Natur und Garten

Ruth Müller gibt Tipps für den Umgang mit Schere und Säge

Bewusste Wahl und richtige Pflege für langlebige Gehölze

Was wäre ein Staudengarten ohne Gehölze? Unvollständig wie ein Haus ohne Wände - denn es fehlt das bleibende Gerüst. Wie schafft man es, den grünen Rahmen, die lebendige Architektur dauerhaft gut in Form zu halten? Ruth Müller, GdS-Mitglied, Rosenfreundin und Baumschulgärtnerin, erläutert in ihrem Vortrag "Gehölzschnitt - aber richtig" die Grundregeln für den Umgang mit Baum und Strauch. Dabei stellte sie das Motto des preußischen Gartenkünstlers Peter Josef Lenné "Nichts gedeiht ohne Pflege und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert" vorne an.

Ruth MüllerWichtig sei, den Wuchscharakter der Gehölze nicht zu verunstalten: "Gehölze, die einfach nur irgendwie klein gehalten werden, verlieren nicht nur an Charakter, auch ihre Anfälligkeit gegenüber Krankheiten ist erhöht." Auf Dauer sei es unmöglich, einen Baum, der von Natur aus 20 Meter hoch wächst, im Garten gleichzeitig klein und gesund zu erhalten. Schon bei der Entscheidung für Gehölzarten bzw. Sorten solle daher eine dem Zweck entsprechende Wahl getroffen werden. Hinzu kommen bereits in der Baumschule begonnene Schnittmaßnahmen, die dazu dienen, den optimalen Aufbau von Baum oder Strauch zu fördern. Kreuzende und zu schwache Triebe werden entfernt, die Verzweigung gefördert. "Wird am Pflanzschnitt gespart, zahlt man später Lehrgeld, denn was in dieser Phase versäumt wurde, lässt sich nur schwer oder gar nicht wieder ausgleichen." Fazit: Der Kauf guter Qualität in einer Baumschule ist immer der beste Weg, um später ein schönes Solitärgehölz (oder eine dem Zweck entsprechende Hecke) zu besitzen.

Ist das Gehölz gepflanzt, so heißt das nicht, dass die Gartenbesitzer sich zurücklehnen und den Dingen ihren Lauf lassen können: zur allgemeinen Grundpflege gehört es, regelmäßig, einmal im belaubten Zustand, einmal unbelaubt im Winter, zu kontrollieren. Im Sommer lasse sich beurteilen, wie sich die Pflanze ins Gesamtbild einfügt, ob alle Äste wirklich gesund sind; bei besonderen Gartenformen mit panaschiertem Laub oder hängenden Trieben müssen die "Rückschläge" (grüne Blätter, normal wachsende Zweige)  entfernt werden, weil sie sonst die erwünschten Formen überwachsen. In der kalten Jahreszeit lässt sich der Wuchs der Äste kontrollieren - "falsch" wachsende Triebe werden abgeschnitten - am besten so schnell wie möglich, so lange sich die Schnittfläche klein halten lässt. Ist man gezwungen, dicke Äste abzusägen, entsteht eine große Wundfläche - die kann Eintrittspforte für Krankheitserreger sein.

Über die Grundpflege hinaus benötigen viele Gehölze einen Erziehungs- bzw. Erhaltungsschnitt. Dabei unterscheidet man zwischen dem ein- bis zweimaligen Formschnitt pro Jahr für eine Hecke, eine Kugelform, einen Bonsai oder eine Figur (Topiary) oder einem Verjüngungsschnitt bzw. dem Herausschneiden älterer Triebe, um die Blühwilligkeit (bzw. den Fruchtansatz) einzelner Gehölze zu erhöhen. Für veredelte Gehölze sind jeweils gesonderte Regeln zu beachten: während bei Rosen die Veredelungsstelle meist unter die Erde gepflanzt wird, muss dieser Punkt bei Obstbäumen über der Erde liegen. Auf jeden Fall gültig: Wildtriebe aus den Unterlagen müssen schnell entfernt werden.

Wenn man schneidet, sollte ein kleiner Astring stehen bleiben. Einen Aststummel ("Huthaken") dagegen kann die Pflanze nicht überwachsen. Er stirbt ab - das Totholz zieht Pilze an. Manchmal bilden Bäume und Sträucher auch neben einem korrekt geschnittenen Astring wieder Triebe aus. Diese sollte man, wenn sie einige Zentimeter groß sind, nach unten abbrechen. In der Tat ist je nach Art eine Menge an Regeln zu beachten - wer sich nicht alles merken kann, sollte sich nach einem Ratgeber umsehen. Es gibt eine Menge an Fachliteratur über Gehölzschnitt. Und noch eins ist wichtig: das richtige Werkzeug. Ruth Müller empfiehlt neben einer guten Rosenschere und einer Bügelsäge mit verstellbarem Sägeblatt noch eine ausziehbare Astschere mit Ratschenmechanismus - nicht zu schwer, damit auch die Gärtnerin davon profitieren kann. "Alles andere braucht man eigentlich nicht."

Ruth Müller gab Tipps

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie schneidet man welches Gehölz? Ruth Müller erläutert Staudenfreunden, was zu tun ist.

 

Foto oben: Privat. Foto unten: Zybon-Biermann