Gut geplant

Staudenfreunde: Ideen für Dortmund

Pflanzenliebhaber starteten drittes Projekt

Die Rosen bestimmen die FarbenDortmund bietet mehr als Industrie und Fußball: Die größte Stadt des Ruhrgebietes ist dabei, sich zu einer Top-Adresse für Liebhaber anspruchsvoller Gartenkultur im öffentlichen Raum zu entwickeln. Die Dortmunder Regionalgruppe in der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) hat im Frühjahr damit begonnen, ein besonders insektenfreundliches, nachhaltig bepflanztes Staudenbeet im Fredenbaum-Park zu planen (siehe Bild links). Ein zweites Beet soll im nächsten Jahr folgen. Dieses Vorhaben, das zusammen mit den Azubis des Grünflächenamtes realisiert wird, ist bereits das dritte Projekt der GdS in der Westfalenmetropole. Alle drei Anlagen können übrigens jederzeit kostenlos besichtigt werden.

 

 

 

 

 

Erstes Schaubeet feiert bald Jubiläum

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Verein begann in den 90er Jahren. Die Staudengesellschaft suchte nach einer Möglichkeit, sich bei der Stadt für die zur Verfügung gestellten Vortragsräume im Botanischen Garten Rombergpark (BGR) zu bedanken. Der damalige Chef des BGR, Heribert Reif, schlug 1996 vor, nahe dem alten Verwaltungsgebäude ein „Border“ im englischen Stil mit Stauden anzulegen. Die Hobbygärtner überwanden die anfängliche Scheu, als Laien eine so anspruchsvolle Aufgabe zu schultern und griffen zu Hacke und Spaten, um fünf Jahre später, 2001, der Stadt das blühende Geschenk zu übergeben. Das Staudenbeet, die Nr. 1 in der GdS-Projektreihe existiert noch heute, obwohl es in jedem Jahr etwas anders aussieht, wie es bei einem so lebendigen Werk auf 1000 Quadratmetern nicht anders zu erwarten ist. Im kommenden Jahr soll der 20. Jahrestag der offiziellen Übergabe mit einem Fest begangen werden.

RombergparkErinnern an kleine Flaschenbürsten: die Wiesenknopfblüten im Botanischen Garten Rombergpark sind im Spätsommer und Herbst Blickfang im Staudenbeet.

Nr. 2: die Senkgärten an Rosenterrassen

2015 kam ein zweites, großes Vorhaben hinzu: Die beiden Senkgärten an den Rosenterrassen bedurften dringend der Renovierung. Für die Dortmunder Staudenfreunde bot sich dort erstmals die Gelegenheit, zusammen mit den Azubis der Stadt die geometrisch angeordneten Beete – jeweils 400 Quadratmeter – umzugestalten. Das hieß: GdS-Mitglieder planten; der städtische Gärtner-Nachwuchs pflanzte. Seitdem präsentieren sich die ursprünglich traditionell angelegten und pflegeintensiven Terrassenbeete in einem naturnahen Look mit robusten Blütenstauden und Gräsern. Rosen, die hier zuvor ebenfalls wuchsen, findet man jetzt nur noch auf den eigentlichen Rosenterrassen.

SenkgartenDie Senkgärten an den Rosenterrassen waren das zweite Projekt der Dortmunder GdS.

Paradies für Insekten im Fredenbaum-Park

Im jetzt begonnenen dritten Staudenprojekt spielen Rosen dagegen eine wichtige Rolle. Sie waren vorhanden und sind geblieben, nicht überraschend in einer „Rosenstadt“ wie Dortmund. Mehr noch, ihre Farben sind Leitmotiv für das passende Farbenspektrum der benachbarten Stauden. Die Planungsphase begann Anfang Februar 2020; das mit der Planung befasste Team bestand aus sechs GdS-Mitgliedern. Wegen der Corona-Krise wurde das Verfahren gestrafft. Zunächst traf das Team eine Auswahl aus 30 verschiedenen Stauden; danach fertigten die langjährigen Staudenfreunde Hannelore und Hanspeter Eickmann in zwei Wochen einen detaillierten Pflanzplan an, der schnell vom Dortmunder Grünflächenamt abgesegnet wurde.

Fredenbaum 01

Die Farben der Rosen waren Leitmotiv für die Farbgestaltung des neuen Beetes im Fredenbaum-Park.

Mitte Mai – nach den Eisheiligen – brachte der Gärtner-Nachwuchs die Pflanzen für das gemischte Stauden-Rosen-Beet in den Boden. Insgesamt wurden in eineinhalb Tagen 1.100 Stauden gesetzt. Nach dem Einwachsen bekamen die Jungpflanzen noch eine Extradosis Rinderdung.

Fredenbaum 02Das Beet im Fredenbaumpark zeigt bietet nach einem halben Jahr bereits einen prachtvollen Anblick.

Die in Kamen wohnenden Eickmanns gehören zu den am längsten aktiven Mitgliedern der Staudenfreunde. Sie sind seit 1996 ununterbrochen Planer eines Teils des großen Staudenbeetes im Botanischen Garten Rombergpark. Die neue Anlage im Fredenbaum-Park mit seinen teilweise sehr alten, als Naturdenkmäler eingestuften Bäumen, hat eine wichtige Aufgabe, die weit über das bloße Aufhübschen einer Grünanlage hinausgeht: Sie wirkt geradezu magnetisch auf Insekten, die dort jede Menge Futter finden, und das gefällt offenbar auch vielen Parkbesucher*innen.

Fredenbaum 01Knöterich und Astern bringen ...

Fredenbaum 03

... neben den üppigen Heleniumblüten Farbe ins Beet und den sechsbeinigen Besuchern eine Menge Futter.

Wer mehr über die beiden anderen Projekte der Dortmunder Staudenfreunde erfahren möchte, wird auf dieser Webseite unter den Links „Große Schau auf 1000 Quadratmetern“ (Botanischer Garten) bzw, „Gartenkunst am Weg zum Fußballtempel“ (Senkgärten) fündig.

 


Wildwuchs-Empörung

Es braucht ein Gitter zur Zucht der Ranken,
gegen ungerichtetes Schwanken.
Wildes wachsen in alle Queren
ist ganz natürlich zu verwehren.
Wie sehe es aus in Müllers Gewächsen,
ließe man sie einfach sprießen,
und würde man sie nicht zum Letzten
eines jeden Monats gießen.
Sie wüchsen ja am Ende noch
– wie es ihnen gut bekäme –
ungezähmt zum Himmel hoch
Welche Schande, welche Häme!

Cornelia Schneider