Gartenreisen

Cotswolds 2012

Staudenfreunde auf großer Fahrt mitten in Englands Herz

Ein Königreich für schöne Gärten

Bourton-HouseSo wie im Bild links stellt man sich England vor: Ein Landsitz aus dem 18. Jahrhundert inmitten eines tollen Gartens. Der frühere Leiter der Schulbiologie im Botanischen Garten Rombergpark, Michael Stork fotografierte die Musterkulisse von Bourton-House.

Das Ziel der großen Fahrt 2012 lag auf der Trauminsel aller wahren Garten-Enthusiasten: Bewaffnet mit wasserdichten Mänteln und Regenschirmen ging es mitten ins Herz Englands. So nennt man die Cotswolds auch, jene sanft gewellten Hügel zwischen Themse und Avon, Oxford und Cheltenham. Der Name bedeutet so viel wie "eingefriedete Hügel" und verweist auf die Tradition der Viehhaltung. Sie erstrecken sich über sechs Grafschaften, wo außer berühmten Adressen wie Wisley Garden, dem Sichtungsgarten der Royal Horticultural Society und Hidcote Manor auch manches neue und unbekannte, private Beispiel englischer Gartenkunst zu sehen ist. In punkto Wetter zeigte sich das Königreich wohlgesinnt. Es gab zwar zeitweise Regen, aber meist nur dann, wenn alle im Bus saßen. Beim Gang durch die Gärten blieben die Schirme geschlossen. Gibt es da nicht diesen Spruch von reisenden Engeln oder so ähnlich?

Zuerst fehlte eine Prise Vergangenheit

EvenhofBereits auf der Hinfahrt bot sich nach kurzer Fahrt Gelegenheit, die Füße zu vertreten - und zwar im "Evenhof", dem seit Mitte der 70er Jahre bestehenden Werk der Familie Lommers im niederländischen Oirschot (Bild rechts: Barton). Immerhin 7000 Quadratmeter konnten erkundet werden, teils streng gegliedert, wie die nach Farben geordneten Staudenbeete, teils großzügig als Landschaft gepflanzt. Es gibt eine umfangreiche Sammlung ungewöhnlicher Gehölze auf der ehemaligen Obstwiese. Die Pflanzenraritäten werden durch eine das Grundstück umschließende Baum- und Strauchumrandung vor Wind geschützt. 1975, als die Lommers den Evenhof gerade bezogen hatten, legten sie zunächst ein Stück künstliche Vergangenheit an - eine kleine "Ruine", wie sie bereits in Barock- und Romantikzeiten beliebt war.

"Stumpery": Wurzelkulisse für Blattwerk

StumperyDie erste englische Adresse war ein noch relativ neuer Privatgarten: Broughton Grange Estate gibt es seit 1998. Es liegt nahe dem Schloss Broughton - eine zwar kleinere, aber dennoch noble Anlage, mit einem Herrenhaus und immerhin so viel Platz, dass sich unter anderem ein Tennisplatz und ein Schwimmbad in seinen zahlreichen Gartenzimmern verbergen. Das auf der Insel so beliebte Gestaltungsmittel der Aufteilung in Räume wurde in diesem Beispiel konsequent angewendet. Gleich hinter dem typischen "Manor" in Naturkalkstein beginnt der Spaziergang: Es folgt eine spannende Abfolge unterschiedlicher Szenen.

Am Haus entlang geht es zum Rosengarten, dann bietet sich nach der Wanderung durch ein doppelseitiges Border ein naturhaftes, aber dennoch ungewohntes Bild mit Wurzeln, die sich in die Luft recken. Ihre bizarren Formen in unterschiedlicher Höhe machen den Reiz der "Stumpery" aus. Was das ist? Nun, in Norddeutschland spricht man von "Stubbenhaufen", wenn man ausgegrabene Baumstümpfe mit Erde zu kleinen Hügeln aufeinander türmt (Bild oben und rechts: Barton). Die Pflanzen, die im humosen Boden und Halbschatten eine ideale Heimat finden, sind Hosta, Farne und Saxifraga. Außerdem fühlen sich viele kleine Tiere dort wohl. Ach, noch was: der bekannteste Brite, der in seinem Garten eine solche Stumpery anlegte und damit Erstaunen auslöste, war Thronfolger Charles, der Prince of Wales, in seinem berühmten Highgrove.

Broughton Grange

So groß, so viele Formschnittgehölze:
einen Garten wie Broughton Grange pflegt man nicht nebenbei... Foto: Barton

Das Schloss in den Wolken gab es nur in Hobbitgröße -
das echte dagegen ist prunkvoll genug für Hollywood...

Ein Waldgarten mit Pflanzen, die es sauer mögen - eingerahmt von Torfbriketts und ein Bambushain in der Nähe waren zu erwandern. Ein echter Fluss steuert für einen Sumpfgarten die Nässe bei. Die Kinder der Eigentümer haben ebenfalls ihr eigenes Reich - ein Baumhaus der Extraklasse, anzusehen wie das Schloss in den Wolken - in Hobbitgröße.
 

Broughton CastleNoble Unterkunft für alten Adel: Broughton Castle. Foto: Michael StorkDas echte Schloss - Broughton Castle - war die nicht weit entfernte zweite Adresse und in punkto Größe und geschichtlicher Bedeutung eine andere Kategorie von Anwesen. Die ersten Gebäude der feudalen Residenz stammen aus dem Jahre 1300. Die malerische Anlage ist umgeben von Wäldern und einer Gräfte. Die Familie Saye and Sele herrschte hier über Jahrhunderte hinweg und ihre Nachfahren, denen der Landsitz noch gehört, sind die Fiennes. Wem der Name irgendwie bekannt vorkommt - ganz richtig: der berühmte Schauspieler Ralph Fiennes, zuletzt als Lord Voldemort von Harry Potter besiegt, gehört ebenfalls zu der alten Adelsfamilie.

Weil das Schloss sooo romantisch ist, war es in den letzten 30 Jahren Drehort für nicht weniger als sieben historische Filme und Fernsehserien. Der letzte große Spielfilm, der in der Kulisse des für eine Million Pfund restaurierten Gebäudekomplexes entstand, war "Shakespear in Love".

Broughton CastleNicht nur das alte Gemäuer, auch die Gärten wurden einer Schönheitskur unterzogen. Neue Sichtachsen und Staudenborder, Buchsparterres und historische Rosen machen das standesgemäße Ambiente perfekt. Die Gäste aus Westfalen zeigten sich beeindruckt - nicht zuletzt wegen der professionellen und informativen Führung durch die geschichtsträchtige Wasserburg. Dass es auch draußen interessante An- und Einblicke gab, zeigt das Foto von Michael Stork.

Metamorphose gelungen: Wildnis wurde zum "Garden of the Year"

Bourton-HouseDer erste Tag endete mit einem Besuch in Bourton-House, dem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, das zum Dorf Bourton-on-the-Hill gehört. Auch hier spielt die traditionelle Gestaltung eine Rolle - bestehend aus den klaren Linien geschnittener Hecken und der überbordenden Fülle seltener und exotischer Pflanzen als Kontrast. Als das Ehepaar Paice das Anwesen 1983 erwarb, machte es sich an die große Aufgabe, eine verlassene Wildnis in den perfekten gärtnerischen Rahmen für das alte Herrenhaus zu verwandeln. Dass dies gelungen ist, beweist die 2006 verliehene Auszeichnung "HHA/Christie's Garden of the Year".

Unterstützung bei dem ambitionierten Unterfangen hatten die Besitzer durch professionelle Hilfe. Ihr erster Headgardener Paul Williams war Spezialist für Kübelpflanzen. 1999 löste ihn Paul Nicholls ab. Seit 2010 gibt es neue Eigentümer, aber das 1987 erstmals zugängliche Gartenparadies bleibt weiterhin offen für alle. Bourton House trägt übrigens selbst im fernen Japan zum Image der Britischen Inseln bei. 2011 war ein Fernseh-Team aus dem Land der aufgehenden Sonne in dem Cotswolds-Dorf, um das dekorative Herrenhaus und sein typisches grünes Ambiente dem asiatischen Publikum vorzustellen. Die Topfparade oben links am Mauerfuß fotografierte Michael Stork.

Vom Schwarzen Loch zum Chaos Gate ist's nicht weit
Im Garten schrumpfen die galaktischen Dimensionen

Das Black HoleMitten in die Gartenkunst des 20. und 21. Jahrhunderts ging es am nächsten Morgen beim Besuch von Througham Court. Das in einem stillen Seitental erbaute Haus lag bereits in einem anspruchsvoll gestalteten 30er Jahre Arts- & Craft-Garden, entworfen von Norman Jewson, als die heutige Eigentümerin, die Ärztin, Wissenschaftlerin und Gärtnerin aus Leidenschaft Dr. Christine Facer Hoffman sich im Jahre 2000 an die Neugestaltung begab. Die Messlatte lag also hoch. Die Schülerin des nicht zuletzt durch seinen schottischen "Garden of Cosmic Speculation" bekannten Architekten Charles Jencks ergänzte die 20.-Jahrhundert-Bereiche aus Topiary-Skulpturen und Trockenmauern durch konsequente, zeitgenössische Elemente in Eisen und rostfreiem Edelstahl. Mathematische Formeln - z. B. in einem Gartentor - oder Erkenntnisse der Astrophysik bringen galaktische Dimensionen ins Spiel. Christine betrachtet ihr Reich als persönliches Laboratorium für neue Formen, Materialien und Ideen. Im "Cosmic Evolution Garden" kann man sich auf den Rand des "Black Hole Seat" knien, durch das "Chaos Gate" schreiten oder auf dem "Molecule Seat" Platz nehmen, ohne irgendein Risiko.

Blick durch ein Loch in der HeckeDer gut gelaunte Blick in Science-Fiction-Welten wird durch neuartige und farblich ungewöhnliche Pflanzenauswahl unterstrichen, etwa durch die rote Glanzmispelhecke oder schwarzen Bambus. Das Black Hole (rechts oben, Foto Barton) ist übrigens mit schwarzer Tinte gefärbt, was eine Kröte nicht davon abschreckt, hier ihren Wohnsitz zu beziehen. Das Universum kann mehr als das schlucken.

Beim Blick durch ein Loch in der Hecke erhascht der Betrachter gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit. Wer den Schriftzug gelesen hat, ist schon wieder ein paar Sekunden älter geworden. Rendel Bartons Foto vom Gatter auf die große Wiese beweist: Througham Court ist zwar kleiner als der Kosmos, aber im Vergleich zum Reihenhausgarten...

In Abbey-House: "Naked Gardeners" bestellen Klostergarten

Abbey HouseDie Erwartungen beim Besuch eines ehemaligen Klostergartens sind sicher ganz andere, vor allem, wenn die Eigentümer sich einen Namen als "Naked Gardeners" gemacht haben. Abbey House Gardens grenzen direkt an die Ruinen einer ehemals mächtigen Kathedrale des 15. Jahrhunderts auf einer Hügelkuppe in Malmesbury, Wiltshire. Die Aussicht auf dem Bild links ist also zwar geborgt, aber so nahe, dass die Seelen der alten Benediktiner-Mönche bestimmt auch noch im neuen Garten herum spuken.(Foto: Barton). Das Wohngebäude, in dem die heutigen Eigentümer Ian und Barbara Polland leben, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Das war die Zeit Heinrichs VIII., der die Klöster ja bekanntlich auflöste. Die Pollands erwarben das Anwesen 1994 für sich und ihre drei Kinder und begannen 1996 mit der Renovierung des heruntergekommenen Geländes. Umfangreiche Erdarbeiten waren nötig, um die heutigen Strukturen zu schaffen.

Abbey HouseSo wurde mitten durch den Hügel ein Weg zum Fluss geschnitten, wo ein beeindruckend naturnaher Gartenteil entstand (Bild rechts: Barton). Außerdem gibt es - der klösterlichen Vergangenheit angemessen - wieder Kräuter- und Rosengarten, aber auch Formschnittgehölze und eine Dinosauriergrube mit Uralt-Gewächsen. Die phantasiebegabten Besitzer, die schon mit etlichen Geschäftsideen Geld verdient haben, sind Liebhaber der dekorativen Künste. Da steckt im Eibenbusch auch mal ein Riesengesicht. Allerdings - nackte Tatsachen bekamen die Staudenfreunde nicht zu sehen. Die Pollards päsentieren sich ihren Besuchern meist bekleidet...

Eastleach: ein Juwel, aber fast noch geheim

An Eastleach-House hatten sich vorab keine solchen Erwartungen geknüpft, aber dieser ebenfalls noch recht neue, wenn auch klassisch englisch gestaltete Garten begeisterte die meisten Besucher. Rendel Bartons Kommentar: "Mir erschien das Anwesen als eine Mischung aus italienischer Grandezza, Cottagegarden und Countrylife."

East Leach House - The Rill GardenRill - die Kaskade unterstreicht die Sichtachse auf Eastleach. Foto: Barton

Stephanie Richards begann 1980 mit den Arbeiten, um das vorher sehr bescheiden begrünte 100jährige Landhaus endlich mit einem angemessenen Rahmen zu schmücken. Der Hobbygärtnerin und -malerin gelang das Kunststück, Tradition auf neue Weise zum Leben zu erwecken. Ihre Formschnittgehölze, Kugelbäume, Koniferen und akkurat getrimmten Hecken wirken weder steif noch düster. Phantasievoll, heiter, üppig, aber weder überladen noch mit albernen Gags garniert - so präsentiert sich das noch wenig bekannte Juwel in der Kette der Cotswolds-Privatgärten.

Kein "Secret" hinter der Mauer - nur Wind bleibt draußen

East Leach House - TorDas Haus liegt im Mittelpunkt der Anlage. Auf der einen Seite blickt es auf den Rill-Garden, den geradlinig eingefassten Wasserlauf, der in 13 Kaskadenstufen über das terrassenförmig abfallende Gelände plätschert, beidseitig von Reihen kleiner Koniferenpyramiden begleitet. Quer dazu verläuft eine Reihe von Bäumen mit kugelig geschnittenen Kronen - es sind Ebereschen (Sorbus aria 'Lutescens'). Auf der anderen Seite liegt der Croquet-Rasen, eingefasst mit einer Hecke, in die ein zierliches, 2001 gefertigtes Schmiedeeisen-Tor eingelassen ist. Dadurch schaut man in den Park mit einer Allee.

Die Staudenbeete bringen das ganze Farbenspektrum in die Formenvielfalt - mit einem furiosen Höhepunkt im Spätsommer, Was gibt es noch zu entdecken? Versteckt, aber keineswegs "secret" liegt der ummauerte Garten, in dem nur der Wind draußen bleiben muss. Dass Eastleach-House immer noch als Geheimtipp gilt - kaum zu glauben.

Hidcote - Wegbereiter des 20. Jahrhunderts

Hidcote ManorHidcote Manor - ja, dieser Ort gehört zu den "Must" für jeden Gartenfreund. Immerhin zählt das Werk des Amerikaners Lawrence Johnston zu den großen, wegbereitenden Anlagen des 20. Jahrhunderts (links der rote Garten, Foto: Stork). Dies erkannte auch die Gartenschriftstellerin Vita Sackville-West neidlos an. Vieles, was ihren eigenen, gleichfalls berühmten Garten Sissinghurst auszeichnet - eine Abfolge einzelner Gartenräume, ein weißer Garten - findet sich auch in Hidcote Manor. Johnston, dessen Familie eine Vorliebe für Europa hatte und dessen Mutter ihm das abseits liegende Anwesen in den Cotswolds schenkte, hat mit der Aufteilung und Formensprache seines "aristokratischen Cottagegartens" (Sackville-West) eine Pioniertat vollbracht. Hat Vita Sackville-West etwa dort Ideen geklaut? Nein, hat sie nicht. Ihr Sissinghurst war, als sie Hidcote erstmals sah, bereits in den Grundzügen fertig.

Hidcote Manor - Historie

Die Geschichte des grünen Kunstwerkes im Mini-Museum. Foto: Barton

Als Johnston das Landhaus bezog, gab es keinen echten Garten drum herum, nur ein paar schöne, alte Bäume auf Schafweiden. Es gelang ihm, die Prachtexemplare geschickt in Szene zu setzen und das Ganze in unterschiedliche "Zimmer" zu unterteilen und gleichzeitig einzubinden. Wenn auch farbige Blüten und Blätter eine Rolle spielten - im weißen Garten, in roten Rabatten - so galt seine Liebe auch den Gehölzen. Im Anschluss an Reisen nach Südafrika und China mussten viele pflanzliche Neubürger aus weit entfernten Wäldern in Hidcote Platz finden.

Kiftsgate: Seit drei Generationen haben Frauen das Kommando

Kiftgate - TempelchenEs war eine gute Freundin des Amerikaners, Heather Muir, die in Kiftsgate Court um 1920 begann, einen Garten anzulegen. Doch sie entschied gleich zu Beginn, dass sie ihr eigenes Ding machen wollte, ganz anders als ihr Freund und Ratgeber Lawrence. Ihr Werk sollte nicht auf Papier geplant werden, sondern organisch wachsen - so wie ihre eigene Inspiration es ihr eingab. Der Stil, den sie entwickelte, wurde von allen - nicht gerade überraschend - als typisch feminin empfunden. Eine weibliche Gegenwelt zu schaffen - das ist für Kiftsgate Programm geworden. Die romantische Anlage, ganz ladylike, wird bereits in dritter Generation nur von Frauen betreut. Nach Heather Muir folgte ab Mitte der 50er Jahre Diany Binny, deren Verdienst es vor allem war, den Garten kontinuierlich zu pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie fügte aber auch wichtige Details hinzu wie ein halbkreisförmiges Wasserbecken, zwei Skulpturen und eine Neugestaltung des weißen Senkgartens.

KiftsgateHeute zeichnet Anne Chambers für das dicht bepflanzte Anwesen verantwortlich. Sie schuf an der Stelle des früheren Tennisplatzes einen modernen Wassergarten mit vielen Besonderheiten, auch Springbrunnen. Wer die gewundenen Wege durch das teilweise steil abfallende Gelände mit unterschiedlichen Höhenstufen erwandert, dem fallen viele mediterrane Pflanzen auf, die exotische Eleganz hinzufügen. (Fotos von Tempelchen und Staudenborders: Barton).

Nach den Gartenspaziergängen stand der Besuch des nahen Städtchens Chipping Campden auf dem Plan. Die kleine Gemeinde mit historischem Ortskern und typischen Natursteinhäusern hatte ihre große Zeit zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert, als sie Zentrum des Wollhandels in Gloucestershire war. Danach fiel sie langsam in Dornröschenschlaf, aus dem sie dank des Tourismus heute in den Sommermonaten wieder erwacht.

Chipping Campden - Kapelle

Das Foto von Rendel Barton zeigt übrigens eine typische alte Kapelle,
die mitten in den Hügeln von Chipping Campden steht.

"Mariners": Gastfreundschaft tröstete Wettergeschädigte

Am Montag zeigte sich der Himmel über Berkshire ungnädig und ließ es (das einzige Mal) ausgerechnet beim Besuch des "Mariners Garden" in Bradford unentwegt schütten. Die Staudenfreunde ertrugen es mit Schirm, Humor und Tapferkeit. Was sie durch den Wasservorhang zu sehen bekamen, waren eineinhalb "Acres" (gut 6000 Quadratmeter) Hanggrundstück, von bequemen Wegen erschlossen, seltenen Bäumen beschattet, die Rasenflächen gesäumt von abwechslungsreich bepflanzten Borders.

Sieben Millionen Japaner blickten auf diesen Hanggarten

1996 erwarben Fenja und Anthony Anderson das Anwesen, das bereits von seinen Vorbesitzern liebevoll gestaltet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Die ausgebildete Künstlerin und Gartenliebhaberin, die unter ihrem Künstlernamen Fenja Gun 1991 ein Buch über "The Lost Gardens of Gertrud Jekyll" veröffentlicht hat, brachte zusätzlich eigene Ideen ins Spiel - auch um die einzigartige Hanglage zu betonen. Die Andersons legten eine Wildblumenwiese an und "borgten" sich die Aussicht auf einen Turm. Der Gemüsegarten beherbergt jetzt eine Obstwiese und auf dem ehemaligen Tennisplatz duften Strauchrosen. Die Eigentümer verwenden selbst viel Arbeitszeit darauf, das Grundstück zu pflegen. Einen Profi-Vollzeitgärtner hatten sie nie, wohl aber einige Helfer, deren Einsatz der perfekte Zustand der Anlagen mit zu verdanken ist.

Der beispielhafte Hanggarten fand auch Bewunderer in Fernost. 2010 wurde "Mariners" im japanischen Fernsehen präsentiert - vor immerhin sieben Millionen Zuschauern. Was die westfälischen Gäste beeindruckte, war nicht nur der Garten, sondern auch die herzliche Gastfreundschaft, die über garstiges Inselwetter hinweg tröstete. Mit frischem Tee und Gebäck versorgt, waren die Staudenfreunde bereit für das letzte englische Abenteuer.

RHS Garden Wisley - The Delphinium Trial

Welcher Rittersporn ist der Beste?
Das wird auch in Wisley untersucht. Foto: Stork

Wisley - nationale Einrichtung - überall bekannt

Immer bereit, alles in Form zu bringen -
der perfekte Gärtner. Foto: Barton

RHS Wisley Gardens - Der perfekte GärtnerWisley - das ist eine weltweit unter Gartenliebhabern bekannte Adresse - und alles andere als privat. Sie liegt übrigens nicht in den Cotswold, sondern in der Grafschaft Surrey. Hier hat die Royal Horticultural Society nicht nur ihren Sichtungsgarten für Zierpflanzen und Gemüse, sondern erforscht und testet neue Anbaumethosen und bietet Aus- und Weiterbildung für Profis, Studenten und Amateure, egal, ob Anfänger oder erfahrener Spezialist. Modellgärten zeigen Pflanzengemeinschaften für spezielle klimatische und geografische Situationen. Kinder lernen an diesem Ort den ersten Umgang mit Pflanzen; die Einrichtung verfügt über eine umfangreiche Bibliothek und last not least: man kann auch Pflanzen kaufen.

Pausenstop in Brabant mit Überraschung

Auf der Rückreise gab es erneut eine Gartenpause - diesmal im Norden von Brabant. Der Mesenhof in Bergeijk sorgte für willkommene Unterbrechung des Sitzmarathons im Bus. Hinter der irreführend bescheidenen Fassade mit winzigem Vorgarten verbirgt sich - wie oft in den Niederlanden und Belgien - ein 3000-Quadratmeter-Grundstück. Beim Rundgang ist manches zu entdecken: ein "Hot Border", eins in Bordeaux und Grau, eins in Creme und Blau, dazu schattige und sonnige Sitzplätze, viel Wasser und Abwechslung - mal formal, mal naturnah.

Die Rückfahrt bot auch Zeit zum Nachdenken und für eine Abstimmung: Welcher Garten war der schönste? Teilnehmerinnen und Teilnehmer durften je drei Lieblinge nennen. Und das kam heraus: 1. wurde Eastleach-House, 2. Broughton Castle, 3. Througham Court Garden, 4. Hidcote Manor, 5. Mariners, 6. Wisley, 7. Bourton House Garden. Den achten Platz teilten sich Broughton Grange und Kiftsgate Court; den zehnten Platz bekam Abbey House.


Einzeln unterwegs

Wenn Du einsam spazierst,
lass Blicke schweifen;
und wenn sie nur das Ferne streifen.
Alles, was sie je berühren,
sollen sie Dir zu Herzen führen
und es Dir wie Deinesgleichen
als stillen Gefährten zur Seite reichen:

Dir wird der Himmel den Du siehst,
zum Blau aus dem Dein Auge ist.
Dir wird der hingestreckte Ast
zum Arm, nach dessen Hand du fasst.
Dir wird der Wind, der in den Blättern knistert
zum Gegenüber, das dir flüstert,
wie EINZELN Du auch immer seist,
begleitet Dich der Weltengeist.

Cornelia Schneider