Gartenreisen

Einkaufsfahrt

Ein ganzer Tag zum Pflanzen-Einkauf im Nachbarland

Vom letzten Ausflug kehrten
alle mit vollen Tüten zurück

Einkaufen – das kann weit mehr sein als Ersatzbefriedigung, vor allem, wenn Dortmunds Staudenfreunde die Gelegenheit bekommen, in ausgesuchten Spezialgärtnereien auf Raritätenjagd zu gehen. Zwei niederländische Top-Betriebe und ein Privatgarten zum Anschauen (mit kleiner Verkaufsecke) standen auf dem Programm des Tagesausflugs im September.

Den Anfang machte eine unter Kennern europaweit bekannte Adresse: Hans Kramers seit 30 Jahren in Ede bei Veluwe bestehender „Hessenhof“. Diese nach biologischen Methoden arbeitende Gärtnerei bietet ein Riesensortiment – bis auf wenige patentierte Sorten wird alles selbst gezogen. 1981 begann Hans Kramer als junger Mann mit dem Aufbau des Betriebes auf dem früher landwirtschaftlich genutzten Gelände des Großvaters, indem er zunächst Hecken und Sträucher pflanzte, um den Wind in dem kühlen, trockenen Landstrich zu bremsen.

VerkaufsbeeteVerkaufsbeeteInzwischen gibt es in den Mutterpflanzenbeeten einen Bestand von 6000 Taxa, rund 2.500 davon stehen jeweils auf den Verkaufsbeeten. Aufgrund der vielen Möglichkeiten wechselt das Sortiment ständig. Trotz dieser Fülle ist der Betrieb relativ klein geblieben. Qualität und Vielfalt sind die Hauptkriterien des anspruchsvollen Firmenchefs geblieben. Nicht nur alle Pflanzen werden – ob aus dem Samenkorn oder dem Steckling – selbst herangezogen, sogar die Topferde wird selbst hergestellt. Sie besteht hauptsächlich aus Lauberde. Dafür wurde dem Hessenhof 2010 das offizielle SKAL-Certifikat zuerkannt. Nur wenige andere Zierpflanzengärtnereien können das vorweisen. Hinter den hohen Buchenhecken locken nicht nur Topfpflanzen zum Verkauf, man darf sie sich auch ausgepflanzt ansehen. Zu den Spezialitäten des Unternehmens gehören neben Helleborus winterharte Farne und Schattenpflanzen, aromatische Kräuter, die auch auf heißen und trockenen Plätzen gedeihen wie Lavendel, Santolina, Thymian und Salbei, aber auch halb winterharte oder Kübelpflanzen wie Agapanthus. Kramers Lieblinge sind Baptisia, Cimicifuga, Staudenclematis, Persicaria, Phlox, Sedum und Thalictrum.

Wer vom Herumlaufen müde geworden ist, kann sich bei Kaffee und Gartenlektüre in der Scheune erholen. Die Internetadresse des Betriebes lautet www.hessenhof.nl.

Lila GrünkohlLila GrünkohlEin Schaugarten, der einen halben Hektar groß ist, zeichnet die Gärtnerei „De Boschhoeve“ in Wolfheze bei Arnheim – unweit der deutschen Grenze - aus. Dineke Logtenberg begann vor 24 Jahren damit, ihn anzulegen. Knollen- und Zwiebelpflanzen – auch nicht winterharte – bilden einen Schwerpunkt im Pflanzenspektrum. Den Anfang im Gartenjahr machen natürlich die Schneeglöckchen, die im Reich von Dineke Logtenberg in 300 Varianten daherkommen: Für alle Fans der Gattung Galanthus ist das Schneeglöckchenfest ein Termin, den man sich im Kalender rot ankreuzt. Später bringen Narzissen, Traubenhyazinthen und Tulpen viel Farbe ins Spiel. Im Sommer folgen Dahlen, Gladiolen und Einjährige, die es ebenfalls bunt treiben. Damit das Ganze nicht aussieht wie ein von Kindern angemaltes Osterei, hat Dineke Logtenberg den Garten nach Farbzonen aufgeteilt – so ist die Harmonie leichter herstellbar. Auffallend ist, dass außer den einjährigen Blumen auch Gemüse mit in die schöne Schau einbezogen werden. Farbige Salate und Feuerbohnen mit ihren leuchtend roten Blüten zeigen, dass Nützliches durchaus seinen Beitrag zur attraktiven Optik liefern kann.

Nützlich und schönNützlich und schön

Nutz- oder Ziergarten? Egal - schön!

Kübel mit Begonien, Schmucklilien und Geranien sind weitere Blickfänger. Allerdings machen sie – das sei nicht verschwiegen – viel Arbeit. Regelmäßig düngen und an heißen Tagen zweimal gießen gehört dazu. Ansehnlich ist auch das Zubehör, das im Schaugarten präsentiert und auch zum Verkauf angeboten wird: Bleichtöpfe aus Ton, Gießkannen und Wannen aus Zinkblech gehören dazu. Plastikgeräte wären für die Chefin und ihre Chefgärtnerin Anke Pols undenkbar. Im Internet gibt es unter www.boschhoeve.nl weitere Informationen.

PalmkohlPalmkohlEigentlich ist Lottum als niederländisches Rosendorf bekannt. Hier gibt es etliche Rosen-Baumschulen und einen großen Schaugarten mit der Gattung Rosa. Die Dortmunder Staudenfreunde hatten aber ein anderes Ziel im Visier – den 4000 Quadratmeter großen Privatgarten von Theej und Nel Verheggen. Hier spielen Stauden die Hauptrolle, unterstützt von unzähligen Dahlien, die im englischen Staudenbeet (in dem es auch Rosen gibt) energisch für Farbe sorgen. Monochrome Farbbeete aus Stauden, Dahlien und Gräsern sowie ein von Taxus-Säulen geschmückter Vierfarb-Garten bringen andere Ansichten ins Bild. Auch der Rosengarten, in dem sich Kletter-, Rambler- und Strauchrosen die Erde mit krautartigen Stauden teilen, ist ungewöhnlich. Den Verheggens ist es gelungen, einen ganz eigenen Stil der Gestaltung zu entwickeln. Ein Dahlien-Gräser-Garten und eine bunt gemischte Sammler-Ecke ergänzen die Folge der unterschiedlichen Gartenräume.

Was konnten die Dortmunder in Lottum ergattern? Dahlien vor allem – und auch ein paar Stauden, die gut dazu passen. Mehr über die farbenprächtige Adresse findet sich auf der Webseite www.tuinverheggen.nl.

DahlienschauDahlien, nichts als Dahlien...

 
Fotos: R. Barton


Einzeln unterwegs

Wenn Du einsam spazierst,
lass Blicke schweifen;
und wenn sie nur das Ferne streifen.
Alles, was sie je berühren,
sollen sie Dir zu Herzen führen
und es Dir wie Deinesgleichen
als stillen Gefährten zur Seite reichen:

Dir wird der Himmel den Du siehst,
zum Blau aus dem Dein Auge ist.
Dir wird der hingestreckte Ast
zum Arm, nach dessen Hand du fasst.
Dir wird der Wind, der in den Blättern knistert
zum Gegenüber, das dir flüstert,
wie EINZELN Du auch immer seist,
begleitet Dich der Weltengeist.

Cornelia Schneider