Natur und Garten

Ohne den richtigen Boden gedeiht nichts

Praktische Tipps von Gärtnermeister Göbbeler

Josef GöbblerJosef GöbbelerWas ist zu tun, wenn ein neues Staudenbeet angelegt oder ein altes, außer Form geratenes renoviert werden soll? Josef Göbbeler, früher Gärtnermeister bei der Stadt Herne, mit 82 noch  Ausbilder und Prüfer des Gärtner-Nachwuchses sowie Referent vor Fachpublikum, rät vor allem eins: als erstes den Boden gründlich bearbeiten, lockern und alle Wurzelunkräuter entfernen! Das sei die wichtigste Voraussetzung, damit die Pflanzung gelingt. Von seinen in einem Vortrag vermittelten, praxisnahen Tipps profitierten auch  die Dortmunder Staudenfreunde.

Wahrlich keine gute Nachricht für „Lazy Gardener“: Zunächst muss alles raus – überalterte und unansehnlich gewordene Stauden werden mit der Grabegabel herausgenommen und geteilt. Die dabei entstehenden Wunden im Wurzelbereich sollten mit Holzkohlepulver überpudert werden, um Fäulnis zu vermeiden. Aus dem tiefgründig durchgegrabenen Boden werden zunächst alle Wurzeln gefürchteter Dauer-Mitbewohner wie Giersch oder Zaunwinde entfernt. Neuerdings gesellt sich zu den altbekannten Schreckgespenstern auch noch die Sumpfkresse Rorippa sylvestris, ein ausläufertreibender Neophyt mit 75cm tiefen Wurzeln. Der Gärtnermeister warnt: „Sammeln Sie jedes kleine Wurzelstückchen heraus, sonst haben Sie im Jahr darauf wieder eine Kolonie“. Alternative Bekämpfungsmethoden sind Herbizide oder die giftfreie Abdeckmethode. Bevor es an die Neuanpflanzung geht, sollte man sich auch die Frage nach der richtigen Bodenstruktur stellen. Im Ruhrgebiet sind schwere, undurchlässige Böden häufig. Dann empfiehlt sich eine Zugabe von Sand oder Splitt. In leichterem Boden können Wurzeln besser Fuß fassen.

Kein Patentrezept für Staudenzahl

Wieviel Einzelstauden setze ich pro Quadratmeter? Die Frage lasse sich nicht generell beantworten, wegen je nach Art unterschiedlichen Platzbedarfs und Wachstumsgeschwindigkeit. Bei Hosta beispielsweise genügen drei bis vier Pflanzen, bei Alchemilla sollten es acht bis zehn Einzelpflanzen sein. Bevor man die geteilten oder neuen Stauden setzt, sollten sie gründlich gewässert und auch danach angegossen und fest angedrückt werden. Wer die Zwischenräume mit Holzhäcksel oder Rindenmulch abdeckt, um Wildkrautwuchs zu verhindern, darf nicht vergessen, zuvor Stickstoffdünger auf zu bringen. Bei der Zersetzung des Häckselgutes wird dieser wichtige Dünger nämlich verbraucht. Was viele nicht wissen: auch kleingeschnittene Staudenteile lassen sich als Mulch verwenden. Wer reinen Stickstoffdünger wie Blaukorn verwendet, muss unbedingt auf die richtige Dosierung achten – nicht mehr als 20 Gramm pro Quadratmeter; bei organischen Volldüngern, Hornspänen und Kompost darf es mehr sein – und auch die Gefahr von Verbrennungen ist nicht so groß. Der richtige Zeitpunkt für die Düngegabe seien die Monate Juni und Juli. Später schieben die Pflanzen dann noch zu lange, weiche Triebe, die nicht richtig ausreifen und frostempfindlich sind.

Welche Stauden schmücken im Herbst durch Blüten und Blattfärbung? Josef Göbbeler stellt geeignete Arten vor – einige davon wenig bekannt wie Paeonia cambessedesii, die ihre Heimat auf den Balearen hat (und im Winter etwas Schutz braucht), oder so bekannte Großstauden wie Darmera, die an vielen Gartenteichrändern anzutreffen ist und im Herbst je nach Witterung mit blutroten Riesenblättern auffällt.

Wenn der Garten in dieser Jahreszeit bereits Schwachpunkte aufweist, können Töpfe Glanzpunkte setzen. Voraussetzung für die erfolgreiche Kübelkultur sei die Wahl der Kübel selbst. Es müsse durchaus nicht immer teure, schwere und bruchgefährdete Terracotta sein, meinte der Gärtnermeister: Kunststoff sei genauso gut verwendbar. Wichtig sei auch hier wieder die sorgfältige Pflanz-Vorbereitung: ausreichend Abflusslöcher, eine 15 cm. dicke Drainageschicht aus Scherben oder Kiessplitt, die man dann mit Vlies abdecken sollte, um ein Eindringen der Pflanzerde zu vermeiden. In der Tat seien alle möglichen Pflanzen, zum Beispiel Coreopsis, Iris, Heliopsis und Hosta, auch Gehölze, für ein Leben im Gefäß geeignet. Allerdings dürfe man das Gießen nie vergessen – selbst bei Regen. Das Blattwerk deckt im Sommer die Erde im Topf so ab, dass kein Tropfen durchkommt. Zum Gießen eigne sich vor allem Regenwasser – gesammelt in der an die Dachrinne angeschlossenen Tonne, aber auch das Wasser, mit dem man die Gemüse in der Küche gewaschen hat – ökologische Lösungen auch für das Kübelparadies auf der Terrasse.


Foto: Monika Zybon-Biermann