Gartenreisen

Flevoland

Hier war das Meer - nun grünt es paradiesisch im Nordost-Polder

Junges Flevoland voller Kontraste:
Uralter Hafen und neue Gartenkunst

Hafenansicht UrkDort, wo einst Hering, Krabben und Seehunde zu Hause waren, ist heute ein Touristenparadies entstanden: Das Flevoland ist die jüngste der niederländischen Provinzen am Ijsselmeer und Markermeer. Mit Hilfe von Einpolderung wurde der Nordsee das Land abgerungen, das inzwischen nicht nur für Freunde des Wassersports, sondern auch der Gartenkunst ein sehenswertes Ziel geworden ist. Am Samstag, 10. und Sonntag, 11. Juli 2010 besuchten die Dortmunder Staudenfreunde die Region. Fünf Gärten, eine Gärtnerei und die Besichtigung der Hafenstadt Urk standen auf dem Programm.

Erstes Ziel war der Hof van Smeenge. Ob es die Luft ist, die von England in dieses nordöstliche Polder herüberweht oder doch einfach nur eine persönliche Vorliebe der Gartenbesitzer? Jedenfalls erinnert vieles in diesem abwechslungsreichen, romantisch wirkenden 4000-Quadratmeter-Paradies an die Gärten der Insel: es gibt knirschenden Kies unter den Füßen, auffallenden Formschnitt, viele Hortensien, Gartenräume die Menge mit jeweils eigenem Thema und samtweichen Rasen. Trotzdem - der besondere Stil der Niederländer bleibt unverkennbar - leicht, lässig, ein bisschen wild.

Danach erkundeten die deutschen Gäste das malerische Urk, eine kleine Hafenstadt mit großer Fischereiflotte (eine der größten des Kontinents), aber auch vielen Segelbooten für Freizeitkapitäne. Die bereits seit dem Jahr 966 bestehende Siedlung, die lange Zeit eine Insel in der Zuiderzee war, ist übrigens ein Refugium für besonders religiöse Bürger. Es gibt dort mehr als 20 Kirchen! Sonntagsmorgens sind alle Urker beim Gottesdienst. An Feiertagen hat kein Restaurant oder Cafe geöffnet; es finden auch keine Sportveranstaltungen am "Tag des Herrn" statt. Nun, am Samstag hatten die Besucher aus Westfalen noch keine Probleme, beim Bummel durch die mittelalterlichen Gassen ein Cafe zu finden...

Geschwungene Staudenbeete wie ein Gobelinteppich

De StekkentuinAllerdings bot sich schon im nächsten Garten noch mal die Gelegenheit, Kaffee und Gebäck zu konsumieren: "De Stekkentuin" gehört zu einem großen, landwirtschaftlichen Betrieb, ist 3800 Quadratmeter groß und ein Eldorado für Freunde besonders attraktiver Pflanzen. Leicht erhöhte, verspielt geschwungene Beete erinnern an einen Gobelin. Bodendeckende Stein- und andere Gartenstauden spielen darin die tragende Rolle. Aus diesem farbigen Teppich erheben sich höher wachsende Raritäten wie Helleborus, Hosta und Farne, Pulmonaria, Sedum und 150 Stockrosen-Sorten! Was die Adresse noch verführerischer macht: Die Hausherrin hat einen Anzuchtgarten angelegt. Da werden in alter Art Pflanzen frisch ausgegraben verkauft.

Der Garten Lipkje Schat - die letzte Adresse des Tages - rundete den Eindruck ab: Wieder sahen die Dortmunder einen großen Garten auf dem Gelände eines Agrarbetriebes. Gegen den ständigen Westwind gibt es hier Schutz durch einen dichten Baumgürtel. Um das Wohnhaus herum öffnen sich wieder verschiedene Gartenräume, die immer wieder neue Bilder bieten. Hecken sind die lebenden Wände, viele Wasserflächen, ob als naturnaher Teich oder formal gestaltetes Wasserbecken spiegeln den Himmel. Es gibt viele Pergolen und Sitzplätze, Orte, an denen sich Anblick und Duft von Rosen, Clematis und Stauden, aber auch vielen einjährigen Blumen genießen lassen. Der Garten ist übrigens bereits im Frühjahr einen Besuch wert - der vielen Zwiebelblumen wegen, die dann in unterschiedlichen Farben erstrahlen. Nähere Informationen findet man auf der Homepage des Gartens: www.lipkjeschat.nl.

Iris- und Hemerocallis-Gärtnerei Joosten

Der Sonntagmorgen begann gleich mit einem gehörigen Quantum Verführung zum Pflanzenkauf. Die Iris- und Hemerocallis-Gärtnerei Joosten wurde besichtigt. Diese soll eine der größten Iris- und Hemerocallis-Kollektionen Europas beherbergen. Der Schaugarten, stattliche 2.400 Quadratmeter messend, bietet Platz für 1 200 Sorten Iris (das ist die Niederländische Nationalsammlung)und 850 verschiedene Tagliliensorten. www.kwekerij-joosten.nl

Goldhoorn GardensHecken spielen auch im nächsten Garten, in dem die Dortmunder zu Mittag essen konnten, eine große Rolle. Die "Goldhoorn Gardens" bieten einen besonders romantischen Rahmen für den Aufenthalt im Freien. Blumenbeete in verschiedenen Farbstellungen sorgen für Abwechslung; eine mit Glyzinien berankte Brücke über einen großen Teich erinnert an Monets Bilder und Garten. Das Gelände ist modelliert; Bögen mit Clematis, Rosen, Efeu und verschiedene Pavillons ziehen den Blick auf sich und machen ausgeklügelte Sichtachsen deutlich. Klassische Harmonie ist angesagt, wie in Englands Gärten. Wer will, kann hier gleich die passenden Accessoires besorgen - im kleinen englischen Laden, der zu dem Anwesen gehört. www.goldhoorngardens.nl

PegasushofStrukturen spielen im letzten Privatgarten ebenfalls eine große Rolle. Der Pegasushof präsentiert sich weit formaler als die übrigen Gärten der Reise. Geradlinige Schnitthecken aus Eibe und Buchs, eine Obst-Pergola, streng geometrische, große Wasserbecken, Kletterpflanzen an Metallsäulen - die klare Linie hat an diesem Ort auf moderne Weise eine Heimat gefunden. Auch die Staudenbeete, Kunst und Gefäße machen bei diesem Spiel mit - nur der Himmel macht was er will und lässt Sonne und Wolken gut gelaunt wechseln. Wer sich gern noch mal erinnern will oder Neues von diesem Ort erfahren, kann es auf der Homepage tun: www.pegasushof.nl


Fotos: Barton


Einzeln unterwegs

Wenn Du einsam spazierst,
lass Blicke schweifen;
und wenn sie nur das Ferne streifen.
Alles, was sie je berühren,
sollen sie Dir zu Herzen führen
und es Dir wie Deinesgleichen
als stillen Gefährten zur Seite reichen:

Dir wird der Himmel den Du siehst,
zum Blau aus dem Dein Auge ist.
Dir wird der hingestreckte Ast
zum Arm, nach dessen Hand du fasst.
Dir wird der Wind, der in den Blättern knistert
zum Gegenüber, das dir flüstert,
wie EINZELN Du auch immer seist,
begleitet Dich der Weltengeist.

Cornelia Schneider