Gut geplant

Clever planen spart Arbeit und Zeit

Alternativen zu Steinwüste oder Rasen-Monotonie

Egal, ob das Eigenheim neu gebaut oder als ältere Immobilie gekauft und renoviert wird: Ins Haus werden Geld und Mühe gesteckt. Devise: „Man baut nur einmal…“ Beim Garten gehen viele eher sparsam zur Sache, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch im Hinblick auf die Ideen. Einen erfahrenen Landschaftsgärtner oder gar einen Landschaftsarchitekten mit dem Entwurf zu beauftragen, wagen nur wenige.

Die meisten fürchten, das würde zu teuer und meinen, einen langfristig nutzbaren und zum neuen Heim passenden Garten könne man sozusagen mit links selbst hinkriegen, ohne Pflanzenkenntnisse, ohne jemals ein Fachbuch gelesen oder sich besonders gelungene Gestaltungsbeispiele, die es oft im öffentlichen Grün der eigenen Stadt oder zumindest in der Nähe gibt, angesehen zu haben.

Schlimmstenfalls entsteht nach dem Motto „So wenig Arbeit wie möglich“ eine der sich epidemieartig ausbreitenden Steinwüsten. Die machen übrigens gar nicht so wenig Arbeit, wie man glauben möchte. Beliebt sind auch möglichst große Rasenflächen – selbst im Reihenhausgärtchen, weil Rasen ebenfalls den Ruf der Pflegeleichtigkeit hat. Dabei wird vergessen, dass er mindestens einmal pro Woche gemäht und in heißen Sommern häufig gewässert werden muss. Rechnet man diesen Aufwand zusammen, schneidet die Rasenfläche keineswegs gut ab.

Eine sorgfältig zusammengestellte Anlage aus standortgerechten, nicht wuchernden Stauden und passenden Gehölzen erfordert pro Jahr weniger Stunden Einsatz als das Schieben des Rasenmähers. Gut geplant, reichen eventuell zwei bis drei Pflegegänge pro Jahr. Manche Staudenpflanzungen vertragen sogar das Zurückschneiden mittels Rasenmäher!

Damit auch der Gartenbaubetrieb vor Ort oder Privatkunden das hinkriegen, bietet der Handel inzwischen fertige Pflanzenpakete plus Anleitung für verschiedenste Standorte an. Egal, welche Bodenart im Garten vorherrscht und wie viel Sonne er wann und wo abbekommt – für nahezu alle Varianten sind inzwischen passende Lösungen erhältlich.

Hinter den beliebtesten und schon länger bewährten Pflanzpaketen, die im Handel erhältlich sind, stehen nicht selten die Namen bekannter und renommierter Institutionen, wie z. B. der Versuchs- und Sichtungsgarten der Hochschule Weihenstephan.


 

Staudenfreunde: Ideen für Dortmund

Pflanzenliebhaber starteten drittes Projekt

Die Rosen bestimmen die FarbenDortmund bietet mehr als Industrie und Fußball: Die größte Stadt des Ruhrgebietes ist dabei, sich zu einer Top-Adresse für Liebhaber anspruchsvoller Gartenkultur im öffentlichen Raum zu entwickeln. Die Dortmunder Regionalgruppe in der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) hat im Frühjahr damit begonnen, ein besonders insektenfreundliches, nachhaltig bepflanztes Staudenbeet im Fredenbaum-Park zu planen (siehe Bild links). Ein zweites Beet soll im nächsten Jahr folgen. Dieses Vorhaben, das zusammen mit den Azubis des Grünflächenamtes realisiert wird, ist bereits das dritte Projekt der GdS in der Westfalenmetropole. Alle drei Anlagen können übrigens jederzeit kostenlos besichtigt werden.


Beispiel Ludwigshafen: Phantasie und Knowhow ermöglichen Metamorphose

Harald SauerHarald Sauer: Frische Ideen für öffentliches Grün. Foto: Zybon-BiermannTraumgärten, die man kostenlos jederzeit in der eigenen Stadt besuchen kann? So etwas gibt es in Ludwigshafen. Vor allem einem Mann, dem Chefgärtner der 165.000-Einwohner-Gemeinde am Rhein, ist das dortige Blühwunder zu verdanken: Harald Sauer, verantwortlich für das Grün in Ebertpark und Hauptfriedhof. Er berichtete jetzt auf Einladung der Dortmunder Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) im Bildungsforum Schule, Natur und Umwelt des Botanischen Gartens Rombergpark zum Thema „Die erstaunliche Verwandlung öffentlicher Parks in Ludwigshafen durch unkonventionelle Stauden-, Gehölz- und Wechselflorpflanzungen.“


Ex-Chemiker und Gartengestalter klärt in Dortmund Stilfragen

Dr Joachim HegmannDr. Joachim HegmannStellen Sie sich vor, Sie sind ein „geborener Chemiker“. Schon Ihre Eltern erarbeiteten im Großraum Ludwigshafen, Deutschlands Chemie-Hochburg, den Lebensunterhalt in diesem Industriezweig. Können Sie sich vorstellen, nach Jahrzehnten Ihr Berufsleben umzukrempeln und Gärten zu gestalten? Dr. Joachim Hegmann hat es gewagt und verbucht als spät berufener Quereinsteiger bemerkenswerte Erfolge. Naturnahe Entwürfe sind sein Markenzeichen. Der Dortmunder Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) schilderte er jetzt in einem Vortrag seine Sicht auf „New German Style“ und „Dutch Wave“.


"Querbeet"-Experte Klaus Körber verrät Geheimnis dauernder Blütenpracht

Klaus KörberKlaus KörberWelcher Gartenbesitzer hatte nicht schon mal Probleme mit Clematis? Wenn man etwas über die pilzanfälligen Klettergehölze wissen will, kommt man an diesem Experten nicht vorbei: Klaus Körber, Leiter des Sachgebiets Obstbau und Baumschule der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, ist vielen aus der Gartensendung "Querbeet" des Bayerischen Fernsehens bekannt.


Prof. Bouillon plädiert für friedliche Koexistenz

Prof. Jürgen BouillonProf. Jürgen BouillonHand aufs Herz: Haben Sie Giersch im Garten? Wirklich nicht? Dann sind Sie ein Glückspilz. Dass die meisten mit Aegopodium podagraria ihre Probleme haben, bewiesen die vielen Besucher, die sich zum Vortrag von Prof. Dr. Jürgen M. Bouillon (Bild rechts) im Botanischen Garten Rombergpark einfanden. "Freuen statt verzweifeln" ist die Devise, mit der sich der Dozent der Fachhochschule Osnabrück der Herausforderung stellt, selbst bei starkem Gierschbestand noch anspruchsvolle Staudengärten zu gestalten, - und das, ohne zur chemischen Keule greifen zu müssen.


So bringt man Farbe ins Dunkel - mit neuen Stauden und etwas Unkraut

Michael MünchMichael MünchDoch, das erklärt Michael Münch, Gärtner und Fachautor, gleich zu Beginn seines Vortrags über Stauden für den Schatten, entgegen landläufiger Meinung sei bei dem wenig bekannten Thema auch  Bekanntes und sogar Banales vorzustellen. Die Verblüffung der Zuhörer, der Dortmunder Staudenfreunde, legt sich schnell. Zwar taucht mancher bekannte Gattungsname auf, aber das ist alles. Die dazugehörigen Arten und Sorten, die der gebürtige Schwabe in Wort und Bild schildert, sind nämlich nicht in jedem Gartencenter zu finden. Manches ist erst seit kurzem eingeführt und nur bei Spezialisten erhältlich, manches vertraut. Neu für viele "Traditionsgärtner", dass auch das eine oder andere wilde Gewächs, vom Referenten unverblümt "Unkraut" genannt, mit dabei ist. Links unten blüht Doronicum. Das ist eine attraktive Frühblüherin, die sich mit schattigeren Plätzen zufrieden gibt.


Hochschullehrer stellte Sorten und Ideen für kleine Gärten vor

Prof. Jürgen BouillonProf. Jürgen BouillonFür Garten-Neulinge könnte der Titel eines solchen Vortrags verwirrend klingen: „Raumbildende Gehölze für kleine Gärten“. Was damit gemeint ist, erläuterte der Referent, Prof. Dr. Jürgen M. Bouillon (Bild rechts © M.Zybon-Biermann) vor den Dortmunder Staudenfreunden (GdS) im Bildungszentrum des Rombergparks: „Es gibt nichts Langweiligeres, als seinen ganzen Garten auf einmal überblicken zu können.“

Wie lässt sich Abhilfe schaffen? Die beste Möglichkeit, so der an der Hochschule Osnabrück lehrende Gärtner, Landespfleger, Experte für Vegetationstechnik und Gehölzverwendung, sei der Trick, der im englischen Mutterland der Gartenkultur oft realisiert wird: Man erschafft Freiluft-Zimmer mit Hecken als Grenzen und ausdrucksvollen Baumgestalten als Blickfang. Der Gang durch eine solche Raumfolge, kombiniert mit Durch- und Ausblicken, wenn möglich, in die Landschaft, mache neugierig, sorge für Spannung und Überraschungen.


Fertigrezepte für vollkommene Gärten

Prof. Wolfram Kircher stellte Arbeit der Hochschule Anhalt vor

Prof KircherEs gibt Gartenbesitzer, die träumen von einem Staudenbeet, das (fast) immer blüht, selbst im tiefsten Winter ansehnlich bleibt und dazu so wenig Arbeit wie möglich macht, so etwa wie die botanische Version der Wollmilchsau. Das zu realisieren, ist nicht so einfach. Aber seit etlichen Jahren gibt es Institutionen, in denen sich Fachleute Gedanken darüber machen, wie aus den Träumen handfeste Rezepte werden können.

Eine solche Einrichtung ist die Hochschule Anhalt, die 1997 in Bernburg mit der Anlage der Strenzfelder Gärten begonnen hat. Sie sollen bei der Entwicklung „erlebnisreicher Artenkombinationen“ helfen. Einfache und zeitsparende Pflege spielt in dem Zusammenhang eine große Rolle – sowohl für öffentliche wie auch private Gärten. Der Botaniker Prof. Dr. Wolfram Kircher (im Bild rechts) unternahm jetzt einen Ausflug nach Dortmund, um der Regionalgruppe der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) seine Arbeit vorzustellen. Der aus Franken stammende Wissenschaftler ist im Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung tätig.

 


So wird es farbig im Schatten

Gärtnerstar Peter Janke überraschte mit neuen Ideen

Wenn die Dortmunder Rosen- und Staudenfreunde gemeinsam zu einem Vortrag einladen, steht in der Regel nicht nur ein besonderes Thema im Vordergrund; dann erscheint außerdem meist ein populärer und kompetenter Referent. So war es auch am Samstag, 23. November, als der bekannte Gartengestalter und Buchautor Peter Janke sich (nicht zum ersten Mal) im Botanischen Garten Rombergpark einfand – mit einem besonderen Thema im Gepäck: „Farbiger Blattschmuck im Schatten.“ Die Aufgabe, einen vorzeigbaren Garten für einem Ort mit wenig oder ganz ohne direkte Sonne zu entwerfen, bringt viele ins Grübeln, die sich einer solchen Herausforderung gegenüber sehen. Kein Wunder, dass die Stühle im Bildungszentrum knapp wurden.


Fedrig, grazil und windbewegt - der Elfentanz von Blüten und Samenständen im weißen Beet.Fedrig, grazil und windbewegt - der Elfentanz von Blüten und Samenständen im weißen Beet. Foto: Zybon-Biermann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Daueraufgabe für Planer*Innen - selten Arbeit für alle

arbeitseinsatzDer folgende Bericht über das große "Mixed Border" der Staudenfreunde entstand 2014. Er zeigt zum einen eine Momentaufnahme, zum anderen schildert er die Entstehungsgeschichte dieses Anschauungsbeispiels englischer Gartenkunst. Dabei werden auch einige der ehrenamtlichen Planer*Innen vorgestellt. Die Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) leistet bis auf den heutigen Tag an diesem Ort ihren Beitrag, was für Projekte in Vereinsregie eher selten ist. Wer weiterliest, begibt sich auf eine Zeitreise rückwärts und wer den heutigen Zustand erkunden möchte, ist jederzeit  im Botanischen Garten willkommen.

Der Weg zum GdS-Beet ist für Besucher des Botanischen Gartens Rombergpark nicht weit: vorbei am historischen Torhaus,  den kleinen See zur Linken, durch die alte Allee geradeaus, dann rechts dem Schild Richtung Heidegärten folgen und ein paar Meter weiter öffnet sich eine andere Welt. Kaum jemand, der zum ersten Mal hier ist, wird beim Anblick des üppigen Blumenmeers, das entlang eines 100 Meter langen Weges auf beiden Seiten im Wind wogt und duftet, kühler Beobachter bleiben. Auf 1000 Quadratmetern entfaltet sich die große Schau des Staudengartens im englischen Stil, dicht bepflanzt und scheinbar wild, doch mit klarem Gerüst und streng geordnet. Dies ist das Werk der Regionalgruppe Dortmund in der Gesellschaft der Staudenfreunde.


Wildwuchs-Empörung

Es braucht ein Gitter zur Zucht der Ranken,
gegen ungerichtetes Schwanken.
Wildes wachsen in alle Queren
ist ganz natürlich zu verwehren.
Wie sehe es aus in Müllers Gewächsen,
ließe man sie einfach sprießen,
und würde man sie nicht zum Letzten
eines jeden Monats gießen.
Sie wüchsen ja am Ende noch
– wie es ihnen gut bekäme –
ungezähmt zum Himmel hoch
Welche Schande, welche Häme!

Cornelia Schneider