch auch der Kontrast dazu, die künstlich angelegte, aber naturnah wirkende Landschaft, die Farbenfülle neben schlichtem Grün waren zu finden.


Einzeln unterwegs

Wenn Du einsam spazierst,
lass Blicke schweifen;
und wenn sie nur das Ferne streifen.
Alles, was sie je berühren,
sollen sie Dir zu Herzen führen
und es Dir wie Deinesgleichen
als stillen Gefährten zur Seite reichen:

Dir wird der Himmel den Du siehst,
zum Blau aus dem Dein Auge ist.
Dir wird der hingestreckte Ast
zum Arm, nach dessen Hand du fasst.
Dir wird der Wind, der in den Blättern knistert
zum Gegenüber, das dir flüstert,
wie EINZELN Du auch immer seist,
begleitet Dich der Weltengeist.

Cornelia Schneider