Natur und Garten

Rhododendron ökologisch wertlos? Vorurteile, sonst nichts!

Ohne frühe Prachtblüten litten Hummeln bei kühlem Wetter Hunger

Michael Stork - ehemaliger Leiter der SchulbiologieMichael StorkSie sind oft immergrün, blühen je nach Sorte – davon gibt es laut Schätzung ca. 30.000 – vom zeitigen bis zum späten Frühjahr und leiden als exotische Schönheiten immer noch unter Vorurteilen: Was es mit Rhododendren wirklich auf sich hat, machte der frühere Leiter des Dortmunder Schulbiologischen Zentrums, GdS-Mitglied Michael Stork, (Foto links: privat) in seinem Vortrag „Rhododendron und Hummeln“ deutlich.

Die Vielfalt der beliebten Ziersträucher entstand aus den rund 1000 Wildarten, von denen die meisten in China, und zwar in den Provinzen Yunnan, Sichuan und Südost-Tibet,  einige in Indien, in Japan , wenige in Europa, andere  in Nordamerika daheim sind. Attraktive Blüten, deren begehrte rote Farbe z. B., wurde von  Arten beigesteuert, deren Winterhärte wegen ihrer subtropischen Herkunft zu wünschen übrig ließ. Mit an Kälte gewöhnten Befruchtungspartnern aus Europa und Amerika entstanden moderne Hybriden. Rhododendren leben  als Gebirgspflanzen in verschiedenen Klimazonen, vom warm-feuchten Tal bis zur eisigen Hochfläche. Entsprechend ihrer natürlichen Umgebung haben sie unterschiedliche Erscheinungsformen entwickelt. In Himalaja-Höhenlagen gibt es zwergwüchsige Arten, mit deren Hilfe niedrige Gartenformen gezüchtet wurden, die sich für lange Zeit mit wenig Platz zufrieden geben – ideal für kleine Gärten.

Was Rhododendren gemeinsam haben, ist ihre Vorliebe fürs saure Milieu. Auch wenn es heute Sorten gibt, die eine kleine Dosis Kalk im Boden vertragen, so ist den meisten ein niedriger pH-Wert am liebsten. Früher glaubte man, dazu sei eine große Menge Torf nötig (das rief Naturschützer auf den Plan), doch das stimmt nicht. Erstens gibt es andere Möglichkeiten, den Boden anzusäuern, z. B. mit Nadelholz-Häcksel, reinem Laubkompost und  - sogar Kaffeesatz! Zweitens – sind sie einmal eingewurzelt, sorgen die „Rhodos“ selbst für die richtige Chemie.

Nützliche Sechsbeiner sorgen fürs Gemüse

Ihr unbestreitbarer Nutzen für das Öko-System hierzulande ist die enorme Menge Pollen in ihren großen Blüten. Vor allem die früh blühenden Sorten können für die bereits aktiven Hummeln zu Lebensrettern werden. Bei kühler Witterung finden die nützlichen Sechsbeiner, durch deren Hilfe wichtige Gemüsepflanzen wie Gurken, Zucchini und Paprika bestäubt werden, nämlich sonst zu wenig Nahrung.

Sechs Hummelarten sind bei uns zu finden: Die Erd-, Garten-, Baum-, Stein-, Acker- und die Wiesenhummel. Alle haben unterschiedliche Zeichnungen und sind – kennt man sich aus – leicht zu unterscheiden. Was ist zu tun, um es den kleinen pelzigen Nützlingen im eigenen Garten gemütlich zu machen und sie zum Bleiben zu animieren? Erd- und Gartenhummel mögen verlassene Mäuselöcher, Baumhummeln Höhlen und Spalten in Gehölzen als Wohnraum. Wenn man derartiges nicht zu bieten hat, empfiehlt es sich, einen abgedeckten Blumentopf mit Bambusrohr-Zugang zu vergraben und einen Meisenkasten mittels Nagel-Barrikade für Meisen unzugänglich zu machen. Füllt man die künstlichen Höhlen noch mit etwas weicher Wolle auf, so könnte es sein, dass sich die gewünschten Mieter für eine Saison einfinden.


Foto: Monika Zybon-Biermann