Gut geplant

Kleine Gärten - großes Thema

Wo eine Staude steht, wächst kein Unkraut

 

Garten Fromme/WeckaufGarten Fromme/Weckauf Wie sehen Gärten im Ruhrgebiet aus? Die meisten haben eins gemeinsam: sie sind klein. Genau diesem Thema widmete sich GdS-Mitglied Susanne Fromme am letzten Oktobersamstag in einem üppig bebilderten Vortrag. Ihr eigener Minigarten - das sind drei winzige Terrassen in Hanglage. Wie man es schafft, es auf so beschränkter Fläche "durchblühen" zu lassen, ist die Frage, die sich viele stellen. Entsprechend war die Resonanz, und die Sitzplätze knapp.

 

garten fromme 4Als sie gemeinsam mit ihrem Partner Jochen Weckauf die rund 90 Quadratmeter erstmals unter die Lupe nahm, war das Ergebnis niederschmetternd: Quecke und Cotoneaster teilten sich die kostbaren Flächen, mit eisernem Wurzelwerk fest verankert. Was war zu tun? "Ich fürchte, wir müssen den ganzen Hang durchsieben", verkündete die Realistin. Der Aufwand lohnte sich: Seitdem sind alle wilden Wucherer fort. Dann blieb nur noch eine Magnolie übrig, ein wunderschöner Baum, der gerade begonnen hatte, richtig loszuwachsen. Für den Riesen in spe fand Susanne Fromme eine tolle Lösung. Sie schenkte ihn der Stadt Hattingen für einen städtischen Park. Er zog um und ist noch heute gesund und jedes Jahr größer an dem öffentlichen Platz zu bewundern.

 

Was war nun auf den freien Flächen möglich? Erst einmal waren die Notwendigkeiten zu bedenken - ein Gartenhäuschen für die Geräte, ein Komposter und ein Pflegeweg. Auf Rasen wurde verzichtet. Den Platz brauchen die blühenden Gewächse und die Blattschönheiten. Es gibt Rosen, Stauden, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen, darunter auch Zwiebelpflanzen. Ab Hochsommer - bis tief in den Herbst hinein sorgen diverse winterharte Fuchsien für großartige Anblicke. Selbst den letzten mörderischen Winter haben alle Älteren dieser Exoten überstanden. Einige kleine Immigranten aus Südafrika, ständige Topfbewohner, ziehen es vor, ein geschütztes Quartier in der Garage zu beziehen, weniger wegen der Kälte als aufgrund der Nässe. Pflanzen, die es nass mögen, haben auch ein Stückchen Heimat im kleinen Garten. Ein quadratmetergroßer Fertigteich wurde eingegraben. Mit einem Rest Folie entstand ein Mini-Sumpfbeet für Schachbrettblumen und andere Gewächse, die ihre Füße gern im Wasser baumeln lassen.

Die Vielfalt auf den drei kleinen Terrassen ist umwerfend. Susanne Fromme hat viel gesammelt und der Platz ist knapp. Wildkräuter, die den meisten Gartenbesitzern Kummer machen, lassen sich selten blicken. Es würde ihnen angesichts der dichten Fülle auch schwerfallen, sich durchzusetzen. Die Hattingerin findet es prima, was andere schon mal befremdet: "Bei Ihnen ist gar kein freier Boden zu sehen." Sie weiß: wo eine Staude wächst, muss sie kein Unkraut jäten. Das mag sie nämlich nicht.

 


Wildwuchs-Empörung

Es braucht ein Gitter zur Zucht der Ranken,
gegen ungerichtetes Schwanken.
Wildes wachsen in alle Queren
ist ganz natürlich zu verwehren.
Wie sehe es aus in Müllers Gewächsen,
ließe man sie einfach sprießen,
und würde man sie nicht zum Letzten
eines jeden Monats gießen.
Sie wüchsen ja am Ende noch
– wie es ihnen gut bekäme –
ungezähmt zum Himmel hoch
Welche Schande, welche Häme!

Cornelia Schneider