Privatgärten

Garten Margrit Lind-Eging

Ein Garten der Kontraste auf einem schwierigen Gelände

Klar geplant - aber voller Überraschungen

SkulpturMargrit Lind-Eging und ihr Mann begannen die Vorarbeit zum Garten, noch bevor das Haus stand. Das 1300-Quadratmeter-Grundstück in Bochum-Weitmar erwarben sie 1993. Das Gelände liegt am Ortsrand, auf einer Seite begrenzt von baumbestandener Wildnis. Zu dieser Seite hin fällt das Terrain steil ab. Eine Gelegenheit, Material für spätere Terrassen günstig zu bekommen, bot sich 1994, als große Natursteinblöcke von einem Steinbruch zur Deponie gebracht werden sollten. Heute beherrschen Kontraste den Familiengarten: ein schattiges, kühles Tal und halbschattige bis sonnige Terrassen bis hoch zum Rasen vor dem Haus.

Die Gestaltung des Hanges mit den glücklich ergatterten Felsen fand 1995 statt. 1996 wurde das Haus gebaut; ein Jahr später der Garten insgesamt in Angriff genommen. Ursprünglich gab es hier vor allem alte Obstbäume. Eine malerische Süßkirschen-Ruine steht noch da, inzwischen umschlungen von einer Glyzinie. Sie wird im Laufe der nächsten Jahre den Prunus-Leichnam vollständig mit ihrem bizarren hölzernen Rankwerk verhüllen. Nahe der Terrasse am Haus blinkt der Spiegel eines großen Teiches, in dem zwischen Schachtelhalm und anderen pflanzlichen Wasserbewohnern auch Fische ihre Heimat haben. Sie kommen schnell heran, wenn sich menschliche Silhouetten nähern. Es scheint, als hofften sie auf Futter.

Gartenbild

Der Küchengarten fand praktischerweise ebenfalls seinen Platz in direkter Hausnähe: Salatköpfe wachsen in Kleingewächshaus-Regalen schneckensicher heran. Sie wurzeln in transparenten Obstverpackungen, eine überraschend ästhetische Recycling-Idee. Rhabarber lebt im Kübel daneben. Ein Obstbaum ist auch noch da, kräftig und jüngeren Datums. Ein sehr alter Apfelbaum hat sich kürzlich verabschiedet. Doch eine Lücke ist nicht erkennbar. Margrit Lind-Eging hat schon lange dafür gesorgt, dass weitere Gehölze hier dauerhaft Struktur bilden: Eine Hängezeder krönt den Sitzplatz am Teich; eine Strauchkastanie markiert den Rand der Hausterrasse; es gibt eine Mährische Eberesche (Sorbus aucuparia subsp. edulis ) mit essbaren Früchten, einen Viburnum bodnantense, einen Ginkgo, eine Kamelie und diverse Wildrosen. Einige Buchsbäume und Eiben in strengem Formschnitt setzen immergrüne Akzente in architektonischer Form.

Kontrastreich

BesuchDie Stauden sind nach den Lebensbereichen geordnet: auf der Steinschuttflur in voller Sonne gedeiht ein dichter Pelz von Wolfsmilch-Arten; etliche große Allium-Sorten lassen ihre dicken, violetten Blütenkugeln wie Ballons über den anderen Stauden schweben. Im Schatten wachsen Spezies mit geringen Lichtansprüchen wie Acanthus mollis, Astilben, oder falsche Alraune.

Vielfalt ist das Motto in diesem Garten der Kontraste, in den sich das neue Haus perfekt einfügt. Unterschiedliche Standorte und Ansprüche der Pflanzen schaffen den Rahmen für das klare, aber niemals langweilige Konzept. Auf geschwungenen Kieswegen lässt sich das durch große Höhenunterschiede geprägte Grundstück erwandern. Einige wenige Plastiken tauchen auf, eindrucksvolle Gesichter aus Ton geformt, weit mehr als nur gefällige Deko.

 

Text: M. Zybon-Biermann, Foto der Plastik: Gerhard Golak. Andere Fotos: Zybon-Biermann.