Sarastros Rundbriefe

Sarastro-Rundbrief September 2021

Liebe Pamina, hallo Papageno!

Momentan ist es bei uns eher frühherbstlich, kühl und regnerisch, kein warmer Spätsommer! Wenn es in den letzten Wochen mal warm war, dann gleich über Gebühr schwül und teilweise unerträglich, bis ein Platzregen Erleichterung schuf. Man muss das Wetter nehmen, wie es kommt, zumal mir persönlich ein verregneter Sommer immer noch hundertfach lieber ist als ein Jahr mit Hitze wie 2003 oder eine Jahrhunderttrockenheit wie 2018. Aber vielleicht steht uns wenigstens noch ein trockener und warmer Herbst bevor!

 

Eine wunderbare Reise durch das Land der Sqipetaren (Albanien) hatte sich uns quasi als „Nachcorona-Erstreise“ angebahnt. Leider war es pflanzlich die falsche Jahreszeit, denn wir waren in der Südhälfte des Landes, mitten im August, die Vegetation war größtenteils braun und eingetrocknet, auch in höheren Regionen. Lediglich die herrlichen Wälder gaben einen Eindruck jener pflanzlichen Diversität wieder, die dieses tolle Land zu bieten hat. Albanien ist einer der Hotspots der Pflanzenvielfalt in Europa und ein Schmelztiegel an liebenswerten Menschen verschiedener Herkünfte und Religionen, es hat vor allem auch kulturell viel zu bieten. Ein weißer Fleck auf der Karte, ein bis in jüngster Vergangenheit komplett abgeschottetes Land, noch heute ein Geheimtipp, für uns sicher nicht das letzte Mal! Gewöhnungsbedürftig ist nur die Autofahrerei. Entweder man passt sich an oder man geht unter. Nun, ich habe mich in diesem scheinbaren Chaos schnell zurechtgefunden, musste mich aber ab Wien auf der Fahrt nach Hause wieder umstellen und an Gebote und Regeln halten.

Im Land der SqipetarenBundesgartenschau in Erfurt 

Letzte Woche kam ich von der Bundesgartenschau in Erfurt zurück. Ich hatte schon viel über sie vernommen, positives überwog, aber auch weniger erbauliches hörte man, ich wollte mir endlich einmal selbst ein Bild machen. Die 500 km Anreise lohnte sich allemal, denn auf mich hinterließ diese Gartenschau durch und durch zutiefst positive Eindrücke. War sie doch in erster Linie eine Pflanzenschau der Superlative, sowohl in puncto Pflanzenverwendung, aber auch als gelungene Repräsentation des Gartenbaues insgesamt! Erfurt kann ja auf eine lange, gartenbauliche Tradition zurückblicken, die BUGA schöpft natürlich aus dem Potential dieser Vergangenheit, sie kann auf ein gewachsenes Fundament zurückgreifen, was andere Gartenschauen in dieser Weise weniger konnten.

Den großzügig angelegten EGA-Park kannte ich ja schon von früher her, war ich in den ersten Jahren meiner Selbständigkeit mehrfach als Aussteller bei der Raritätenbörse Ende August anwesend. Heute schaute ich natürlich auf die Freilandbeiträge und hier ganz besonders auf die Staudenbeete, daher kaum auf die großartig arrangierten Hallenschauen. Und hier unter freiem Himmel kam ich ins Schwelgen und Schwärmen, man kann den Planern und Gärtnern nur ganz herzlich für ihre tollen Beiträge gratulieren! Nicht irgendwelche realitätsfremden, kaum nachvollziehbaren Fantastereien, sondern gelungene Bepflanzungen, durchaus mit modernem, nachvollziehbarem „Aufputz“ versehen! Ich habe gar nicht all die Infotafeln im Detail durchgelesen, wer, wo, was und wie geplant und ausgeführt hat, ist auch vollkommen einerlei, die Staudenkompositionen und der allgemeine Pflegezustand waren einfach überwältigend! (Aber zumindest Petra Pelz sei trotzdem in diesem Zusammenhang ein dickes Kompliment gemacht!). Die allermeisten Staudenbeete vermittelten einen optimalen, gut eingewachsenen Eindruck, wenngleich einige Flächen sicher auch schon lange vor der BUGA bestanden. Besonders beeindruckten mich die Rosenbeete, deren Staudenflor zwar den Höhepunkt überschritten hatte, doch wurden besonders hier neue, ungewohnte Maßstäbe gesetzt und sogar Doldenblütler unter die Rosen gepflanzt, sowie einige seltenere, ornamentale Wildstauden wie Cacalia atriplicifolia (Indianerwegerich) oder die Selinum wallichianum (Himalaya-Silge)

Arnoglossum atriplicifolium syn Cacalia atriplicifolia 

Manche Kritiker werden jetzt sicher wieder behaupten, Erfurt sei so etwas wie eine typisch deutsche "Blümchenschau", für die Sinne, für die Massen. Das größte Blumenbeet Europas war tatsächlich quietschbunt, hatte aber an Kombinationen im Detail sehr viel zu bieten, erschlug einen aber in seiner Gewaltigkeit. Okay, soll so sein, das mit der Blümchenschau, aber alles auf relativ hohem Niveau! Und Pflanzen sind nun mal unser ureigenstes Medium, nicht teure, protzige Bauten oder scheinbar Verkünsteltes, wo dann am Schluss die Blumen schnell, schnell dazu gedrückt werden, oft einfältig und plakativ, rein zur Behübschung, wie es in der Vergangenheit leider allzu oft auf Gartenschauen zu sehen war. Öffentliche Gelder verschlang stets die Planung und der Wegebau, die Pflanzen hatten meist das Nachsehen.

Unterschiedlichste Bepflanzungen 1 

Hier in Erfurt findet der/die BesucherIn endlich wieder vielfältige Facetten an unterschiedlichsten Bepflanzungen vor, welche von Hausgartengröße bis hin zu Parkflächen jedermann nachvollziehen kann, inklusive in Szene gesetzter, gut gepflegter, blühender Kübelpflanzen. Einige Liebhabergesellschaften und deren Pflanzensammlungen werteten die Ausstellungsbeiträge auf und informierten darüber hinaus.

Unterschiedlichste Bepflanzungen 2 

Der einzige Themengarten, der mich leider maßlos enttäuschte, war ausgerechnet der Karl-Foerster-Garten, welcher ziemlich weit hinten zu suchen war, fast schon am Rande der Altstadt, welcher den Umständen entsprechend revitalisiert wurde, da früher die Umgebung viel sonniger war.

Wer Traeume verwirklichen will muss wacher sein und tiefer traeumen als andere 

Vielleicht tue ich den Planern Unrecht? Aber bei näherer Betrachtung wirkte der Foerster-Garten auf mich als eine Art Alibihandlung zu seinem 50. Todestag, mehr jedoch nicht, sehr schade! Und man sollte sein bekanntestes Zitat, welches weithin sichtbar über den Beeten prangt, wenigstens zu Ende schreiben! Jedenfalls hat mich der Foerster-Garten nicht gerade vom Hocker gehauen. Warum eigentlich? Man sah eine Aneinanderreihung von Sorten, sehr viele stammten nicht einmal von Karlchen selbst. K.F. war immer neugierig auf Verbesserungen und hätte sicher nichts dagegen, wenn in seinen Beeten auch Sorten anderer Züchter stünden. Dies aber versteht jedoch der Betrachter eines Foerster-Denkmales nicht! Zu sehen war eine Art misslungenes und unvollständiges "Miniatur- Mutterpflanzenquartier", so kam es mir jedenfalls beim Betrachten in den Sinn, mehr leider nicht! Die Lebensbereiche wurden zwar angedeutet, doch Gaura im Halbschatten und Hoher Phlox zu Agastache?

Lediglich der Hang zum Hauptweg fand ich okay. Warum aber hat man nicht die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und "Ein Garten der Erinnerung für den Blütengarten der Zukunft!" geschaffen, einen Garten aus der Vorkriegszeit, verknüpft mit Visionen für die Zukunft? K.F. war seiner Zeit doch weit voraus, aus diesem Grund fehlten mir insbesondere die Gräser! Und wenn schon sein bedeutendstes Zitat für diesen dürftigen Beitrag verwendet wird, dann sollte es auch zu Ende geschrieben werden, Beispiele einer Staudenverwendung, die durch Wach-Sein und tiefer Träume realisiert werden. Enttäuschend, leider!

Karl Foerster Garten 

Und leider sah ich in Erfurt, wie auch zum wiederholten Male auf früheren Ausstellungen jene wild geräuberten Cyclamenknollen, welche zum Verkauf angeboten wurden! Leider scheint dies weder den Veranstaltern, den Verkäufern und schon gar nicht den Kunden bewusst zu sein, dass diese der Natur entnommen wurden. Diese kartoffelgroßen Knollen winterharter Cyclamen wachsen nur sehr schwer an, meist aber verfaulen sie. Dies ist in höchstem Maße unseriös und sollte schleunigst unterbunden werden!

Cyclamenknollen 

Der Eintrittspreis von 25 Euro schien vordergründig zwar gesalzen, man schnappte kurz nach Luft, aber für manchen Museumsbesuch berappt man genauso viel, wenn nicht sogar mehr und bekommt weniger geboten, und Erfurt ist Museum und lebendige Gegenwart in einem! Aber warum dann bei so massig vorhandenen Parkplätzen noch zusätzlich 8 Euro eingestrichen werden, das finde ich dann doch etwas zu grob! Auch die schnodderigen Kommentare manch scheinbar lustloser Angestellter der BUGA über kleine Nebensächlichkeiten könnten überflüssiger nicht gewesen sein! Letztlich überwog aber die Begeisterung und Freude bei weitem, es war dies ein toller Ausflug, zudem traf ich liebe Freunde! Ich kann nur jedem pflanzenversessenen Gartenfreund wärmstens empfehlen, unbedingt in die Landeshauptstadt Erfurt in Thüringen zu fahren, dies gilt ganz besonders auch für junge Berufsgärtner und Studenten, nicht nur für Rentner!

Was geschieht momentan in unserer Gärtnerei? Die Stauden wachsen rasant, das Unkraut leider noch schneller, bedingt durch das feuchtwarme Wetter der vergangenen Zeit. Wir schaffen es gerade noch, leider immer mit Hängen und Würgen, es in Schach zu halten! Ansonsten sind wir in diesen Wochen mit der Vermehrung von zwei Großsortimenten beschäftigt, nämlich mit den Buschwindröschen (rund 135 Sorten) und dem Sommerphlox (rund 200 Sorten, insgesamt rund 12.000 Stück!). Es gilt, die übriggebliebenen, inzwischen verblühten Töpfe aufzunehmen und in frische Erde umzutopfen, gleichzeitig aber unsere eigens vermehrten Jungpflanzen dazu zu topfen. Eine Megaaufgabe kann ich dir nur sagen! Wir stocken unser Phloxsortiment jährlich um einige Neuzugänge auf, die durch Stecklinge frisch vermehrten topfen wir in 9x9 cm-Töpfe, die stärkeren, älteren wandern in 11x11 cm-Töpfe. Einige Sorten werden im Webshop kurzzeitig „gesperrt“, bis wir wieder von der teilweisen Mangelwirtschaft wegkommen und wieder zu ausreichenden Stückzahlen gelangen. Dafür werden Sorten wie ‘Chaosfritz’, ‘Perun’ oder ‘Rumjanyi’ endlich wieder verfügbar sein. Phlox ist bekanntlich eine Hauptkultur von uns, wenn nicht vielleicht unsere bedeutendste! Nicht weniger bedeutsam sind für uns auch die Buschwindröschen (Anemone nemorosa, A. × lipsiensis und A. ranunculoides, samt Sorten!). Vermehrt werden diese durch Rhizomteilung, ich muss entscheiden, wie viele pro Sorte wir für die kommende Saison benötigen werden, welche Sorte im Absatz Bedeutung hat und bei welcher Sorte ich die Produktion kürzen darf. Dies ist das Los jeder Staudengärtnerei, man kann nie genau vorhersagen, welche Sorten davon werden im kommenden Jahr wohl die Verkaufsschlager werden?

Mein neuestes Buch ist endlich da! Seit letzter Woche halte ich es überglücklich und druckfrisch in meinen Händen! Im diesjährigen Winter fand ich endlich Zeit, ein Buch über meine Rundbriefe zu verfassen. Von dir und deinen derzeit rund 7.000 Mitabonnenten wurde ich in den vergangenen Jahren ja mehrfach dazu angeregt. Das Buch enthält meine schönsten und wichtigsten Newsletter, welche durch originelle und ansprechende Bilder und persönliche Tipps aufgewertet wurden. Der Inhalt der Rundbriefe umfasst alle Facetten der Staudenverwendung, es geht aber auch um Neuheiten, um Tipps und Tratsch aus der Staudenwelt, wie du es von mir gewohnt bist. Die Rundbriefe im Buch wurden teilweise durch neuere Bilder ergänzt, die Texte wurden aktualisiert. Ich denke, dass sich die Arbeit gelohnt hat, es ist daraus ein wunderschönes Werk entstanden, welches du bei mir jederzeit via Webshop oder per Mail bestellen kannst (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Das Buch ist im Eigenverlag erschienen und kostet á 19.90 + 6 Euro Versand, es kann aber ebenso gut mit einer Pflanzenbestellung mitgeliefert werden, selbstverständlich mit einer persönlichen Widmung von Sarastro an Pamina oder Papageno!

Das Buch VorderdeckelDas Buch HinterdeckelDas Buch Inhaltsverzeichnis 

Am Donnerstag und Freitag, dem 3. und 4. September bin ich bei Miranda und Hans Kramer in Ede/Holland eingeladen, besser bekannt unter „De Hessenhof“. Wir sind langjährige Freunde und Kollegen, tauschten uns untereinander über die Jahre immer wieder aus. De Hessenhof ist bekannt für sein exklusives und breites Sortiment, ein Anziehungspunkt ersten Ranges für alle Staudenfans! Hans war vor 5 Jahren bei unserer 20-jährigen Jubiläumsfeier zugegen und da kann ich unmöglich bei seiner eigenen 40-jährigen Feier fernbleiben! Nach Ede kommen auch einige bekannte Gärtnereien aus dem Umfeld, sowie von weiter entfernten Regionen, die meisten von ihnen sind mir lange bekannt. Ich bringe zu Hans hoffentlich nur solche Pflanzen mit, wo ich denke, dass du sie dort vielleicht nicht vorfinden wirst. Keine leichte Aufgabe, aber das Staudensortiment ist bekanntlich immens groß, wie du sicher schon feststellen konntest. Ich freue mich jedenfalls riesig darauf, trotz der nicht endend wollenden Arbeit in unserer Gärtnerei! Es ist ein „breiter“ Weg bis Ede, wohl auch für dich! Aber ich bin mir ganz sicher, dass du es nicht bereuen wirst, zum Hessenhof zu fahren. Die Gärtnerei liegt vor Ede, zwischen Utrecht und Arnhem, am Rande der „Hooge Veluwe“, einem ausgedehnten Naturschutzgebiet, welches mich an die Lüneburger Heide erinnert. Das Programm und die restlichen Aussteller findest du auf der Website bei De Hessenhof (hessenhof.nl).

Und am Samstag, dem 11. September findet im Botanischen Garten Linz wieder ein kleiner Verkauf statt, von 10 Uhr bis 15 Uhr, im Eingangsbereich. Alles, was schön ist und was dir gefallen könnte, bringe ich gerne mit, sei es als Vorbestellung oder gleich vor Ort in unserem schönsten Botanischen Garten!

Jetzt bist Du über alles Neueste gut unterrichtet, Dir wünsche ich alles Gute und einen beschaulichen Sommerausklang!

 

Dein Staudengärtner Sarastro

Christian Kress
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christian Kress und Mitarbeiterinnen 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christian H. Kreß und Mitarbeiterinnen


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