Gartenreisen

Hamm und Bad Driburg

Die Projekte des berühmten Designers in Hamm und Bad Driburg

Baumschatten kühlte heiße Stunden
der Wanderung durch Oudolfs Beete

Maximilianpark in HammDer Maximilianpark in Hamm bietet Kultur und Gartenkunst gleichermaßen.

Es war ein wahrer Hundstag, der 18. August; das Thermometer kletterte fast bis auf 40 Grad; die Hochsommersonne brannte gnadenlos. Das richtige Wetter für eine Gartenreise? Doch, genau richtig. Die Regionalgruppe hatte sich zwei Ziele in der Nähe Dortmunds ausgesucht, deren alter Baumbestand schattige Rastplätze genug bot, um von dort aus sonnige Staudenbeete der besonderen Art zu betrachten. Der Maximilianpark Hamm und der Gräfliche Park Bad Driburg haben nicht nur ehrwürdige Baum-Methusalems gemeinsam. Ein Weltklasse-Gärtner, der Niederländer Piet Oudolf, hat in beiden Anlagen für das zeitgenössische Blühwunder gesorgt, im typischen Oudolf-Stil, stilistisch ausgefeilt, in naturhafter Optik.

Maximilianpark in HammMaximilianpark in HammDer vielfach genutzte Freizeitpark in Hamm entstand auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Maximilian, die dem neuen Projekt ihren Namen gab. Kultur spielte schon hier länger eine Rolle: Aus der früheren Kohlenwäscherei entstand der Glaselefant, eine Metamorphose, die dem früher so wuchtigen, kompakten Gebäude dank der transparenten Konstruktion überraschende Leichtigkeit verlieh. Die Gartenkultur fand ebenfalls ihren Platz,  nicht nur mit exotischem Grünzeug im Bauch des großen Tieres, sondern auch draußen, wo es seit einigen Jahren neben der parküblichen Saisonbepflanzungen nun den Oudolfschen Staudengarten zu bewundern gibt. Eine der beiden verantwortlichen Fachfrauen, die den Star aus den Niederlanden bei der Ausführung der Arbeiten unterstützten und jetzt für Pflege und Unterhaltung zuständig sind, die Landschaftsarchitektin Rieke-Schrewe, führte die Dortmunder Staudenfreunde durch die Beete. Ein geschwungenes Wegenetz und Pflanzflächen, organisch geformt, aber dennoch klar abgegrenzt, bilden den Rahmen für eine ideale Szenerie, der scheinbar wilden Mischung aus Gräsern und Blüten.

Der Schein aber trügt, wie die Architektin versicherte. Hier wächst nichts wild, alles ist Ergebnis sorgfältiger Planung. Tröstlich zu hören, dass selbst berühmte Profis schon mal Probleme bei der Umsetzung ihrer Ideen haben und dass sogar bei perfekt organisierten Großprojekten Pannen passieren können. Nicht nur das Schlendern durch das farbige Gesamtkunstwerk, sondern auch der Blick von oben auf das Blütenwunder war möglich. Aus dem Glaselefanten heraus ließ sich das Ganze aus der Vogelperspektive betrachten.

Blick aus dem Glaselefanten auf den Oudolf-Garten.Blick aus dem Glaselefanten auf den Oudolf-Garten.

Gräflicher Park Bad Driburg.Gräflicher Park Bad Driburg.Im weiter östlichen, ländlich gelegenen Kurort Bad Driburg wurde der romantische Gräfliche Park von den Staudenfreunden auf eigene Faust erkundet. Die auch hier geschickt integrierten alten Bäume erwiesen sich erneut als natürliche Klimaanlage. Der Bummel brachte daher selbst in der Gluthitze des Nachmittags die Besucher nicht außer Fassung. Die Oudolfschen Konstruktionen sind in Bad Driburg ganz anders ausgeformt, aber sie passen sich genau so geschickt den räumlichen Gegebenheiten an wie in Hamm. Rundliche Schwünge kennzeichnen auch hier Wege und Plätze zwischen den Pflanzungen; der Kontrast zwischen Stein- und Staudenflächen bestimmt den großzügigen Rhythmus dieses Entwurfes.

Die beiden unterschiedlichen, öffentlichen Schaugärten des berühmten Gartenkünstlers liegen in unmittelbarer Nähe zu Dortmund. Für Ruhrgebiets-Bewohner und auch andere Bürger aus Nordrhein-Westfalen ist das kein besonders anstrengender Ausflug. Die Oudolfschen Beete sind übrigens sogar im Winter ansehnlich - zurückgeschnitten werden Samenstände und Gräser erst gegen Ende des Winters.

Alte Bäume - geschickt integriertAlte Bäume bringen - geschickt integriert - die Vertikale ins Spiel und liefern Schatten. 

Alle Fotos: Reinhild Barton


Einzeln unterwegs

Wenn Du einsam spazierst,
lass Blicke schweifen;
und wenn sie nur das Ferne streifen.
Alles, was sie je berühren,
sollen sie Dir zu Herzen führen
und es Dir wie Deinesgleichen
als stillen Gefährten zur Seite reichen:

Dir wird der Himmel den Du siehst,
zum Blau aus dem Dein Auge ist.
Dir wird der hingestreckte Ast
zum Arm, nach dessen Hand du fasst.
Dir wird der Wind, der in den Blättern knistert
zum Gegenüber, das dir flüstert,
wie EINZELN Du auch immer seist,
begleitet Dich der Weltengeist.

Cornelia Schneider