Gut geplant

Langweilige Gehölze: Dagegen hilft "Clematifizieren"

"Querbeet"-Experte Klaus Körber verrät Geheimnis dauernder Blütenpracht

Klaus KörberKlaus KörberWelcher Gartenbesitzer hatte nicht schon mal Probleme mit Clematis? Wenn man etwas über die pilzanfälligen Klettergehölze wissen will, kommt man an diesem Experten nicht vorbei: Klaus Körber, Leiter des Sachgebiets Obstbau und Baumschule der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, ist vielen aus der Gartensendung "Querbeet" des Bayerischen Fernsehens bekannt.

Der Zwei-Meter-Mann macht aus seiner Vorliebe für die Gattung Waldreben kein Geheimnis: "Ich war in meinem ersten Leben selbst eine Clematis", so sein Bekenntnis. Kein Wunder, dass er sich so um sie kümmert: Immerhin war er von 2000 bis 2004 Präsident der internationalen Clematis-Gesellschaft. Sein fränkisches  Heimatdorf hat er mit 800 Exemplaren der großblütigen Sippschaft beranken lassen.

Wie kommt es, dass so viele über Probleme mit den schönen Klettermaxen klagen? Erst zicken sie beim Anwachsen; kaum sind sie endlich in Form, schon kriegen sie die Welke und sagen Tschüss. Ein Grund ist die falsche Sortenwahl. Vor allem die großblumigen Hybriden der im Frühjahr am alten Holz blühenden Patens-Gruppe sind pilzanfällig – und ausgerechnet diese waren im Angebot der Gartencenter in den letzten Jahren am meisten zu finden. Hinzu kommen weit verbreitete Fehler bei Pflanzung und Pflege. Körbers Tipps: Nur kräftige Exemplare tief genug pflanzen, sie an der Basis gut befestigen, damit die Stängel im unteren Bereich nicht knicken. Allzu heiße Plätze vermeiden, das fördert die Anfälligkeit für Welke. Beim Gießen nur den Wurzelbereich befeuchten; Blätter und Blüten aussparen. Was oft vergessen werde, sei eine ausreichende Wassersorgung. "Viele Clematis sind wahre Säufer."  Doch nicht alle: "Es gibt auch welche, die kann man totgießen."

Am Wurzelwerk erkennt man die Säufer   

Wie lassen sich die Säufer von den anderen unterscheiden? Erstere haben dicke, fleischige Wurzeln, die anderen feines Wurzelwerk. Die schnellwachsende Clematis montana z. B. gehört in die zweite Gruppe. Eine der Lieblingsarten des Franken ist übrigens Clematis viticella. Die italienische Waldrebe ist gesund, wüchsig, blühfreudig und hat mittlerweile mit vielen Vätern eine überraschend bunte Kinderschar hervorgebracht. Die Welke ist kaum ein Problem für die Viticella-Hybriden, wie für andere Wildarten auch nicht, aber im Gegensatz zur Montana ist sie zuverlässig winterhart.

Ein Rückschnitt im Frühjahr ist prima, aber es ist kein Drama, wenn man's mal vergisst. Woran wenige denken: es gibt unter den rund 300 Arten der Gattung auch welche, die nicht klettern und entweder als Stauden oder Sträucher daherkommen. Sie sind noch unverdient selten.

Bei so vielen guten Eigenschaften sollte man "die Clematifizierung" des eigenen Gartens wagen, findet der Experte. Wie soll das gehen? Auf jeden Fall nicht nur an der Rankhilfe aus dem Baumarkt: "Ich mag Clematis nicht so an die Hauswand genagelt wie den Herrgott ans Kreuz." Wenn Rankgerüst, dann bitte mit Kletterrosen gemeinsam. Aber warum denn nicht gleich wie in der Natur die Waldreben in Gehölze hineinwachsen lassen? "Es gibt viele Sträucher, die sind nur zu bestimmten Zeiten schön und die meiste Zeit stehen sie herum und nehmen Platz weg." Der Magnolie verpasst man auf diese Weise eine zweite Blütezeit. Wer alles gut mit Nährstoffen und Wasser versorgt, kriegt vielleicht noch mehr hin: "Der Rekord waren einmal fünf Clematis (alles Viticella-Hybriden) in einer Korkenzieher-Hasel."

Clematis


Fotos: Monika Zybon-Biermann

 


Wildwuchs-Empörung

Es braucht ein Gitter zur Zucht der Ranken,
gegen ungerichtetes Schwanken.
Wildes wachsen in alle Queren
ist ganz natürlich zu verwehren.
Wie sehe es aus in Müllers Gewächsen,
ließe man sie einfach sprießen,
und würde man sie nicht zum Letzten
eines jeden Monats gießen.
Sie wüchsen ja am Ende noch
– wie es ihnen gut bekäme –
ungezähmt zum Himmel hoch
Welche Schande, welche Häme!

Cornelia Schneider