Gartenreisen

Gelderlandfahrt

Wenn Städter im ländlichen Gelderland perfekte Paradiese planen

Das Sherrybänkchen bekommt
Sonne zur Stunde des Aperitifs

Klein Knoevenoord07

Der zweite Tagesausflug im Sommer 2013 führte die GdS-Regionalgruppe in die nahen Niederlande, in die Provinz Gelderland. Drei große, ländliche Privatgärten wurden besucht - das eineinhalb Hektar umfassende "Klein Knovenoord", die 7000 Quadratmeter von "Het Rhienderenseveld" und der "Huzarenhof".

Das erste grüne Kunstwerk entstammt der Phantasie eines Männerpaares, Laurens Hoevenaaren und Frank van Noppen. Die Besitzer eines Reihenhauses mit Durchschnittsgarten verliebten sich 1992 in einen alten Bauernhof, der verkauft werden sollte, griffen zu und zogen um. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, versichern die beiden. Auf 15.000 Quadratmetern lässt sich vieles realisieren - die Wunschliste war schnell aufgestellt: ein naturnaher Krötenteich auf der Wiese, ein Zierteich nahe am Haus, ein Patio, aber auch Terrassen mit Sitzplätzen, wo man Gäste zum Essen bitten kann. Und dann das Ganze noch als pflegeleichtes Blühwunder, eingepasst in die Landschaft.

Starthilfe gab's vom Landschaftsarchitekten

Damit diese Träume wahr werden konnten, nahmen der Autohändler und der Sozialarbeiter die Starthilfe eines Landschaftsarchitekten in Anspruch. In 21 Jahren sind die Männer mit ihrem Garten gewachsen.Sie eigneten sich Kenntnisse an, sammelten Erfahrungen. Wenn heute neue Pflanzen dazukommen, so sind sie entsprechend ihrer Standortbedürfnisse ausgewählt. Auffallend ist die Ungeniertheit, mit der auch attraktive Wildblumen wie eine rosa Lichtnelke mit einbezogen werden. Sie dürfen sich (kontrolliert) ausbreiten und ihren Platz zwischen den ausgewählten Stauden behaupten.

Die Gestaltung des Gartens und die Nutzung passen zusammen: so liegt neben der Einfahrt, beschienen von der Spätnachmittags-Sonne, das "Sherrybänkchen", um den Aperitif vor dem Abendessen zu genießen. Weite, offene Flächen, in denen die Teiche wie Spiegel das Licht verstärken, bieten Aussicht in die Landschaft. Geborgenheit und Schutz finden sich im Patio. Auf verschiedenen Wegen erwandert man den schattigen Wald, in dessen Mitte es einen Platz gibt (ob dort nachts die Elfen tanzen?) Gemütlicher Mittelpunkt der Anlage ist das rustikale Gartenhaus mit viel Platz für Gäste, die dort Kaffee oder Tee trinken können.

HuzarenhofHuzarenhof

Ria und Peter Stam, die Bewohner von "Het Rhienderenseveld", bezogen bereits vor drei Jahrzehnten mit ihren Kindern das kleine Landhaus mit dem großen Gelände ringsum. Später, als die Kinder schon aus dem Haus waren, entdeckte Hausherrin Ria ihren in Delft erlernten Beruf als Porzellanmalerin neu. Im ungenutzten Pferdestall entstand das Atelier, in dem sie weißem Geschirr mit Pinsel und Farbe unverwechselbaren, neuen Ausdruck.

Zur Geburt des Sohnes wurde ein Baum gepflanzt

Eine der ersten und wichtigsten gärtnerischen Aktivitäten war die Pflanzung einer Rosskastanie zur Geburt des Sohnes. Der Baum ist inzwischen groß und zum Blickfang geworden. Neben Obstgehölzen und Flieder gibt es weitere Sträucher, darunter Hortensien und Kletterrosen, ergänzt durch Blauregen. Das erste Staudenbeet entstand 1998 auf der Pferdekoppel, die inzwischen zum großen Staudengarten wurde. Die kreisförmigen Beete wurden rund um eine zentrale Rasenfläche angelegt. Die einfassenden Hecken sind in der Mitte niedrig und steigen nach hinten hin bis in zwei Meter Höhe an, um sich mit der umlaufenden Hecke zu verbinden. Der grüne Rahmen hat Gucklöcher. Durch Heckenbögen und Tore blickt man in die Landschaft, die so in Ausschnitten Teil des Gesamtbildes wird.

Ria Stam legt Wert darauf, Balance zwischen Gestaltung und Lässigkeit zu finden. Natur wird möglichst in den Garten integriert. Anders sei ein 7000 Quadratmeter großes Grundstück nicht beherrschbar, meint sie. Was bei einer Malerin nicht überrascht, ist ihre Passion für ausgeklügelte Farbwahl. "Die Farben sollen durch den Garten fließen. Das war meine ursprüngliche Idee. Im ersten Beet mische ich drei Töne. der eine taucht im nächsten Beet wieder auf und wird durch zwei andere ergänzt." Dieses System führt sie fort - und nimmt es mit Humor, dass die Natur für Überraschungen sorgt. Es sind robuste, ausdrucksvolle Stauden, die für Kontraste sorgen: Feinstrahl, Entenschnabel-Felberich, Acker-Witwenblume, Ehrenpreis und Buschmalve treiben es - nein, nicht bunt - aber in farbiger Harmonie miteinander. Dazu passt die langanhaltende violette Kerzenblüte einer Duftnessel, die Parfüm hinzufügt, wenn man die Blätter reibt. "Wenn sie nicht blüht, sieht es aus, als hätte ich Brennnesseln im Beet," bekennt die Gärtnerin heiter. Das Patagonische Eisenkraut, Verbena bonariense, inzwischen sehr beliebt in den Niederlanden, sät sich freigebig aus und schmückt über Monate mit seinen auf hohen Stielen schwebenden Blütenschirmchen. Es gibt viel zu sehen im Reich der Stams. Gut, dass es so viele Sitzplätze zum Ausruhen gibt.

Wald hinterm Gartenzaun gibt die Kulisse

HuzarenhofHuzarenhof„Huzarenhof", das dritte Fahrtziel, wurde von den Amsterdamern Jaap van der Waal und René van der Mijden vor zehn Jahren bezogen. Ein wenig schönes Haus, dazu ein großes, vernachlässigtes Gelände, das war der Anfang - aber es ließ sich etwas daraus machen. Das Haus wurde umgebaut und aufpoliert und das Grundstück vom Wildwuchs befreit. Die Rhododendren rings um die Grundstücksgrenze durften bleiben und bilden nun den perfekten Saum für die dahinter aufragende Kulisse, ein Wald aus Rotbuchen, Eichen, Esskastanien, Kiefern und Tannen.

Mit Mühe und Enthusiasmus wurde geplant, das Gelände mit Höhenunterschieden modelliert, ein Teich geschaffen und jede Menge besondere Pflanzen ausgewählt. An alles wurde gedacht. Sogar alle Etiketten wurden zunächst belassen, damit nicht vergessen würde, was wo stand. Trotzdem gab es Misserfolge, die der Begeisterung der beiden Städter aber keinen Abbruch taten. So lernten sie, dass die romantische Waldnähe auch ihre Kehrseite hat - in Form hungriger Tiere, die sich auf das eine oder andere leckere Angebot aus dem frisch angelegten Gartengelände stürzten.

Nach einem Jahrzehnt zeigt sich die perfekt geplante Struktur von ihrer besten Seite. Es gibt alles, was zum klassischen Repertoire der Gartenarchitektur gehört: Räume, Sichtachsen, Rasen- und Wasserflächen, Winkel voller Geheimnisse, grüne Hecken-Mauern, Pergolen und Sitzplätze.


Fotos: Manfred Reichel


Einzeln unterwegs

Wenn Du einsam spazierst,
lass Blicke schweifen;
und wenn sie nur das Ferne streifen.
Alles, was sie je berühren,
sollen sie Dir zu Herzen führen
und es Dir wie Deinesgleichen
als stillen Gefährten zur Seite reichen:

Dir wird der Himmel den Du siehst,
zum Blau aus dem Dein Auge ist.
Dir wird der hingestreckte Ast
zum Arm, nach dessen Hand du fasst.
Dir wird der Wind, der in den Blättern knistert
zum Gegenüber, das dir flüstert,
wie EINZELN Du auch immer seist,
begleitet Dich der Weltengeist.

Cornelia Schneider