Gartenreisen

Ostwestfalenreise 2011

Starke Kontraste kennzeichneten Tagesausflüge 2011:

Blaues Wunder, weites Land
und pfiffige Ideen fürs "Loch"

MeconopsisEin ganzer Tag in Ostwestfalen - diese erste Tour im Mai bot drei Gartenbeispiele, wie sie sich kontrastreicher nicht denken lassen. Den Anfang machte ein großer Siedlungsgarten mit klar gegliederter Gestaltung mitten in der Bielefelder Innenstadt. Zum Zeitpunkt des Besuchs präsentierte sich das von der Besitzerin Ute Adelt geplante Gelände in sattem, leuchtenden Blau; der selten kultivierte Scheinmohn Meconopsis stand in Blüte.

Die magisch blaue Blume (ein Blickfang wie aus dem Märchenland) gilt als überaus empfindlich. Ute Adelt entdeckte ihre Leidenschaft für die exotische Schöne bei einer Englandfahrt. Dort begegnete sie einem ganzen Volk von Meconopsis in einem Bachtal. Als sie mit ihrem Mann Ende der 80er Jahre ihr Haus erwarb, beschloss sie, es hier mit ihren Traumblumen zu versuchen. Der leicht saure Bielefelder Boden und die feuchte Luft des Grundstücks kamen ihrer Vorliebe entgegen. Mittlerweile ist Ute Adelt eine Expertin in Sachen Scheinmohn. Statt Neid zeigten die Gäste Neugier und ließen sich Tipps für die Pflege des als schwierig verrufenen Gewächses geben.

Die Adelts hatten übrigens zu Anfang viel Arbeit, um ihr Grundstück in einen Garten zu verwandeln: zuerst gab es hier nur eine hohe Fichtenhecke ringsum, die das lediglich mit Rasen bewachsene Gelände ganzjährig verdunkelte. Heute gibt die klare, formale Gestaltung den Rahmen für eine üppige Bepflanzung.

Gartenansicht

Ländlich großzügig ging es auf den 8000 Quadratmetern der zweiten Adresse zu. Rund um ein ehemaliges Bauernhaus boten mit Hecken abgegrenzte Räume interessante Durchblicke auf sorgfältig ausgewählte Blickpunkte, z. B. Teiche, deren Spiegelung den Himmel auf die Erde holt. Im Schatten eines Waldgartens waren seltene Gewächse anzuschauen.

Gartenjournalist Oliver Kipp, ehemals Chefredakteur der inzwischen eingestellten Zeitschrift "Garten Eden" und Profi-Gärtner Karsten Brakemeier hatten vor rund 12 Jahren das damals verwahrloste Anwesen übernommen. Der Garten wurde in Hausnähe formal, weiter entfernt naturnaher gestaltet. Bei der Planung half auch Ute Adelt mit.

Über Jahre hinweg war das Gelände von Baustellen geprägt. Es musste Wildwuchs entfernt, die Hecken gepflanzt, Terrasse und die beiden Teiche angelegt werden. Obwohl mittlerweile Sammlungen seltener, exotischer Gewächse hier ihre Heimat gefunden haben, wird alles wie selbstverständlich in den großen, ländlichen Garten integriert.

Recycling-Material spart Geld, erfordert Fantasie

Das dritte Ziel verblüffte mit den pfiffigen Ideen seiner Besitzer, der Gartenjournalistin Renate Tegtmeyer und ihrem Mann Thomas.Erst 2001 erwarben sie Haus und Grundstück in einem Vorort von Bad Salzuflen. In wenigen Jahren gelang es ihnen, aus dem Problemgrundstück, das den Spitznamen "das Loch" trug, eine fantasievolle Anlage zu schaffen. Dazu half ihnen nicht viel Geld, sondern Energie und der gekonnte Einsatz von Recycling-Material.

Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als einladend: ein steil abfallendes, vernachlässigtes Gelände, ringsherum hohe Mauern, im hinteren Teil "geschmückt" von einer acht Meter hohen Industriewand, die eine brutale Sichtbarriere bildete. Wie die Tegtmeyers es mit ungewöhnlichen Ideen und dem gekonnten Einsatz von Second-Hand-Materialien aller Art geschafft haben, daraus einen sehenswerten Garten zu machen, ist beispielhaft. Sie verwendeten nicht nur Kletterpflanzen, sondern auch alte Säulen, Spiegel, und andere mehr oder weniger antike Fundstücke, um den ursprünglich hässlichen Anblick zu verwandeln. Selbst die Pflasterung des Gartens wurde auf unterschiedliche Weise - mit allerlei gebrauchtem Material realisiert. Da fanden selbst Glasbausteine eine neue Aufgabe als Bodenbelag.

Glasbausteine als Bodenbelag, das geht.

Spätsommer in Ostwestfalen

Spätsommer in Ostwestfalen - alles war anders.

Die Begeisterung der Gäste scheint sich auf die Gastgeber übertragen zu haben. Oliver Kipp und Karsten Brakemeier sprachen sogar eine erneute Einladung an die GdS für den Herbst aus. Also gingen Anfang September 15 Dortmunder noch einmal auf die Fahrt - mit eigenem Pkw und in Fahrgemeinschaften. Es zeigte sich einmal mehr: Der Garten ändert sich mit der Jahreszeit. Er erschien "wilder", geprägt von höheren Stauden; die Apfelbäume am Haus bogen sich unter der Last der Früchte. Dahlienblüten starteten in einen farbigen Herbst. So gab es im ländlichen Raum östlich des Ruhrgebiets ein paar Monate nach dem ersten Besuch doch noch  viel Neues zu sehen. Wahre Begeisterung entwickelten die Dortmunder für eine besonders schön blühende, zweijährige Persicaria orientalis. Dieses Knöterichgewächs trägt den vielversprechenden Namen "Kiss me over the Garden Gate". Karsten Brakemeier spendierte den Gästen eine Tüte mit Samen, die brav geteilt wurde.

Ein weiterer Garten - der von Frau Dr. Christa Huchzermeier, kam als Ziel hinzu und lockte mit einem ungewöhnlichen Aspekt - Gemüse im Staudengarten! Die Besitzerin sparte nicht mit Erläuterungen und nahm sich viel Zeit für Tipps und Hinweise.

Ostwestfalen, noch einmal

Ostwestfalen, noch einmal.


Alle Fotos: R. Barton


Einzeln unterwegs

Wenn Du einsam spazierst,
lass Blicke schweifen;
und wenn sie nur das Ferne streifen.
Alles, was sie je berühren,
sollen sie Dir zu Herzen führen
und es Dir wie Deinesgleichen
als stillen Gefährten zur Seite reichen:

Dir wird der Himmel den Du siehst,
zum Blau aus dem Dein Auge ist.
Dir wird der hingestreckte Ast
zum Arm, nach dessen Hand du fasst.
Dir wird der Wind, der in den Blättern knistert
zum Gegenüber, das dir flüstert,
wie EINZELN Du auch immer seist,
begleitet Dich der Weltengeist.

Cornelia Schneider