Gut geplant

Große Schau auf 1000 Quadratmetern

Fedrig, grazil und windbewegt - der Elfentanz von Blüten und Samenständen im weißen Beet.Fedrig, grazil und windbewegt - der Elfentanz von Blüten und Samenständen im weißen Beet. Foto: Zybon-Biermann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Daueraufgabe für Planer*Innen - selten Arbeit für alle

arbeitseinsatzDer folgende Bericht über das große "Mixed Border" der Staudenfreunde entstand 2014. Er zeigt zum einen eine Momentaufnahme, zum anderen schildert er die Entstehungsgeschichte dieses Anschauungsbeispiels englischer Gartenkunst. Dabei werden auch einige der ehrenamtlichen Planer*Innen vorgestellt. Die Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) leistet bis auf den heutigen Tag an diesem Ort ihren Beitrag, was für Projekte in Vereinsregie eher selten ist. Wer weiterliest, begibt sich auf eine Zeitreise rückwärts und wer den heutigen Zustand erkunden möchte, ist jederzeit  im Botanischen Garten willkommen.

Der Weg zum GdS-Beet ist für Besucher des Botanischen Gartens Rombergpark nicht weit: vorbei am historischen Torhaus,  den kleinen See zur Linken, durch die alte Allee geradeaus, dann rechts dem Schild Richtung Heidegärten folgen und ein paar Meter weiter öffnet sich eine andere Welt. Kaum jemand, der zum ersten Mal hier ist, wird beim Anblick des üppigen Blumenmeers, das entlang eines 100 Meter langen Weges auf beiden Seiten im Wind wogt und duftet, kühler Beobachter bleiben. Auf 1000 Quadratmetern entfaltet sich die große Schau des Staudengartens im englischen Stil, dicht bepflanzt und scheinbar wild, doch mit klarem Gerüst und streng geordnet. Dies ist das Werk der Regionalgruppe Dortmund in der Gesellschaft der Staudenfreunde.

 

Verdorrt? Das sähe anders aus. Der blaue Abschnitt im August 2013.Verdorrt? Das sähe anders aus. Der blaue Abschnitt im August 2013. Foto: Zybon-BiermannWer den Weg entlang schlendert, bewegt sich von einem Raum in den anderen - das Gemeinschaftswerk ist nach Farben gegliedert. Es beginnt mit dem blauen Teil am einen Ende, im schattigen Bereich des Verwaltungsgebäudes, geht über in den purpur-rosa Abschnitt; erlebt einen feurigen Höhepunkt in Rot, geteilt in vier Beete rings um das Wegekreuz, zeigt sich selbst bei grauem Wetter sonnig-fröhlich im gelben Teil, um schließlich am anderen Ende nur noch Blüten in Weiß zu zeigen, der Farbe des Lichts. Einen immergrünen Rhythmus durch alle Jahreszeiten brachten über lange Zeit die dicken Buchskugeln hinein, die in einigen Metern Abstand beidseitig gepflanzt wurden. Weil sie ständig kränkelten, entschied das Team der Beetmacher kurzerhand, diese unsichere Gesellschaft auszutauschen. Inzwischen übernehmen Eibenkugeln die Rolle der ganzjährig vorhandenen Fixpunkte am vorderen Beetrand. Ihre höher wachsende Verwandtschaft liefert seit Jahren den rückwärtigen Heckenrahmen für die Staudenshow.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz in Weiß zeigt sich das eine Ende unseres Staudengartens.Ganz in Weiß zeigt sich das eine Ende unseres Staudengartens. Foto: Hübner

Die Idee entstand 1996

Der bis Ende 2013 verantwortliche Parkleiter Heribert Reiff war es, der anregte, die GdS möge in eigener Regie ein Schaubeet, wie man es sonst nur im Vereinigten Königreich findet, im Botanischen Garten Rombergpark schaffen. Anlass war eine neue Order der Stadt, dass künftig Vereine, die bisher kostenlos städtische Quartiere nutzten, eine Gegenleistung zu erbringen hätten. Um der GdS finanzielle Belastung zu ersparen, entwickelte Reif in Zusammenarbeit mit dem damaligen Regionalgruppenvorsitzenden Herling das neue Konzept: Raumnutzung gegen Leistung. Nach Herlings plötzlichem Tod folgte ihm Dr. Peter Mosebach. Auch er war Feuer und Flamme für Reifs Idee. So sollte es aussehen, das elegante Dankeschön der Staudenfreunde an die großzügige Gastgeberin ihrer Veranstaltungen, die Stadt Dortmund. Nach anfänglichem Zögern - "kriege ich  das mit der Gartenplanung für den öffentlichen Raum hin?" - fanden sich Mitglieder bereit, ihr in vielen Jahren angeeignetes Fachwissen, ihre Kreativität und Arbeitskraft in das ehrgeizige Projekt zu investieren.

Das Konzept würde nach und nach gemeinsam entwickelt. Um planerisches Durcheinander zu vermeiden, entstand dann die Idee der räumlichen Aufteilung nach Farben. Die verantwortlichen PlanerInnen für die unterschiedlichen Teilstücke sind Hannelore und Hanspeter Eickmann aus Kamen (Blau), Kerstin Wolffram, Dortmund (Rot), unterstützt von Christine Daerr, sowie Margret Denecke, Dortmund, Klaus Peter Carpentier, Wetter, und Inge und Gerd Imkamp aus Ahlen (alle Gelb); hinzu kommen Birgit Hübner, Herdecke, und Dorothea Steffen, Bochum, (Weiß). Ingrid Schleithoff aus Münster, die seit Beginn für das Spektrum Rosa/Purpur dachte und arbeitete, hat im Oktober 2011 aus gesundheitlichen Gründen diese Aufgabe abgeben müssen. Ihren Bereich betreute dann die zunächst als ihre Helferin angetretene Sabine Zentek aus Dortmund. Sie war noch nicht lange Mitglied, entschloss sich jedoch schnell zu aktiver Mitarbeit. Ab Herbst 2012 übernahm die Juristin eine weitere große Aufgabe: Sie leitete als Nachfolgerin von Rainer Hatzky die Regionalgruppe Dortmund der GdS. Bei der Arbeit am Beet erhielt sie vom Gelsenkirchener Ehepaar Fobbe Unterstützung. Peter Fobbe wurde stellvertretender Leiter der Regionalgruppe. Im Herbst 2014 musste Sabine Zentek aus beruflichen Gründen die zeit- und arbeitsaufwendige Aufgabe beenden. Seit Ende 2014 leitet nun Dr. Waltraud Ballmer-Omar die Regionalgruppe, vertreten durch Dorothea Steffen und unterstützt von einem Leitungsteam, das sich den vielfältigen Aufgaben einer Regionalgruppe widmet.

jun2011 037Hier scheint auch bei Regen die Sonne: Gelb macht gute Laune. Foto: Hübner

Nicht leicht: Planen nach Farben

Daheim hat übrigens keine(r) von ihnen einen monochrom nach Blütenfarben geordneten Garten. Daher war auch die Beschränkung auf eine Farbfamilie eine zusätzliche Herausforderung. So unterschiedlich wie ihre Persönlichkeiten, wie die eigenen Gärten, war auch die Herangehensweise an das gemeinsame Großprojekt. Einige haben akribisch vorgeplant, andere bevorzugen es spontaner.  Einige von ihnen sind schon von Anfang an oder zumindest sehr lange dabei.  Sabine Zentek und  Kerstin Wolffram übernahmen sehr schnell die Aufgabe des Gestaltens. Letztere wagte sich an die problematische Mitte,  das viergeteilte rote Beet. Sie mutmaßte gleich "das wird aber schwierig" und stellte fest, "dass es mehr Arbeit ist, als ich dachte."

In manchen Abschnitten finden Rosen ihren Platz - die Dortmunder GdSler sind nicht selten auch Rosenfreunde - in anderen ist die Königin verbannt. Imkamps z.B. finden, dass Rosen separat gepflanzt werden sollten.

Probleme wie daheim und noch ein paar mehr ...

Viele Probleme haben alle gemeinsam: ohne eigenen persönlichen Einsatz wäre die Pflege des aufwändigen, immer wieder Veränderungen unterworfenen Riesenbeetes, vor allem aber der Erhalt der ästhetischen Gestaltung von Seiten der städtischen Gärtner allein  kaum zu bewältigen. Es gab auch Zeiten, da war der Zustand des großen Schaugartens, weil er in die Jahre gekommen war, aus Sicht der ehrgeizigen Planer so wenig zufriedenstellend, dass alle Mitglieder der Regionalgruppe zu gemeinsamen Arbeitseinsätzen aufgefordert waren. Zu den alltäglichen Schwierigkeiten gehören begeisterte Hobbyfotografen, die auf der Jagd nach dem besten Motiv rücksichtslos durch die Pflanzen stapfen, Wetterkapriolen, Wühlmäuse,  der Buchsbaumpilz (der eine Änderung des Konzeptes nötig machte), falsch gelieferte Staudensorten und leider gelegentlich diebische Besucher, deren Vorlieben manchmal überraschen. So wundert sich unsere "weiße Frau" Birgit Hübner: "Sogar der panaschierte Giersch ist geklaut worden. Dabei hatte ich ihn aus Zorn in die Nähe des Weges gepflanzt, weil so manches andere verschwunden war." Der unbekannte Dieb wird im eigenen Garten  die Strafe bekommen haben...

Das andere Gartenende zeigt Blau in allen Schattierungen.Das andere Gartenende zeigt Blau in allen Schattierungen. Foto: Hübner

Die Gärtner fürs Blaue, Hannelore und Peter Eickmann aus dem nahen Kamen, sind von Anfang an dabei. Die vielen Stunden, die sie am Beet zugebracht haben, zählen sie nicht: "Gärtnern ist unser Hobby, keine Arbeit." Ihnen geht es nach eigenem Bekunden vor allem darum, Besuchern die vielfältigen Möglichkeiten der Staudenverwendung vor Augen zu führen und die wichtigsten und empfehlenswertesten Neuheiten vorzustellen.  Die speziellen Probleme des blauen Standortes im Schatten der Baumriesen am Verwaltungsgebäude, wenig Licht, Trockenheit und Wurzeldruck, nehmen sie als Herausforderung an. Und die Invasion von Wühlmäusen? Zuerst lachten sie noch. Aber als die Nager die Strauchrosen gekillt hatten, hörte der Humor auf. Die GdS Dortmund erklärt den vermehrungsfreudigen Kleinsäugern den Krieg. Denn nicht nur Eickmanns, auch andere GartenplanerInnen klagen über die gefräßigen Erdbewohner.

Markante Silhouetten vor Strauchwerk.Markante Silhouetten vor Strauchwerk. Foto: Zybon-Biermann

Mäuse nagen auch im Blumengarten

Im weißen Teil am anderen Ende sind viele Rosen vernichtet und Birgit Hübner sorgt sich um die neu gepflanzten Sträucher. Die Herdeckerin kümmert sich fast seit  Beginn des Projektes um dieses Stück Staudengarten. Zwischendurch war, nicht nur wegen ungebetener tierischer Gäste, einiges an Neuanlage nötig. Zudem wurde ein Weg, der bisher das weiße Beet teilweise durchschnitt, entfernt; die Fläche musste also in die Pflanzung einbezogen werden. Ihre Planung hat die temperamentvolle Herdeckerin nie auf Papier entworfen. Das liege ihr nicht, gesteht sie: "Ich pflanze spontan so, wie es mir gefällt."  Trotzdem hat sie das, was sie angepflanzt hatte, dann in einem Plan festgehalten. Das ist nötig - für die Pflege der städtischen Gärtner. Sie kommt öfter mal in den Rombergpark - nicht nur, um den Zustand des weißen Gartenteils unter die Lupe zu nehmen oder gar verirrte Wildkräuter auszuzupfen.  Die passionierte Fotografin ist - wenn das Wetter es zulässt - mit der Kamera oft vor Ort, um ganze Szenen oder auch Ausschnitte festzuhalten. Die meisten Fotos, die in diesem Beitrag zu sehen sind, stammen von ihr. Außerdem liefern die Bilder das Material für den alljährlichen Fotokalender, den sie seit einigen Jahren anbietet. (Siehe Beetkalender 2014) Birgit Hübner bekam Unterstützung durch Dorothea Steffen. Die siebenfache Mutter und gelernte Biobäuerin ist ans Zupacken gewöhnt. Zu Anfang beschränkte sie sich auf die Hilfe, das Schauen und Lernen; danach verwirklichte sie eigene Ideen.

Der goldene Garten im August 2013.Der goldene Garten im August 2013. Foto: Zybon-Biermann

Weiter Weg war selten Hindernis

Auch Ingrid Schleithoff, zuständig fürs romantische Rosa, hatte sich viele Jahre, allen Widrigkeiten zum Trotz, ihrem Teil des Projektes gewidmet. Ein ziemlicher Aufwand, schließlich legte die Münsteranerin, die daheim einen Riesengarten hat, 70 Kilometer bis zum Ziel im Dortmunder Süden zurück. Sie hatte übrigens ihre Pläne zunächst gezeichnet. Schon das machte Spaß, noch mehr aber die Realisierung dieses Teils im Rosa-Lila-Purpur-Spektrum, die ideale Verbindung zwischen dem blauen und dem roten Teil.

Es war für sie nicht leicht, Abschied von dieser Arbeit nehmen zu müssen. Ihren Part hat die Dortmunderin Sabine Zentek übernommen. Sie hat sich bereits als Helferin in das Thema "Purpurrosa" eingearbeitet. Vieles, was Ingrid Schleithoff angelegt hat, soll weitgehend zunächst so bleiben, wie es ist. Die Juristin  fand nicht nur Gefallen an der Gestaltung ihrer Vorgängerin, sondern hält es auch aus unterschiedlichen Gründen für ratsam, Veränderungen behutsam anzugehen. Auch die Kosten spielen dabei eine Rolle. Dennoch war nach der Übergabe eine Menge Arbeit extra nötig - die Riesenglockenblume Campanula lactiflora hatte sich offenbar allzu großzügig ausgesät. Ihre Wurzeln durchzogen fast das gesamte Erdreich. Sabine Zentek, die Vision einer Glockenblumen-Monokultur vor Augen, buddelte  im Vorfrühling mit Unterstützung von Elisabeth und Peter Fobbe aus Gelsenkirchen den Boden gründlich durch und förderte mehrere Schubkarren der tief reichenden Wurzeln zu Tage. Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen war - die Campanula lactiflora war wegen des ungewöhnlichen Winterwetters in weiten Bereichen erfroren und ließ sich nur noch selten blicken. Im blauen Teil hatte sie sich fast vollständig verabschiedet. Möglicherweise hätte die neue Beetgestalterin sich zumindest einen Teil der Arbeit sparen können. Doch - hätte man das vorher wissen können? Schließlich musste auch Platz für die neuen Beetbewohner geschaffen werden, die Zentek-Lieblinge, architektonisch wirkende, großblättrige Pflanzen.

Eine Herausforderung für die Gestalter und feuriges Willkommen für die Besucher: das rote Beet.Eine Herausforderung für die Gestalter und feuriges Willkommen für die Besucher: das rote Beet.
Foto: Wolffram

Schwieriges Wagnis Staudenzucht

Der rote Bereich mittendrin, viergeteilt, das feurige Willkommen für die Parkbesucher, die stärkste aller Farben, die warnt und gleichzeitig nahe rückt wie keine andere, wirft viele Extra-Fragen auf: Allein dafür die passenden Stauden zu finden, ist eine Aufgabe der besonderen Art. Weitere Probleme kamen hinzu, als die Dortmunder Kunsthistorikerin Kerstin Wolffram an den Start ging. Ihre Vorgängerin Elionor Orzol-Mühle war nach Norddeutschland gezogen, konnte also nicht "mal eben" vorbeischauen, um Tipps und Hinweise zu geben. Alte Pläne stimmten nicht mehr. Sie stammten zum Teil noch von Kurt Kleisa, dem ersten Planer fürs Rot. Zudem waren Flächen in der Mitte durch ein Unwetter verwüstet worden, der Boden teilweise abgespült, ein umstürzender Baum hatte Zerstörungen angerichtet.  Kerstin Wolffram hat seit der Übernahme ihres Planeramtes viel Energie und Zeit in die Neugestaltung gesteckt. Gut, dass auch sie nicht allzu weit entfernt wohnt, um ab und zu nach dem Rechten sehen zu können.   Bei Neubestellungen von Pflanzen musste sie erfahren, dass sogar Fachfirmen mit roten Blüten ihre Probleme haben. "Sie glauben gar nicht, wie viel falsche Sorten mir geschickt worden sind." Die kleinen Pannen quittiert sie bereits mit einem Lächeln. Wer einen Garten für die Öffentlichkeit machen will, braucht eine dicke Haut. Foto: Wolffram

Harter Winter killt Jungpflanzen

augustbeet2012 erwies sich auch für sie als Jahr der Prüfungen. Der ungewöhnliche Winter macht vielen Neuanpflanzungen den Garaus; die tolle neue Knöterichsorte, deren rote Kerzen in beeindruckender Höhe für Kontrast zu anderen Blüten sorgen sollten, fiel dem mörderisch kalten Februar zum Opfer. Doch damit nicht genug. Um Geld zu sparen, hatte sie viele Sorten aus Samen selbst herangezogen. Wer das schon einmal selbst versucht hat, weiß - das ist keine leichte Aufgabe, nicht so wie Radieschen oder Kapuzinerkresse säen. Viele Staudensamen brauchen Extra-Behandlungen, weil sie "Kaltkeimer" sind. Das Saatgut muss wechselnden Wärme- und Kälteperioden ausgesetzt werden. Manches wird mit Erde bedeckt, anderes braucht Licht, um zum Leben zu erwachen. Die unendlich aufwendige Arbeit brachte tatsächlich unzählige junge Staudenpflänzchen, genug, um die Löcher des Winters zu stopfen. Doch dann?  Als sich die Blüten öffnen, folgt Enttäuschung. Nur wenig entspricht der Sortenbeschreibung. Im roten Beet, wo das Zusammenspiel  von der Harmonie schnell zur schrillen Dissonanz ausartet, ein Fiasko. Das Saatgut, obwohl bei Spezialgärtnereien erstanden, ist offenbar nicht sortenrein. Sie spricht mit anderen Gärtnerinnen und Gärtnern. Ja, so etwas kommt vor, wird ihr versichert. Ein Trost? Vielleicht, aber der Geduldsfaden ist schon lang gezogen...

2013 beschert ihr eine Helferin, die seitdem immer zur Verfügung steht  -  endlich: Christine Daerr, ein zu diesem Zeitpunkt funkelnagelneues GdS-Mitglied. Die Mutter von inzwischen erwachsenen Kindern wohnt nicht weit vom Rombergpark entfernt im Dortmunder Süden, hat selbst daheim einen kleinen Garten und liebt es, praktisch anzupacken und dazuzulernen.

Besucher aus Hamburg mussten Regen ertragen.Besucher aus Hamburg mussten Regen ertragen. Foto: Renneberg

Im gelben Bereich sind auf jeder Seite des Weges andere verantwortlich. Im höheren Teil, mit Baumbestand mittendrin, müht sich Margret Denecke derzeit darum, dem aktuell neu gestalteten "goldenen" Garten eine wieder ansehnliche Gestalt zu geben. Die Dortmunderin ist von Anfang an dabei. Im Frühjahr 2011 fand sie den Zustand der Pflanzung so desaströs, dass sie rigoros neu pflanzte. Der exotische Blickfang, die Yucca 'Golden Sword' hatte den Winter nicht überlebt. Das große Gehölz, die Gleditsia chinensis, zieht jede Feuchtigkeit aus dem Boden, sodass in ihrem Schatten nur trockenheitsresistente Pflanzen existieren können. Die langjährige Gärtnerin bestellte nicht nur bei Staudengärtnereien, sondern brachte auch Ableger und Sämlinge aus dem eigenen Garten mit. Sogar gelbe Christrosen (Helleborus), die hat bestimmt nicht jeder. Der plötzliche, verspätete Wintereinbruch im Februar 2012 zwang sie zum schnellen Handeln. Mit Hilfe eines kräftigen Gärtners gelang es ihr, die gelblaubige Choisya (Orangenblume) vor dem sicheren Tod bei dauerndem Kahlfrost zu retten. Das empfindliche Gehölz wurde ausgegraben und ins Gewächshaus gebracht.

Devise: weitermachen, so lang es geht

volle aktionFoto: Zybon-BiermannGanz zu Anfang, als sie zunächst Zweifel plagten, ob sie die große Aufgabe schultern könne, hätte sie wohl kaum gedacht, dass sie so viele Jahre mit Spaß und neuen Ideen dabei sein würde. Um sich für das Planer-Amt fit zu machen, hatte sie sich zusätzliche Fachbücher besorgt, brütete über neuen Staudenkombinationen und fand nachts keinen Schlaf, weil sich der gelbe Garten immer wieder in die Träume schlich.  Außerdem habe sie zu Anfang Fehler gemacht, gesteht sie heute, die ihr später nie mehr passiert wären, z. B.: "viel zu viel einkaufen". Seitdem bot jedes Jahr neue Herausforderungen; die in Löttringhausen wohnende Staudenfreundin, die übrigens auch Gründungsmitglied des Freundeskreises für den Botanischen Garten Rombergpark ist, stellte sich ihnen unverzagt, ist jedoch inzwischen froh, nicht mehr allein mit ihrer Aufgabe zu sein. Inzwischen kam ein neuer Mann dazu, Klaus Peter Carpentier aus Wetter.

Gegenüber im anderen Teil des Beetes führen Inge und Gerd Imkamp (bis heute) die Regie, und das bereits seit langem. Das  Lehrerehepaar hat von der eigenen Haustür in Ahlen bis zum Botanischen Garten immerhin 75 Kilometer Anreise zu bewältigen. Beide kommen jeweils in den Ferien für je ein oder zwei Tage hierhin, um ihre üppig bewachsenen Quadratmeter durchzuforsten. "In der übrigen Zeit schaffen die städtischen Gärtner alles ganz leicht allein." Auf ihre Helfer*Innen lassen die beiden nichts kommen: Die Zusammenarbeit könne nicht besser sein.

Bei der Farbwahl haben die Ahlener Wert darauf gelegt, außer gelben auch weiße Töne mitzuverwenden, "damit der Übergang zum weißen Beet fließender ist." Auf der anderen Seite, zum roten Beetteil, dürfen die Goldtöne auch schon mal kräftiger ausfallen. Die Pflege mache keine Probleme, "weil alles dicht bepflanzt ist." Die im Hintergrund hochwachsenden Stauden-"Büsche" bringen selbst an grauen Tagen fröhliche Stimmung in diesen Teil des "Borders".

Eine Orgie in Rosa versüßt den Blick aufs kühle BlauEine Orgie in Rosa versüßt den Blick aufs kühle Blau. Foto: Hübner

Beifall sogar von den Promis der Branche

Die Regionalgruppe hat oft - als Vortragsreferenten - bekannte Persönlichkeiten der Gartenbranche zu Gast, berühmte Pflanzenzüchter, Fachautoren, Landschaftsarchitekten und Gartenplaner. Oft sind sie aus weiter Entfernung angereist. Doch kaum jemand von ihnen lässt sich die Chance entgehen, das Staudenbeet anzusehen. Selbst Gärtner-Weltstars wie Piet Oudolf waren sich nicht zu schade, das "englische Border" im Botanischen Garten der Stadt Dortmund anzuschauen, Lob, Kritik und Anregungen zu äußern. Auch der erste Vortragsgast nach der Sommerpause 2011, Gärtnerlegende Dr. Hans Simon, folgte diesem Beispiel. Der damals 85jährige ließ sich - nach einem mehrstündigen Vortrag - noch von Beetgruppenleiter  Dr. Mosebach und seiner Frau am Beet entlang führen. Zwei Stunden nahm sich der rüstige Senior Zeit, um alles anzuschauen und auf gut gelungene sowie verbesserungswürdige Aspekte zu untersuchen.

GruppenbildFoto: GenschGelegentlich bekommt Dortmund Besuch von Staudenfreunden aus anderen Teilen der Republik. Die Gäste lassen es sich nie nehmen, einen Blick  auf das GdS-Projekt im Rombergpark zu werfen. Im Sommer 2011 wagte sich eine Gruppe aus Hamburg trotz schwer erträglichen Regenwetters (siehe das Bild links) zu uns, um unter Führung von Dr. Mosebach das Werk der Dortmunder Gesinnungsfreunde in Augenschein zu nehmen. "Jetzt weiß ich auch, warum ich in den letzten Jahren bei den Haushaltsentscheidungen der Gesellschaft der Staudenfreunde immer dafür gestimmt habe, einen Zuschuss dafür zu bewilligen", so der Kommentar eines hanseatischen Gastes. Tatsächlich zeigten sich die norddeutschen Staudenfreunde so begeistert, dass sie spontan ein großes Geschenk anboten: Da sie ihre eigene Anlage auf dem Landesgartenschaugelände auflösen mussten, entschieden sich die Mitglieder dafür, diese Pflanzen, meist Prachtstauden, für unser Beet zu spenden.

 


 

Einmal Hamburg und zurück für ein Geschenk

Der daraus folgende bemerkenswerte Einsatz des früheren Regionalgruppenleiters Dr. Peter Mosebach  wird zumindest den langjährigen Mitgliedern der Regionalgruppe im Gedächtnis geblieben sein. Er und seine Frau machten sich im eigenen Privatwagen auf den Weg, um die Pflanzen selbst in Hamburg abzuholen. Eine über elfstündige Autobahnfahrt war damit verbunden! Dieser Kraftakt war ein echtes Wagnis, da Mosebach zu diesem Zeitpunkt bereits mit erheblichen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Er starb nach langer Krankheit im August 2013.

Schönster Lohn: Lob der Besucher

Hamburger GeschenkDen schönsten Lohn für ihren Einsatz bekommen die Beetgestalter von den zahlreichen Besuchern ihres ehrgeizigen Projektes: "Wir kommen zu allen Jahreszeiten hierhin und bekommen immer wieder Ideen für den eigenen Garten", versichern viele von ihnen. Wenn beim Heidemarkt im August am GdS-Stand besondere Stauden zu haben sind, finden sich unzählige Gartenfreunde ein, um eine Rarität fürs eigene Grün mitzunehmen. Nicht selten wird die Chance genutzt, die fachkundigen Laien, deren Werk das wunderbare Blumenmeer nebenan ist, dorthin zu ziehen, wo man selbst eine tolle Pflanze entdeckt hat." Würde die wohl bei mir wachsen?" Auch mit Lob wird nicht gespart: "Wenn ich meinen Garten doch so hinkriegen würde..." Besonders anrührend der Kommentar einer alten Dame, die im Rollstuhl durch unseren Garten fuhr: "Ist es nicht ein Wunder?" Birgit Hübner hörte es gern. Kann man sich mehr Anerkennung wünschen?


Wildwuchs-Empörung

Es braucht ein Gitter zur Zucht der Ranken,
gegen ungerichtetes Schwanken.
Wildes wachsen in alle Queren
ist ganz natürlich zu verwehren.
Wie sehe es aus in Müllers Gewächsen,
ließe man sie einfach sprießen,
und würde man sie nicht zum Letzten
eines jeden Monats gießen.
Sie wüchsen ja am Ende noch
– wie es ihnen gut bekäme –
ungezähmt zum Himmel hoch
Welche Schande, welche Häme!

Cornelia Schneider