Schatzjäger

Lilien: Seit Jahrtausenden begehrt, aber nicht ganz einfach

Moderne Sorten sind weniger zickig - aber beliebt bei Wühlmaus und Lilienhähnchen wie eh und je

Dr. Joerg Michael GiffeiDr. Jörg GiffeiNeben der Rose gehört sie zu den seit Jahrtausenden kultivierten ausdauernden Zierpflanzen, aber sie genießt auch den Ruf, nicht gar so einfach zu sein: die Rede ist von der Lilie - oder besser - den Lilien (es gibt mehrere natürliche Arten). Dr. Jörg Giffei, Lilienzüchter aus Datteln, stellte der Dortmunder Gesellschaft der Staudenfreunde diese "Wilden" vor.

Sie erfordern gelegentlich besondere Aufmerksamkeit. Einige mögen sauren Boden, eine bevorzugt feuchten Untergrund; die meisten lieben es eher trocken. Die beliebtesten Lilien für den Garten sind heute jedoch Hybridzüchtungen, in denen die Vorzüge verschiedener Arten kombiniert werden. Was sie auf jeden Fall brauchen, ist Sonne und ein durchlässiger Boden. Schwerer Lehm benötigt eine Dosis Sand oder Splitt, um Heimat für Lilienzwiebeln zu werden.

 

 

Lilium martagon var. daugavaLilium martagon var. daugavaDurch moderne Zuchtmethoden wie Embryo-Kultur und Tetraploidie (vierfacher Chromosomensatz) sind unzählige Liliensorten entstanden, die größere Blüten und gleichzeitig robuste Gesundheit aufweisen. Es gibt moderne Formen, die bis zwei Meter hoch werden mit riesigen Blütenkandelabern, die Stars im Hintergrund eines Staudenbeetes. Für einen naturhaften Garten empfiehlt der Lilienspezialist, der vor der Pensionierung übrigens als Geburtsmediziner in einer Dattelner Klinik tätig war, die besonders langlebigen Martagon-Hybriden.  Diesen und weiteren für den Garten geeigneten Sorten bekommt die Gesellschaft von Stauden gut. Sie öffnen zwar ihre Blüten in der Sonne,  halten aber die Füße gern kühl - durch den Schatten anderer Pflanzen.

Was für die Vase gut ist, taugt kaum für ein Leben im Freien

gelbe Liliegelbe LilieAndere, großblumige Sorten werden heute im großen Stil für die Treiberei gezogen - vor allem in den Niederlanden. Sie eignen sich kaum als Gartengewächse. Auch wenn sie von ihren zahlreichen Fressfeinden verschont bleiben, hat man nicht lange Freude daran. Sie müssen immer wieder nachgekauft werden. Einige Sorten duften sehr stark, z. B. Trompetenlilien, die Orient- und die asiatischen Hybriden. Nicht allen Lilienfreunden gefällt starkes Parfüm bei einem Blumenstrauß in der Wohnung, aber draußen kann man das Wagnis eingehen.

Den meisten Staudenfreunden haben Wühlmäuse, die Lilienzwiebeln (neben Tulpenzwiebeln) zum Lieblingsessen gewählt haben und das hübsche, knallrote Käferchen namens "Lilienhähnchen" schon oft den Spaß an der edlen Schönen verdorben. Was tut ein Lilienfachmann dagegen, musste sich Dr. Giffei fragen lassen. Sein Rat: Geduld bewahren, eifrig und ständig auf Jagd gehen. Beim Lilienhähnchen nie vergessen, beide Hände zu benutzen(die eine unter das Blatt mit dem Käfer legen, weil er sich fallen lässt). Gelingt es, zwei Exemplare bei der Paarung zu erwischen, sollte man unbedingt alle Blattunterseiten der betreffenden Pflanze untersuchen, ob nicht bereits Eier daran haften, aus denen die gefräßigen Larven schlüpfen.

Um Wühlmäuse davon abzuhalten, sich kostbare Zwiebeln einzuverleiben, kann man ausprobieren, was am besten wirkt: Drahtkörbchen oder Pflanzung in bodeneben eingegrabenen Töpfen, die genug Löcher für die Wurzeln haben. Und Fallen stellen.

Ohne Fleiß keine Blütenpracht - Patentrezepte gibt es nicht

Ohne Fleiß keine Lilienpracht, denn - so gestand Dr. Giffei -  ein einfaches Patentrezept gegen hungrige Nager hat er auch nicht. Schon in antiken Kulturen wurden Lilien in Gärten gepflanzt; auf den Andachtsbildern mittelalterlicher Maler sind weiße Madonnenlilien - Symbolpflanze der Gottesmutter - dargestellt. Schönheit und die den Lilien unterstellten Heilkräfte ließen offensichtlich Gärtner vor tausend Jahren alle Mühe auf sich nehmen.

Lilien sind in vielen Staudengärten Stiefkinder - nicht, weil niemand sie haben möchte, sondern weil sie als schwierig gelten, gern selbst umherwandern oder auch schnell verschwinden, sogar wenn sie nicht von Lilienhähnchen oder Wühlmaus aufgefressen wurden.Lilienzüchter Dr. Jörg Giffei aus Datteln kennt die uralte Kulturpflanzengruppe genau. Er betont, dass es heute eine Menge moderner Züchtungen gibt, die sogar für naturnahe Staudenbeete geeignet sind.

Wo bekommt man die besten Sorten? Diese Adressen helfen weiter

Wer sich für solche Sorten interessiert, die es nicht in jedem Gartencenter gibt, kann sich - der GdS-Fachgruppe Lilien sei Dank - bei den Spezialisten der renommierten Gesellschaft informieren. Weitere Adressen , bei denen man besondere Lilienzüchtungen erhalten kann, sind die Traditionsfirma Hoch in Berlin (www.albrechthoch.de, Tel. 030/8026222, email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) der stellvertretende GdS-Vorsitzende Stefan Strasser aus Erlangen, Gustav-Adolf-Str. 2, Tel. 0171/ 3156045 (www.lilien-strasser.de, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und Blumenzwiebelspezialist Horst Gewiehs in 37285 Wehretal  (www.gewiehs-blumenzwiebeln.de, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Ein Fachbuch mit dem Titel "Lilien im Aufwind" von Gerhard Steinbrück ist allen zu empfehlen, die sich intensiver mit dem Thema auseinander setzen möchten. Es kann direkt beim Autor Gerhard Steinbrück, Hainstraße 31, 12439 Berlin, Tel. 030/ 6315710, bestellt werden. Sammelbestellungen sind empfohlen, um Porto zu sparen.


Lilien-Fotos: oben Birgit Hübner, unten Monika Zybon-Biermann
Porträt-Foto: Monika Zybon-Biermann

 

 

Die Kunst des Gärtnerns

Es kommt nicht darauf an, fertig zu werden,
es geht dem Gärtner vielleicht mehr
um’s Sähen als um’s Ernten
es geht um das Dazwischen,
das Sein und das Werden,
nicht um das Ende.

Es geht um das Graben in der Erde,
nicht um die freien Hände.
Es geht vielleicht um die Laube und die Dinge darin.
Die alte Schaufel ist nur scheinbar ohne Sinn;
der Gärtner hat so seinen lieben Zauberkram,
mit dem er gar nichts und doch alles kann.
Er kann dem Wachsen nicht die Zeit befehlen,
aber ein kleines Zauberreich beseelen.
Vielleicht geht’s mehr um’s Sähen als um’s Ernten,
um das Dazwischen, das Sein und das Werden.

Cornelia Schneider