Gut geplant

Michael Münch: Im Schatten blüht mehr als man denkt

So bringt man Farbe ins Dunkel - mit neuen Stauden und etwas Unkraut

Michael MünchMichael MünchDoch, das erklärt Michael Münch, Gärtner und Fachautor, gleich zu Beginn seines Vortrags über Stauden für den Schatten, entgegen landläufiger Meinung sei bei dem wenig bekannten Thema auch  Bekanntes und sogar Banales vorzustellen. Die Verblüffung der Zuhörer, der Dortmunder Staudenfreunde, legt sich schnell. Zwar taucht mancher bekannte Gattungsname auf, aber das ist alles. Die dazugehörigen Arten und Sorten, die der gebürtige Schwabe in Wort und Bild schildert, sind nämlich nicht in jedem Gartencenter zu finden. Manches ist erst seit kurzem eingeführt und nur bei Spezialisten erhältlich, manches vertraut. Neu für viele "Traditionsgärtner", dass auch das eine oder andere wilde Gewächs, vom Referenten unverblümt "Unkraut" genannt, mit dabei ist. Links unten blüht Doronicum. Das ist eine attraktive Frühblüherin, die sich mit schattigeren Plätzen zufrieden gibt.

 

DoronicumDoronicumÜber 50 Gattungen, davon viele Waldpflanzen aus Europa, Asien und Amerika, sind nach Ansicht des Staudenkenners an dämmerigen Orten empfehlenswert, darunter so populäre Allerwelts-Pflanzen wie Günsel,  Kaukasusvergissmeinnicht, Waldgeißbart, Immergrün oder Waldsteinia. Diese "alten Bekannten" können seltene Verwandte vorweisen, die zum Teil bessere Eigenschaften mitbringen. Das gilt z. B. für die vom Balkan stammende Varietät des großen Immergrüns, die weit winterhärter ist als die Art und deutlich länger blüht. Den heimischen Waldgeißbart gibt es inzwischen in den verschiedensten Formen. Münch regte an, man solle es riskieren, dass Aruncus sich aussäen darf, wenn verschiedene, sich eventuell kreuzende Arten zur Verfügung stehen und sich den Spaß der Sämlings-Selektion gönnen. Allerdings brauche man Platz dafür, schränkte er schmunzelnd ein, "etwa einen halben Hektar..." (Foto von Doronicum links: Münch)

Schattenlagen bedeuten vor allem bei zusätzlicher Trockenheit enormen Stress für Pflanzen. Oft passen sie sich dadurch an, dass sie im Frühjahr blühen und im Sommer verschwinden. Der Boden ist dann kahl. Einige wenige bleiben jedoch sichtbar und haben deswegen besonderen Wert, wie die falsche Alraune Tellima grandiflora, die in düsteren Waldecken fast ganzjährig für attraktives, grünes Blattwerk sorgt. Ihr Ausbreitungsvermögen durch eine üppige Samenproduktion ist allerdings bemerkenswert.

Weil es so schwierig ist, Flächen im trockenen Schatten mit blühenden Gewächsen zu füllen, plädiert Münch dafür, sogar ansehnliche Wildkräuter wie das Wald-Habichtskraut mit seinen gelben Körbchen an dunklen Stellen zu belassen. Es bringe Farbe dorthin, wo sonst nichts wächst. Das sei ihm wichtig, "denn ich liebe es bunt." Das Bild links unten zeigt übrigens unter anderem auch gelben Lerchensporn (feine Fiederblättchen und schmale Blüten), der sich hier an einem sonnigen Platz präsentiert. Er ist an (fast) jedem Ort zu Hause.

LerchenspornLerchenspornDie Tatsache, dass manche der vorgeschlagenen Arten kräftigen Ausbreitungsdrang zeigen und sich nicht auf die zugewiesenen Plätze beschränken mögen, schreckt ihn nicht. Er findet, dass der vom zeitigen Frühjahr bis in den Winter hinein blühende  Lerchensporn, Pseudofumaria lutea (früher Corydalis lutea) der sich sogar in Plattenfugen und Mauerritzen aussät, leicht auszupfbar ist. Er warnt nur vor hartnäckig verwurzelten Schattenfreunden wie Trachystemon orientalis, dessen blaue Borretschblüten im Frühjahr von großen, rundlichen Blättern abgelöst werden. Für solche Gartenbewohner brauche man Platz. Und den haben bekanntlich heute die wenigsten...

 

 

 

 

Porträt und Foto unten: Zybon-Biermann


Wildwuchs-Empörung

Es braucht ein Gitter zur Zucht der Ranken,
gegen ungerichtetes Schwanken.
Wildes wachsen in alle Queren
ist ganz natürlich zu verwehren.
Wie sehe es aus in Müllers Gewächsen,
ließe man sie einfach sprießen,
und würde man sie nicht zum Letzten
eines jeden Monats gießen.
Sie wüchsen ja am Ende noch
– wie es ihnen gut bekäme –
ungezähmt zum Himmel hoch
Welche Schande, welche Häme!

Cornelia Schneider