Schmökerstunde

Die schönste Blackbox liegt in einem Garten

Jonas Reif präsentierte Buch über neues Gestaltungsprinzip

Portraet Jonas Reif„Blackbox-Gardening“, das kannte vor kurzem noch keiner. 2015 lockte der Vortrag darüber viele Staudenfreunde ins „Haus der Rose“ im Dortmunder Westfalenpark. Dabei hatte Gartenpraxis-Chefredakteur Jonas Reif (rechts im Bild) mit seiner Idee zunächst wenig Beifall bei den Buchverlegern im eigenen Haus geerntet. Dass sie sich überreden ließen, das Thema in Buchform vorzustellen und dann noch in schwarzer Optik, wird wohl inzwischen bei Ulmer niemand bereuen. Die Publikation gewann den Deutschen Gartenbuchpreis 2015 in der Kategorie Bester Ratgeber: schönster Lohn für die beiden Autoren Jonas Reif und Christian Kress sowie den Fotografen Jürgen Becker.

 Was steckt hinter dem Begriff? Ganz sicher nicht die immer mit einer Tragödie verbundene Flugzeug-Blackbox. In der Wissenschaft bedeutet Blackbox ein in sich geschlossenes System, das man nur von außen sehen kann. Der „Input“, was man hineinsteckt, ist bekannt, aber der „Output“, also das Ergebnis, ist die Überraschung. Einfach gesagt: Wer sich für „Blackbox Gardening“, das Gestalten mit selbstversamenden Pflanzen entscheidet, lässt der Natur Spielraum, mitzugestalten. Diese Form des Gärtnerns ist nicht mit der Philosophie des Naturgartens, wie sie vor Jahrzehnten in Mode war (Gartenarbeit abschaffen), zu verwechseln. Eine klare Grundkonstruktion kann nützen; permanente Pflege ist das Wichtigste. Sie verhindert, dass der üppige, lockere Blütentraum zum dschungelhaften Albtraum verkommt.

Welche Pflanzen eignen sich für das Konzept? Es sind sowohl Ein- wie Zweijährige und kurzlebige Stauden. Die Blackbox-Dosis darf variiert werden. Auch langlebige Stauden und Gehölze lassen sich integrieren. Einem strengen Grundriss bekommt es gut, wenn gerade Linien aufgebrochen und überspielt werden. Der Mut zur Lücke ist Pflicht: Nirgends entwickeln sich manche sonst schwierig im Garten anzusiedelnde Pflanzen so erfolgreich wie in Mauer- und Pflasterritzen. Öde Betonpflaster verwandeln sich mit Hilfe pflanzlicher Vagabunden in blühende Steingärten. Um das Wachstum im Zaum zu halten, ist gelegentliches Auszupfen ratsam. Wer vorhat, den eigenen Garten umzugestalten, kann vorsichtshalber mit einer kleinen Portion beginnen: ein paar Quadratmeter von Bewuchs befreien, zwei bis drei Arten aussäen oder als Einzelpflanzen setzen und abwarten. Zu den Favoriten für das Naturprogramm gehören Stockrosen (Alcea rosea), Salbei-Arten, das Patagonische Eisenkraut Verbena bonariensis, kalifornischer Goldmohn, Habichtskräuter, Klatschmohn, Bronzefenchel, die Spornblume Centranthus ruber und vieles mehr. Für absonnige Bereiche eignen sich Fingerhüte, Scheinlerchensporn und Akelei. Im sonnigen Kiesbeet kann man es u.a. auch mit Meerkohl, Crambe maritima, versuchen.


FritillarienFritillarien wandern gern auf feuchten Wiesen umher.
Foto ©: Reif

Wenn nötig, lassen sich auf kleinen Flächen die Bodenverhältnisse verändern, den Bedürfnissen der künftigen Bewohner entsprechend – das heißt, man kann abmagern (Humusschichten entfernen), Sand, Kies, Splitt zumischen, um mehr Durchlässigkeit zu erreichen, durch Koniferennadeln ansäuern oder gegebenenfalls aufkalken.

NachtkerzenOenothera, die Nachtkerzen, umspielen hier streng geschnittene Hecken.
Foto ©: Reif


Ständiger Wechsel, spannende Entwicklungen

Jonas Reif bekennt, sich schon vor langer Zeit für diesen durch ständigen Wechsel und spannende Entwicklungen gekennzeichneten Gartenstil erwärmt zu haben. Dabei begann seine Liebe zur Gartengestaltung ungewöhnlich früh. Liegt es in den Genen? Schon sein Großvater war Gartenarchitekt. Im zarten Alter von „13 bis 14 Jahren“ (Reif) lieferte der Enkel den ersten Entwurf ab, der sogar realisiert wurde. Bis zum Abitur blieb er dabei, Gärten zu planen. Dann folgten ein Studium der Landschaftsarchitektur, von 2008 bis 2011 die Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Landschaftsarchitektur der TU Dresden und die Mitarbeit bei Foerster-Stauden. Er verfasste das Foerster-Stauden-Kompendium. Dass er sich dann dazu entschloss, die Redaktion der renommierten Ulmer Gartenpraxis in verantwortlicher Funktion zu übernehmen, stellte eine neue Herausforderung dar. Vor allem deshalb, weil er, der mit seiner Familie nahe Berlin zu Hause ist, nicht bereit war, nach Stuttgart umzuziehen. Als „Wohlfühl-Brandenburger“ arbeitet er mal von zu Hause aus, mal reist er in die Hauptstadt von Baden-Württemberg.

Das Buch ist im Handel erhältlich, ISBN 978-3-8001-7538-3. Infos über das Angebot des Ulmer-Verlages gibt es im Internet unter www.ulmer.de. Die Gartenpraxis wird unter www.gartenpraxis.de ausführlich vorgestellt.